Böttcherstraße (Bremen)

Eingang zur Böttcherstraße, mit dem Fassadenrelief Der Lichtbringer von Bernhard Hoetger
Bild:
Jürgen Howaldt (photographer)

Die Böttcherstraße ist eine etwa 100 m lange Straße in der Bremer Altstadt, die aufgrund ihrer Architektur zu den Kulturdenkmalen und Touristenattraktionen in Bremen zählt. Die meisten Gebäude sind in der Zeit von 1922 bis 1931 entstanden und hauptsächlich Ludwig Roselius (1874–1943), einem Bremer Kaffeekaufmann und Mäzen, zu verdanken. Roselius beauftragte den Bildhauer, Maler, Architekten und Kunsthandwerker Bernhard Hoetger (1874–1949) mit der künstlerischen Gestaltung. Die Straße und ihre Gebäude sind ein seltenes Beispiel für die Architektur des Expressionismus. Von den Häusern können mehrere dem Stil des Backsteinexpressionismus zugeordnet werden. Die Böttcherstraße steht seit 1973 als Gesamtanlage unter Denkmalschutz.



Inhaltsverzeichnis



Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nahaufnahme des Reliefs Der Lichtbringer, Hoetger, April 1936
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Jürgen Howaldt (photographer)
Blick vom Paula-Becker-Modersohn-Haus auf Haus St. Petrus
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Jürgen Howaldt (photographer)
Haus des Glockenspiels
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Jürgen Howaldt (photographer)
Robinson-Crusoe-Haus und Haus Atlantis (Blick von der Martinistraße)
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Jürgen Howaldt (photographer)
Fassade des Hauses Atlantis, gestaltet von Ewald Mataré
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Jürgen Howaldt (photographer)
Ziergitter oberhalb des Durchgangs vom Paula-Becker-Modersohn-Haus zum Handwerkerhof
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Jürgen Howaldt (photographer)
Sieben-Faulen-Brunnen von Hoetger im Handwerkerhof
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Jürgen Howaldt (photographer)

Die Geschichte der Böttcherstraße reicht bis ins Mittelalter zurück. Sie stellte eine wichtige Verbindung zwischen Marktplatz und Weser dar. In ihr waren Böttcher, Kimker, Fass- und Zubermacher ansässig. Als der Hafen Mitte des 19. Jh. verlegt wurde, begann die Böttcherstraße immer weiter an Wichtigkeit zu verlieren.

