Austrofaschismus

Der Begriff Austrofaschismus ist eine der Fremdbezeichnungen für das von 1933/34 bis 1938 in Österreich etablierte autoritäre, an ständestaatlichen und faschistischen Ideen orientierte Herrschaftssystem, das sich teilweise stark an die Diktatur Benito Mussolinis in Italien anlehnte. Die Selbstbezeichnung war Ständestaat. Unter Historikern ist der Begriff Austrofaschismus umstritten. Er wird dezidiert vertreten, aber auch als zu umfassend abgelehnt oder in Einzelaspekten relativiert. Manche Historiker ordnen den Austrofaschismus dem Klerikalfaschismus zu.

Entwickelt und getragen wurde diese Abkehr von der Demokratie 1933/34 von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß und nach dessen Ermordung durch Nationalsozialisten maßgeblich von Kurt Schuschnigg und der Vaterländischen Front, einer Sammelbewegung und Einheitspartei, zu der sich die Christlichsoziale Partei, die Heimwehr und der Landbund zusammengeschlossen hatten. Am 11./12. März 1938, mit dem „Anschluss Österreichs“ an das Deutsche Reich, wurde diese Diktatur durch die Herrschaft der Nationalsozialisten abgelöst.

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Geboren & Gestorben

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Gestorben: Leopold Grausam, jun. stirbt in Deutsch-Wagram. Leopold Grausam, jun. war ein österreichischer Bildhauer und Steinmetzmeister. Er war langjähriger Technischer Leiter der Städtischen Steinmetzwerkstätte der Stadt Wien und schuf eine Vielzahl von Grabmälern und Grabsteinen sowie von Mahnmalen, Gedenksteinen und Gedenktafeln, insbesondere zum Gedenken an den Widerstand gegen den Austrofaschismus und Nationalsozialismus sowie zum Gedenken an die Opfer der NS-Zeit.
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Gestorben: Josef Schneeweiß stirbt in Wien. Josef Schneeweiß, auch Josef Schneeweiss, genannt Pepi Schneeweiß war ein österreichischer Mediziner und Sozialdemokrat. Er war Widerstandskämpfer gegen den Austrofaschismus sowie Interbrigadist. Während des Zweiten Weltkrieges war Schneeweiß Häftling im KZ Dachau.
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Gestorben: Resi Pesendorfer stirbt. Resi Pesendorfer war eine österreichische Widerstandskämpferin, zuerst gegen den Austrofaschismus und nach dem Anschluss gegen den Nationalsozialismus, und Organisatorin eines illegalen Frauennetzwerkes im Salzkammergut.
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Gestorben: Albrecht Gaiswinkler stirbt in Bad Aussee. Albrecht Gaiswinkler war ein österreichischer Beamter, Sozialdemokrat und Widerstandskämpfer zuerst gegen den Austrofaschismus und später gegen den Nationalsozialismus. Er arbeitete ab 1944 mit dem britischen Geheimdienst Special Operations Executive zusammen und plante 1945 ein Attentat auf Joseph Goebbels. Manche Quellen behaupten, er habe in den letzten Kriegstagen das Gemälde der Mona Lisa vor der Zerstörung gerettet. Neben Sepp Plieseis gilt er als eine der wichtigsten Figuren im Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Salzkammergut.
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Gestorben: Kurt Schuschnigg stirbt in Mutters. Kurt Alois Josef Johann Schuschnigg war während der Zeit des von ihm als Justizminister mitkonzipierten austrofaschistischen„Ständestaates“ von 29. Juli 1934 bis 11. März 1938 diktatorisch regierender Bundeskanzler des Bundesstaates Österreich. Nach dem „Anschluss“ Österreichs wurde er von den Nationalsozialisten bis 1945 als sogenannter „Schutzhäftling“ in verschiedenen Konzentrationslagern inhaftiert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er US-amerikanischer Staatsbürger und war in den Vereinigten Staaten als Professor für Staatsrecht tätig. 1968 kehrte er nach Österreich zurück, wo er 1977 starb.

Rundfunk, Film & Fernsehen

Rundfunk:
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In der vom Rundfunk übertragenen Trabrennplatzrede legt der österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß die ideologischen Grundsätze des Austrofaschismus erstmals einer breiten Öffentlichkeit dar.
Rundfunk:
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Die politischen Veränderungen und die Etablierung einer klerikal-faschistischen Diktatur in Österreich finden ihren Ausdruck auch im Hörfunkprogramm: erstmals wird die religiöse Sendung Die geistliche Stunde ausgestrahlt.

Österreich

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Die Maiverfassung, die oktroyierte Verfassung des austrofaschistischenStändestaates, tritt in Kraft.

Europa

1936

Weitere Ereignisse in Europa:
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16. März: Vor dem Wiener Landesgericht beginnt der „Große Sozialistenprozess“, ein Hochverratsprozess gegen Karl Hans Sailer, Maria Emhart und weitere Mitglieder der nach dem austrofaschistischen Verbot der Sozialdemokratischen Partei im Untergrund agierenden Revolutionären Sozialisten. Federführender Verteidiger ist Heinrich Steinitz. Aufgrund des internationalen Medieninteresses fallen die Urteile am 24. März verhältnismäßig milde aus.

Bemerkenswertes

Exponierte Ereignisse:
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Ende des Austrofaschismus: Adolf Hitler zwingt dem österreichischen Bundeskanzler Kurt Schuschnigg im „Berchtesgadener Abkommen“ die Aufnahme des Nationalsozialisten Arthur Seyß-Inquart in sein Kabinett auf.
Exponierte Ereignisse:
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Aufgrund einer kontroversen Abstimmung treten nacheinander alle drei Präsidenten des österreichischen Nationalrates zurück; diese von ihm als „Selbstausschaltung des Parlaments“ bezeichnete Krise ebnet Bundeskanzler Dollfuß den Weg in die austrofaschistische Diktatur.

Politik & Weltgeschehen

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Ereignisse > Politik und Weltgeschehen: Vor dem Wiener Landesgericht beginnt der „Große Sozialistenprozess“, ein Hochverratsprozess gegen Karl Hans Sailer, Maria Emhart und weitere Mitglieder der nach dem austrofaschistischen Verbot der Sozialdemokratischen Partei im Untergrund agierenden Revolutionären Sozialisten. (16. März)
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Ereignisse > Politik und Weltgeschehen: In Österreich verbietet das austrofaschistische Regime unter Kanzler Engelbert Dollfuß den Republikanischen Schutzbund. (31. März)
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Ereignisse > Politik und Weltgeschehen: In Wien wird der Nationalrat nach der angeblichen „Selbstausschaltung des Parlaments“ von der austrofaschistischen Bundesregierung unter Engelbert Dollfuß mit Polizeigewalt am Zusammentreten gehindert. Die österreichische Republik mündet damit in den austrofaschistischen Ständestaat. (15. März)
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Ereignisse > Politik und Weltgeschehen: In Österreich kommt es aufgrund einer verfahrenstechnischen Unachtsamkeit zur Beschlussunfähigkeit des Nationalrats, die der christlichsoziale Bundeskanzler Engelbert Dollfuß für einen Staatsstreich nutzt, indem er diese als „Selbstausschaltung des Parlaments“ bezeichnet. Die Zeit des Austrofaschismus beginnt. (4. März)

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