Aegidius Romanus

Aegidius RomanusOESA (Aegidius von Rom, Beiname „doctor fundatissimus“; * um 1243 in Rom; † 22. Dezember 1316 in Avignon) war ein Augustiner-Eremit und ein bedeutender Schüler des Thomas von Aquin.



Leben




Über seine frühen Jahre ist so gut wie nichts bekannt. Aegidius wurde in Rom geboren und stammte wohl aus bescheidenen Verhältnissen. Seine angebliche Abstammung von der bekannten stadtrömischen Familie Colonna wird erst in späteren Quellen unterstellt, zeitgenössische Belege dafür fehlen. Er war einige Zeit ein Schüler des Thomas von Aquin und studierte am Konvent des Augustinerordens in Paris. Im Zusammenhang mit den Pariser Verurteilungen verließ Aegidius Paris und stieg bald im Augustinerorden auf. 1285 fungierte er als Vikar seines Ordens, von 1292 bis 1295 sogar als Ordensgeneral. Er lehrte auch wieder von 1285 bis 1291 an der Universität Paris. 1295 wurde er zum Erzbischof von Bourges ernannt. In der Folgezeit mischte er sich immer wieder in aktuelle Debatten ein. So unterstützte er den französischen König Philipp den Schönen in dessen Konflikt mit dem Templerorden (siehe Templerprozess). Aegidius verstarb 1316 an der päpstlichen Kurie in Avignon.Aegidius Schriften umfassen einen großen Themenkreis und reichen von der scholastischen Philosophie bis zur Theologie. Neben mehreren Kommentaren zu Werken des Aristoteles und Abhandlungen zur Bibel schrieb er einen im Mittelalter sehr einflussreichen FürstenspiegelDe regimine principum für Philipp den Schönen. Um 1270 verfasste er eine Abhandlung unter dem Titel Errores philosophorum ("Die Irrtümer der Philosophen"), deren 12. Kapitel einer Widerlegung von Maimonides' Ansichten im Führer der Unschlüssigen gewidmet ist. In der publizistischen Auseinandersetzung zwischen Papst Bonifaz VIII. und Philipp stand er auf der Seite des Papstes und verfasste 1302 das kirchenpolitische TraktatDe ecclesiastica potestate, dessen Inhalte in die BulleUnam Sanctam einflossen. Einige seiner Schüler, darunter Jakob von Viterbo, schlossen an diese Überlegungen an. In theologischen Werken wird er oft als "doctor fundatissimus" bezeichnet.

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Geboren & Gestorben

1243

Geboren:
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Aegidius Romanus, Scholastiker und Augustiner-Eremit (+ 1316)

Kunst & Kultur

1280

Kultur:
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(um) Aegidius Romanus schreibt für Philipp den Schönen von Frankreich seinen im Mittelalter sehr beliebten Fürstenspiegel „De regimine principum“.

Wissenschaft & Technik

1285

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Aegidius Romanus erhält endlich einen Lehrstuhl in Paris (s. 1277).

Religion

1295

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Aegidius Romanus wird Erzbischof von Bourges (bis zu seinem Tod 1316).

1292

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Aegidius Romanus wird Generalprior der Augustiner-Eremiten (bis 1295).

1281

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In der Sache ‚Kirche‘ gegen Petrus Johannes Olivi (s. Spiritualen) werden dessen Schriften durchforstet mit dem Ergebnis zu inkriminierender Artikel, die dann u. a. von Aegidius Romanus in einem Gutachten festgestellt und von Papst Johannes XXII. schließlich am 8. Februar 1326 „wegen einer These verurteilt“ werden (30 Jahre nach dessen Tod).

1277

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Ägidius von Rom (Schüler des Thomas von Aquin in Paris bis 1272) erlangt dort wegen seines Eintretens für den Aristotelismus gegenüber dessen Verurteilung erst 1285 einen Lehrstuhl.

1269

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Thomas von Aquin erhält eine zweite Berufung auf einen der beiden Lehrstühle für Nichtfranzosen an der Universität Paris (bis 1272). Zu seinen Schülern gehören u. a. Petrus von Dacien (s. 1268), der das Studium generale am Konvent der Dominikaner in Köln verlässt und für ein Studienjahr nach Paris kommt, sowie der Augustiner-Eremit Aegidius Romanus (ebenfalls bis 1272). Aufgrund der im Jahr zuvor (1267) von Gerhard von Abbeville veröffentlichten Streitschrift gegen die Bettelorden schreiben Thomas von dominikanischer und Bonaventura und Johannes Peckham von franziskanischer Seite Widerlegungen, auf die Gerhard wiederum mit Repliken antwortet, was sich bis 1271 hinziehen wird.

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