Anazarbos

Die Akropolis von Anazarbos

Anazarbos ist eine antike Stadt im nordöstlichen Kilikien (Kilikia Pedias) (heute in der Provinz Adana, Türkei). Andere Namensformen sind: Anarzabus, Anazarba, Caesarea ad Anazarbum, Justinianopolis, in nachantiker Zeit Anazarva, ʿAin Zarba (arabisch), Naversa (Kreuzritter), Çeçen Anavarza, heute Ağaçlı oder Dilekkaya („Wunschfelsen“). Der Name wird von einem gleichnamigen sagenhaften Gründer abgeleitet oder von einem Berg in der Nähe. Der "Anavarza-Felsen" wird häufig in Werken des Schriftstellers Yaşar Kemal erwähnt, wie „Memed mein Falke“ und „Das Unsterblichkeitskraut“. Am Rande des ausgedehnten Ruinenfeldes von Anazarbos existiert heute das kleine Dorf Dilekkaya.

Die Stadt war ein Metropolitanbistum im Gebiet des Patriarchats von Antiochia und ist heute ein Titularerzbischofssitz der römisch-katholischen Kirche (siehe Anazarbus (Titularerzbistum)).



Inhaltsverzeichnis



Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesamtansicht mit Aquädukt (bei Langlois)

Anazarbos liegt 28 km südlich von Kozan (Sis) in der Provinz Adana am Fluss Ceyhan (antik Pyramos). Durch seinen über 200 m hohen Burgberg, einen Ausläufer des Taurus, der in die kilikische Ebene ragt, hatte die dortige Befestigung in der gesamten Antike eine große strategische Bedeutung.



Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach ersten Grabungsergebnissen war der Burgberg bereits in prähistorischer Zeit besiedelt. Durch Münzprägungen ist die Stadt seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. belegt. 67 v. Chr. wurde der ehemalige Pirat Tarkondimotos I. von Pompeius zum König von Anazarbos ernannt. Er starb in der Seeschlacht von Actium, wo er auf der Seite von Marcus Antonius kämpfte. Nach dem Tode König Tarkondimotos’ II. übernahm Rom die direkte Herrschaft. Die Siedlung erhielt 19 v. Chr. von Augustus die Stadtrechte und wurde kurz darauf in das römische Reich eingegliedert. 260 n. Chr. wurde Anazarbos durch den sassanidischen König Schapur I. erobert. Die Heiligen Tharakos, Probus und Andronikos erlitten um 304 in Anazarbos das Martyrium und galten danach als Schutzheilige von Kilikien. Ihre Reliquien wurden schließlich durch Bischof Auxentius nach Mopsuestia überführt.

Im 4. Jahrhundert wurde die Stadt durch Balbinos von Isaurien zerstört. Unter Theodosius II. wurde Anazarbos Hauptstadt der Provinz Cilicia Secunda. 431 und 435 fanden hier Konzile statt. Ein Titularerzbistum der Römisch-katholischen Kirche bestand bis ins 20. Jahrhundert. Die Stadt wurde 525, 561 und 1945 durch Erdbeben zerstört und im 6. Jahrhundert von einer Seuche heimgesucht. Nach Zerstörungen durch ein verheerendes Erdbeben, das ganz Kilikien verwüstete, wurde die Stadt unter Justinian I. wieder aufgebaut und mit dem Namen Justinianopolis bedacht.

Der Abbaside Hārūn ar-Raschīd baute die Stadt 796 wieder auf und auch der Kalif al-Mutawakkil (846-861) ließ hier Gebäude errichten, wie kufische Bauinschriften in einem Turm am Westtor belegen. Unter Basileios I. (867-886) wird Abu Abdallah ibn Amr als Emir von Anazarba erwähnt. Angeblich verließ er die Stadt auf die Nachricht hin, dass sich ein kaiserliches Heer nähere, und floh nach Melitene, von einer Einnahme Anazarbas durch die Byzantiner wird jedoch nichts berichtet. Im 10. Jahrhundert ließ der Hamdanide Saif ad-Daula die Stadt für (wie Yaqut berichtet) drei Millionen Dirhams befestigen.

964 eroberte Nikephoros II. Phokas die Stadt. Nachdem sie 1107 an den Armenier Thoros I. gefallen war, wurde sie unter Johannes II. Komnenos zwischen 1137 und 1144 wiedererobert. Sie war bis 1184 Hauptstadt von Kleinarmenien, dann wurde Tarsus Hauptstadt.



Forschungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ruinen wurden 1836 durch Charles Texier besucht. Der französische Orientalist Victor Langlois war 1852-53 vor Ort, um Inschriften und bauliche Spuren aus der Zeit des Armenischen Königreiches zu studieren. Auch die britische Reisende Gertrude Bell besuchte Anazarbos. Seit 2004 führte das Deutsche Archäologische Institut hier einen Survey durch.



Sehenswrdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadtmauer, 1,5km lang, mit vier Toren und 20 Bastionen ausgestattet
  • Prachtstrae
  • Thermen
  • Theater
  • Stadium auerhalb der Stadtmauern
  • Aqudukt
  • Ruinen der Apostelkirche
  • Triumphbogen mit drei Durchgngen, die Sdseite zieren sechs korinthische Sulen aus schwarzem Granit. Auf der Nordseite befinden sich Nischen, in denen Statuen standen.
  • Nekropolis im Westen der Stadt, Felskammergrber und freistehende Sarkophage
  • Mittelalterliche Burg mit drei Verteidigungswllen, Kasernen, einem dreistckigen Turm, Speichern und Zisternen.
  • Eine 250 m lange, 4?15 m tiefe Schlucht, in der die Strae von Anazarbos nach Flaviopolis (Kozan) und Hierapolis Kastabala verluft. Sie wurde der Legende nach von Ali ibn Abi Talib erschaffen, als er auf der Flucht vor seinen Feinden den Felsen mit seinem Schwert spaltete.
  • Im rtlichen Freilichtmuseum sind Mosaike, unter anderem von Fischen, und verschiedene Bauteile wie Kapitelle zu sehen.