  • 1902 (andere Quellen 1906) kaufte dann Ludwig Roselius auf Drngen der Besitzer das Haus Nr.6 in der Bttcherstrae (heute das Ludwig Roselius Museum) und errichtete dort den Verwaltungssitz seiner Firma, aus der spter die Kaffee HAG hervorging. Roselius erwarb nach und nach weitere Grundstcke an der Bttcherstrae.
  • 1919: In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg wurden zunchst einige baufllige Gebude abgerissen.
  • 1921 wurde das heutige Roseliushaus nach Plnen von Eeg&Runge zu einem Museum umgebaut.
    Nach Plnen der Architekten Alfred Runge und Eduard Scotland, die der ?Heimatschutzbewegung? nahestanden, entstanden von 1923 bis 1926 das Kaffee-HAG-Haus, das Haus St.Petrus, das Haus des Glockenspiels sowie andere Brogebude. Die Huser wurden mit den damals typischen MaterialienBackstein und Sandstein errichtet.
  • 1926 lie Roselius nach Plnen von Bernhard Hoetger das Paula-Becker-Modersohn-Haus fr das Paula Modersohn-Becker Museum errichten. Dieses Gebude stand im architektonischen Kontrast zu den vorherigen Bauten. Es besitzt reliefartige Auenwnde und organisch geformte Innenrume.
  • 1931 wurde nach Plnen von Hoetger das Haus Atlantis fertiggestellt, das mit seiner Architektur und seinen Materialien (Glas, Stahl und Beton) ebenfalls einen starken Kontrast zu den brigen Gebuden darstellt. Ebenfalls 1931 wurde das Robinson-Crusoe-Haus errichtet.
  • 1937 Die Bttcherstrae wurde in der NS-Zeit, am 7.Mai1937 als ein Beispiel der Verfallskunst der Weimarer Zeit unter Denkmalschutz gestellt. Dies geschah, nachdem die Strae aufgrund ihres Baustils und der dargestellten Inhalte (z.B. das Haus Atlantis) in Konflikt mit dem nationalsozialistischen Regime geriet. Ab dem Jahr 1935 nahm die NS-Presse die Strae zunehmend ins Visier und forderte sogar den Abriss einiger Teile.
  • 1944 wurden groe Teile der Bttcherstrae zerstrt. Die Fassaden wurden bis zum Jahr 1954 durch die KaffeeHAG grtenteils in ihrem ursprnglichen Zustand wiederhergestellt. In einem Brief datiert 13. Oktober 1944 von Werner Naumann, kaufmnnischer Direktor von Focke-Wulf an Barbara Goette, engste Vertraute von Ludwig Roselius, besttigt Naumann dass Focke-Wulf Flugzeugbau Gesellschafterversammlungen in der Bttcherstrae stattfanden.
  • 1979 verkaufte Ludwig Roselius jun. die KaffeeHAG mitsamt der Bttcherstrae an General Foods.
  • 1981 kaufte er die Bttcherstrae wieder zurck. Die Strae ist nun in privater Hand.
  • 1989 wurden erneut betrchtliche Schden festgestellt. Die Sparkasse Bremen kaufte bis auf das Haus Atlantis die gesamte Strae inklusive ihrer Gebude.
  • 1999 konnten alle Restaurierungsmanahmen abgeschlossen werden.
  • 2004 ging die Bttcherstrae in die Stiftung Bremer Sparer-Dank ber. Betrieben wird sie durch die Bttcherstrae GmbH, eine Tochter der Finanzholding der Sparkasse in Bremen.

Heute

Heute zählt die Böttcherstraße zu den größten Sehenswürdigkeiten Bremens und beherbergt die Museen Böttcherstraße, Kunsthandwerkstätten, Gastronomie, Einzelhandels-Geschäfte und ein Hotel. Fast alle Grundstücke und Gebäude der Straße befinden sich im Besitz der Stiftung Bremer-Sparer-Dank, Stiftung der Sparkasse in Bremen.



Die Architektur und Huser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Robinson-Crusoe-Haus: Das Gebäude wurde 1931 als das letzte Haus der Straße errichtet und von Karl Weihe sowie Ludwig Roselius entworfen. Die Figur Robinson Crusoe wählte Roselius aus, da sie exemplarisch für den hanseatischen Tatendrang und Pioniergeist steht. Bis zur Zerstörung des Hauses 1944 dienten die Räumlichkeiten dem Club zu Bremen für seine Treffen. Heute erinnern im Treppenhaus kolorierte Tafeln in der Art von Holzschnitt-Druckplatten, die im Zuge des Wiederaufbaus 1954 von Theodor Schultz-Walbaum geschnitzt wurden, an Episoden des namengebenden Romans.

Haus St. Petrus: Das Gebäude wurde zwischen 1923 und 1927 durch Eduard Scotland und Alfred Runge errichtet und diente bis zu seiner Zerstörung als Gastronomie. Noch heute befindet sich das Restaurant Ständige Vertretung im Flett sowie ein Weinkontor in dem Gebäude. Des Weiteren befand sich dort bis 2010 auch das Casino Bremen.

Haus der Sieben Faulen: Das Gebäude wurde zwischen 1924 und 1927 ebenfalls durch Eduard Scotland und Alfred Runge errichtet. In dem Haus waren zunächst die Werberäume der Kaffee HAG sowie die Geschäftsstelle des Deutschen Werkbundes untergebracht. Die Benennung nach den Bremer Sagengestalten der Sieben Faulen erfolgte erst nach dem Wiederaufbau 1954. Heute stützen sie als große Steinfiguren den Giebel des Hauses. In den Räumen des Gebäudes befinden sich zudem verschiedene Geschäfte.

