Arisierung

Arisierung oder „Entjudung“ nannten die Nationalsozialisten die Verdrängung von Juden und „jüdischen Mischlingen“ aus Handel, Gewerbe, Wohnungen, Häusern und Wissenschaft im Sinne der Nürnberger Gesetze. Sie fand von 1933 bis 1945 im Deutschen Reich sowie angeschlossenen und besetzten Ländern statt und wird heute in der Regel als „Raub“ eingeordnet. Meist wurde sie zwar in Form als formell ordnungsgemäßer „Verkaufinszeniert, dieser geschah jedoch unter erheblichen faktischen und/oder behördlichen Zwängen, sodass der Verkäufer nur selten einen angemessenen Preis erzielen konnte. Dadurch kam es zu erheblichen Arisierungs-„Gewinnen“ zugunsten einzelner Personen.

Von den oft unter Zwang erfolgten Verkäufen zu unterscheiden ist die Konfiszierung jüdischen Eigentums zugunsten des Staates, die teilweise parallel erfolgte und die freiwilligen Notverkäufe der Betroffen, um den Zwangsmassnahmen zuvorzukommen; oft auch in Zusammenhang mit der Vorbereitung und Finanzierung einer Emigration.

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Geboren & Gestorben

1989

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Gestorben: Walter Rafelsberger stirbt. Walter Viktor Ludwig Rafelsberger war ein österreichischer SS-Führer, als Staatskommissar für die Regelung der Personalangelegenheiten in der Privatwirtschaft und in den gewerblichen Organisationen der Wirtschaft zuständig und als NSDAP-Gauwirtschaftsberater maßgeblich mit der „Arisierung“ befasst.
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Geboren: Ramona Bräu wird in Zeitz geboren. Ramona Bräu ist eine deutsche Historikerin und Politologin mit den Schwerpunkten „Arisierung” und Zwangsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus.
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Gestorben: August von Finck senior stirbt in Möschenfeld. August Georg Heinrich von Finck, war ein deutscher Bankier. August von Finck war der Sohn und Nachfolger von Wilhelm von Finck. Er gehörte zu den ersten Bewunderern Adolf Hitlers und hat mit seiner damaligen Privatbank "Merck Finck & Co" zahlreiche jüdische Banken „arisiert“. Unter diesen waren auch die Banken J. Dreyfus & Co. aus Berlin sowie Rothschild.
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Gestorben: Georg Karg (Unternehmer) stirbt in Bad Homburg vor der Höhe. Georg Karg war ein höherer Angestellter des Warenhausunternehmens Hermann Tietz oHG. Als der Nationalsozialismus an die Macht kam, bot sich ihm 1933 in einer Krise des Unternehmens die Gelegenheit, im Zuge einer „Arisierung“ die Gesellschafter der Hermann Tietz oHG mit Hilfe der nationalsozialistischen Regierung zu verdrängen und die Kaufhäuser billig zu erwerben. Er führte sie unter dem Namen Hertie.

1971

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Gestorben: Arnold Bernstein stirbt in Palm Beach. Arnold Bernstein war ein deutsch-US-amerikanischer Reeder und Pionier des Autotransports. Er war einer der ersten jüdischen Großkaufleute, die Opfer nationalsozialistischer Enteignungspolitik wurden.

Baulichkeiten

1892

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kaufte Louis Auguste Gut und Schloss Marquardt bei Potsdam als Sommersitz. 1912 ließ er es aufstocken und den Westflügel anbauen. 1900 stiftete er den Neubau der evangelischen Dorfkirche, in der er auch mit seiner ersten Ehefrau begraben liegt. 1932 wird das Schloss an den Hotelier Kempinski verpachtet, 1942 nach dessen „Arisierung“ an Aschinger verkauft. (Louis Auguste Ravené)

Politik & Weltgeschehen

Das Deutsche Reich & dessen Expansion:
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Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben; Abschluss der Arisierung.

Gründungen, Ersturkundliche Erwähnungen & Auflösungen

1924

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Gründung: Der Paul Zsolnay Verlag ist ein von Paul Zsolnay 1924 in Wien gegründeter belletristischer Verlag, der unter anderem Werke von Egmont Colerus, Heinrich Eduard Jacob, Heinrich Mann, Franz Werfel und H. G. Wells veröffentlichte. Von seiner Gründung 1924 bis zur „Arisierung“ 1938 war er sowohl nach Anzahl der veröffentlichten Werke als auch nach Umsatz der größte belletristische Verlag Österreichs. Seit 1996 gehört er zum Münchner Carl Hanser Verlag.

1873

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Gründung: Die Bergmann GmbH & Co. KG ist ein ursprünglich im Jahre 1873 begründetes Unternehmen der haarverarbeitenden Industrie in Laupheim im Landkreis Biberach in Oberschwaben. Während des Zweiten Weltkrieges musste der jüdische Eigentümer des Unternehmens mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten auswandern. Das Unternehmen wurde arisiert und in „Württembergische Haarfabrik“ umbenannt. Nach dem Krieg wurde der Betrieb im Jahre 1952 im Rahmen der Reparationen an die Eigentümer rückübereignet und unter dem Namen Bergmann weitergeführt.

Europa

Europa vor dem Krieg:
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Die letzten Ausgaben der -bereits 1938 enteigneten und „arisierten“ -auflagenstarken österreichischen Tageszeitungen Neues Wiener Journal und Neue Freie Presse erscheinen. Sie werden von den Nationalsozialisten mit dem der Ostmärkischen Zeitungsverlagsgesellschaft einverleibten Neuen Wiener Tagblatt verschmolzen.

Rundfunk, Film & Fernsehen

2003

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Film: Mariannes Heimkehr bzw. Mariannes Heimkehr -Die Jüdin, der Beamte und das Dorf ist ein deutscher Dokumentarfilm der WDR-Autoren Stefan Röttger und Gert Monheim. Der Film beschreibt insbesondere die Shoah, die „Arisierung“ und die deutsche Wiedergutmachungspolitik am Leben der jüdischen Einwohner von Hemmerden Ilse Rübsteck, Karl Winter und Marianne Stern (geb. Winter) und dem Finanzbeamten Josef Krüppel und andere Einwohner des Dorfes Hemmerden im Dritten Reich und in der Nachkriegszeit.

Stab:
Regie: Stefan Röttger, Gert Monheim
Produktion: WDR - Westdeutscher Rundfunk
Musik: Joachim Dürbeck

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