Historische Persnlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Hl. Julianus von Anazarbos (? 302), Festtag 16. Mrz, wurde in Anazarbos geboren und erlitt unter Diokletian das Martyrium, als man ihn in einem Sack voller Schlangen und Skorpione ins Mittelmeer warf. Seine Reliquien werden in Antakya aufbewahrt.
  • der rmische Arzt und Naturkundler Dioskurides aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. Sein Hauptwerk, De materia medica, wurde zwischen 50 und 70 n. Chr. verfasst.


Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Victor Langlois: Voyage dans la Cilicie et dans les montagnes du Taurus: excut pendant les annes 1851-1853 .... B. Duprat, Paris 1861 bei Google Books
  • Michael Gough: Anazarbus. In: Anatolian Studies 2, 1952, S. 85?150.
  • Michael Gough:Anazarbos Cilicia Campestris, Turkey. In: Richard Stillwell u.a. (Hrsg.): The Princeton Encyclopedia of Classical Sites. Princeton University Press, Princeton NJ 1976, ISBN 0-691-03542-3.
  • Paolo Verzone: Citt ellenistiche e romane dell'Asia Minore: Anazarbus. In: Palladio N.S. 7, 1957, S. 9?25.
  • Friedrich Hild, Hansgerd Hellenkemper: Kilikien und Isaurien, Tabula Imperii Byzantini 5, Wien 1990, S. 178?185, ISBN 3-7001-1811-2
  • Hansgerd Hellenkemper: Die Stadtmauern von Anazarbos/Ayn Zarba. In: 24. Deutscher Orientalistentag vom 26. bis 30. September 1988. Ausgewhlte Vortrge. Steiner, Stuttgart 1990. S. 71?76. ISBN 3-515-05356-5.
  • Ruprecht Ziegler: Kaiser, Heer und stdtisches Geld. Untersuchungen zur Mnzprgung von Anazarbos und anderer ostkilikischer Stdte. Wien 1993 (Ergnzungsbnde zu den Tituli Asiae Minoris, 16) ISBN 3-7001-2001-X.
  • Mustafa Hamdi Sayar: Die Inschriften von Anazarbos und Umgebung. Teil 1. Inschriften aus dem Stadtgebiet und der nchsten Umgebung der Stadt. Habelt, Bonn 2000 (Inschriften griechischer Stdte aus Kleinasien, 56) ISBN 3-7749-2960-2.
  • Richard Posamentir, Mustafa Hamdi Sayar: Anazarbos. Ein Zwischenbericht aus der Metropole des Ebenen Kilikien. In: Istanbuler Mitteilungen 56, 2006, S. 317?357.
  • Richard Posamentir: Ohne Ma und Ziel? Bemerkungen zur Sulenstrae von Anazarbos im Ebenen Kilikien. In: I. Delemen u. a. (Hrsg.): Festschrift fr Haluk Abbaso?lu anlsslich seines 65. Geburtstages 2008. Istanbul 2008, S. 1013?1033
  • M. Kad?o?lu, Anazarbos Zafer Tak?: Restitsyon ve Tarihleme nerisi, in: G. Kkdemir (ed.), Orhan Bingl?e 67. Ya? Arma?an?/A Festschrift for Orhan Bingl on occasion of his 67th Birthday (2013) 237?260.


Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

37.26388888888935.905555555556Koordinaten: 37° 15′ 50″ N, 35° 54′ 20″ O

Gesamtansicht mit Aquädukt (bei Langlois)Bild: Klaus-Peter SimonLizenz: Creative Commons Attribution V3.0

Anazarbos ist eine antike Stadt im nordöstlichen Kilikien (Kilikia Pedias) (heute in der Provinz Adana, Türkei). Andere Namensformen sind: Anarzabus, Anazarba, Caesarea ad Anazarbum, Justinianopolis, in nachantiker Zeit Anazarva, ʿAin Zarba (arabisch), Naversa (Kreuzritter), Çeçen Anavarza, heute Ağaçlı oder Dilekkaya („Wunschfelsen“). Der Name wird von einem gleichnamigen sagenhaften Gründer abgeleitet oder von einem Berg in der Nähe. Der "Anavarza-Felsen" wird häufig in Werken des Schriftstellers Yaşar Kemal erwähnt, wie „Memed mein Falke“ und „Das Unsterblichkeitskraut“. Am Rande des ausgedehnten Ruinenfeldes von Anazarbos existiert heute das kleine Dorf Dilekkaya.

Die Stadt war ein Metropolitanbistum im Gebiet des Patriarchats von Antiochia und ist heute ein Titularerzbischofssitz der römisch-katholischen Kirche (siehe Anazarbus (Titularerzbistum)).

mehr zu "Anazarbos" in der Wikipedia: Anazarbos

Antike

67 v. Chr.

Römisches Reich:
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Der römische Feldherr Pompeius beendet auf Basis der von Volkstribun Aulus Gabinius beantragten Lex Gabinia das Seeräuberunwesen vornehmlich Kilikischer Seeräuber im Mittelmeer. Die Piraten werden von Pompejus jedoch nicht gekreuzigt, sondern wie Menodoros zu Bundesgenossen gemacht. Einer von ihnen, Tarkondimotos I. wird zum König von Anazarbos erhoben.

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