Haus Atlantis: Das zwischen 1930 und 1931 von Bernhard Hoetger erbaute Haus soll die Utopie des sagenhaften Erdteils Atlantis verkörpern. Der Bau ist geometrisch modern geformt, aus den Materialien Glas, Holz und Stahlbeton errichtet und wurde im Art-déco-Stil eingerichtet. Genutzt wurden die Räumlichkeiten hauptsächlich als Vortrags- und Lesesaal. Beim Verkauf der Böttcherstraße 1988 wurde das Haus aus dem Verbund der Straße herausgelöst und gehört heute dem schwedischen Konzern Pandox AB. Dieser nahm umfangreiche Sanierungsmaßnahmen vor und integrierte das Gebäude in ein nebenan errichtetes Hotel. Das Treppenhaus sowie der Himmelssaal sind bis heute quasi originalgetreu erhalten und somit wichtige Zeugen der deutschen Architektur der Zeit zwischen den Weltkriegen.

Haus des Glockenspiels: Das Gebäude entstand zwischen 1922 und 1924 durch den Umbau zwei alter Lagerhäuser. Heute befinden sich hier unter anderem das Archiv und die Verwaltung der Böttcherstraße GmbH sowie das berühmte Glockenspiel. Das erste Glockenspiel wurde 1934 eingeweiht und bestand aus 30 Porzellanglocken. Die Besonderheit an dem Glockenspiel ist seine Verbindung zu 10 geschnitzten Holztafeln im Ludwig-Roselius-Haus. Diese zeigen bekannte Ozeanbezwinger und rotieren zu den Klängen des Glockenspiels. Nach der Zerstörung im Krieg wurde 1954 das zweite Glockenspiel errichtet, welches bei Sanierungsarbeiten 1991 durch das dritte Glockenspiel ersetzt wurde.

Das Glockenspiel läutet vom 1. Januar bis zum 31. März um 12, 15 und 18 Uhr. In der übrigen Zeit kann es zwischen 12 und 18 Uhr zu jeder vollen Stunde angehört werden.

Roselius-Haus: Das Roselius-Haus ist das älteste der Gebäude in der Straße und seine Grundmauern gehen vermutlich bereits auf das 14. Jahrhundert zurück. Es diente Ludwig Roselius zunächst als Verwaltungssitz und wurde 1928 ausgebaut um seine umfangreiche Kunstsammlung aufzunehmen. Im Zuge dieser Umbaumaßnahmen erhielt es auch seine markanten Treppengiebel sowie seinen heutigen Namen. Die Fassade wurde im Krieg fast vollkommen zerstört, jedoch bis 1954 komplett wieder aufgebaut. Auch die Einrichtung wurde Originalgetreu wiederhergestellt und das Haus dient heute als Museum.

Paula-Becker-Modersohn-Haus: Das Gebäude wurde zwischen 1926 und 1927 von Bernhard Hoetger erbaut und diente zunächst als Ausstellungs- und Verkaufsraum. Heute befinden sich dort das Paula Modersohn-Becker Museum, Werkstätten für Kunsthandwerk sowie mehrere Geschäfte. Im Hof des Hauses steht der Sieben-Faulen-Brunnen, der die Bremer Sagengestalten der Sieben Faulen zeigt. Das Gebäude wurde im Zuge seiner Restaurierung 1993 durch ein zusätzliches Stockwerk ergänzt.



Skulpturen, Reliefs, Brunnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]



Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arn Strohmeyer: Der gebaute Mythos: das Haus Atlantis in der Bremer Bttcherstrasse ? ein deutsches Missverstndnis. Donat, Bremen 1993, ISBN 3-924444-67-6.
  • Arn Strohmeyer: Parsifal in Bremen: Richard Wagner, Ludwig Roselius und die Bttcherstrae. VDG, Weimar 2002, ISBN 3-89739-263-1.
  • Hans Tallasch (Hrsg.): Projekt Bttcherstrae. Aschenbeck & Holstein, Delmenhorst 2002, ISBN 3-932292-29-4.
  • Katharina Uhl: Januskopf Bttcherstrae. Kulturelle Erneuerung, gebaute Utopie und nationale Identitt (= Ikonologie der Moderne. Bd. 2) LIT-Verlag, Mnster (u. a.) 2014, ISBN 978-3-643-12706-8.


Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ?Denkmaldatenbank des LfD
  2. ?Elisabeth Schmidle: Schandmal oder Mahnmal. (PDF; 1,3MB) In: Der Brger im Staat. 3/2006, S. 184.
  3. ?Ludwig Leidig: Bombshell. Strategic Book Publ., Houston/Texas 2013, ISBN 978-1-62516-346-2, S. 218
  4. ?Das Glockenspiel auf der Seite der Bttcherstrae (Memento vom 11. November 2013 im Internet Archive)


Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

53.0758.8055555555556Koordinaten: 53° 4′ 30″ N, 8° 48′ 20″ O

Eingang zur Böttcherstraße, mit dem Fassadenrelief Der Lichtbringer von Bernhard HoetgerBild:
Jürgen Howaldt (photographer)Lizenz: CC-BY-SA-2.0-DE
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Nahaufnahme des Reliefs Der Lichtbringer, Hoetger, April 1936Bild:
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Blick vom Paula-Becker-Modersohn-Haus auf Haus St. PetrusBild:
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Haus des GlockenspielsBild:
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Robinson-Crusoe-Haus und Haus Atlantis (Blick von der Martinistraße)Bild:
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Fassade des Hauses Atlantis, gestaltet von Ewald MataréBild:
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Ziergitter oberhalb des Durchgangs vom Paula-Becker-Modersohn-Haus zum HandwerkerhofBild:
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Sieben-Faulen-Brunnen von Hoetger im HandwerkerhofBild:
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Jürgen Howaldt (photographer)

Die Böttcherstraße ist eine etwa 100 m lange Straße in der Bremer Altstadt, die aufgrund ihrer Architektur zu den Kulturdenkmalen und Touristenattraktionen in Bremen zählt. Die meisten Gebäude sind in der Zeit von 1922 bis 1931 entstanden und hauptsächlich Ludwig Roselius (1874–1943), einem Bremer Kaffeekaufmann und Mäzen, zu verdanken. Roselius beauftragte den Bildhauer, Maler, Architekten und Kunsthandwerker Bernhard Hoetger (1874–1949) mit der künstlerischen Gestaltung. Die Straße und ihre Gebäude sind ein seltenes Beispiel für die Architektur des Expressionismus. Von den Häusern können mehrere dem Stil des Backsteinexpressionismus zugeordnet werden. Die Böttcherstraße steht seit 1973 als Gesamtanlage unter Denkmalschutz.

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Geboren & Gestorben

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Gestorben: Ludwig Roselius (Unternehmer) stirbt in Berlin. Ludwig Gerhard Wilhelm Roselius war ein Kaffeehändler und Gründer der Firma Kaffee HAG. Als Mäzen förderte er Künstler wie Paula Modersohn-Becker und Bernhard Hoetger und baute die Böttcherstraße in Bremen als Kunstwerk auf.
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Geboren: Ludwig Roselius (Unternehmer) wird in Bremen geboren. Ludwig Gerhard Wilhelm Roselius war ein Kaffeehändler und Gründer der Firma Kaffee HAG. Als Mäzen förderte er Künstler wie Paula Modersohn-Becker und Bernhard Hoetger und baute die Böttcherstraße in Bremen als Kunstwerk auf.

Kunst & Kultur

1983

Ausstellung:
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Galerie in der Böttcherstraße, Bremen (mit Hartmut Neumann und Karl Manfred Rennertz) (Thomas Hartmann (Maler))

1967

Beteiligung an Ausstellungen:
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Bremen, Böttcherstraße: Verkaufsausstellung der Werke von August Haake

Arbeit, Werdegang, Werke & Leben

1904

Daten zur Geschichte der Lebensmittelindustrie:
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entwickelte Ludwig Roselius als erster ein Verfahren zur Herstellung von koffeinfreiem Kaffee. Er gründete 1905 in der Bremer Böttcherstraße die Kaffee-Handels-Aktien-Gesellschaft (Kaffe HAG). Der Kunstmäzen definierte als einer der ersten Lebensmittelhersteller sein Produkt darüber, was es nicht enthält. (Lebensmittelindustrie)

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