Bengasi

Bengasi (auch in den Schreibweisen Banghazi, Benghasi oder Benghazi, arabisch بنغازي, DMGBanġāzī, türkischBingazi) ist eine libysche Hafenstadt im Nordosten des Landes und liegt an der Großen Syrte. Bengasi ist mit 631.555 Einwohnern (Stand: 2011) nach Tripolis die zweitgrößte Stadt Libyens und das politische und wirtschaftliche Zentrum der Kyrenaika. Im Zuge des Bürgerkrieges in Libyen ist die Stadt Bengasi seit Sommer 2014 zwischen Ansar al-Scharia und den Streitkräften Libyens umkämpft. Weite Teile der Stadt wurden zerstört und ein großer Teil der Bewohner befindet sich auf der Flucht oder ist laut Angaben der Vereinten Nationen durch Hunger bedroht.



Geschichte




Die Stadt wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. von Griechen als Kolonie mit dem Namen Euhesperides gegründet. Dieser Name bezieht sich auf die Gärten der Hesperiden. Dem Mythos nach war es eine der Aufgaben des Herakles, aus diesen Gärten die goldenen Äpfel zu holen. Im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde die Stadt unter dem Namen Berenike erneut gegründet. Im 2. Jahrhundert n. Chr. kam es aufgrund sozialer Missstände zu Unruhen. Während der arabischen Herrschaft im 7. Jahrhundert n. Chr. versank sie in Bedeutungslosigkeit.Die Türken besetzten Bengasi im Jahr 1578. Von 1711 bis 1835 wurde die Stadt von der Familie der Qaramanli von Tripolis aus regiert. Danach kam sie bis 1911 unter osmanische Herrschaft.Während der italienischen Kolonialzeit war Bengasi das Verwaltungszentrum der Kyrenaika. 1931 wurde der libysche Freiheitskämpfer Umar Muchtar in Bengasi zum Tode verurteilt und im Konzentrationslager nahe der Stadt Soluk öffentlich gehängt.Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt durch Bombardierungen schwer beschädigt und wechselte ebenso wie die gesamte Kyrenaika fünfmal den Besitzer: Am sechsten Februar 1941 wurde sie durch die 6. australische Division erobert und am 3. April von Erwin Rommel zurückerobert. Am 24. Dezember 1941 eroberten sie die Briten und am 29. Januar 1942 eroberten sie die Deutschen zurück. Nach der Niederlage von El Alamein drängten die Alliierten die Achsenmächte zurück und am 20. November 1942 eroberten die Briten schließlich die Stadt (siehe auchAfrikafeldzug).In den 1950er Jahren beherbergte die Stadt eine Residenz des libyschen Königs und war damit neben Tripolis offizielle Hauptstadt des Königreichs. Das Königreich Libyen endete mit der Machtergreifung Gaddafis im Jahre 1969 und damit auch Bengazis Status. Die historische Kathedrale von Bengasi wurde dem Verfall preisgegeben.1986 war die Stadt Ziel von Luftangriffen der amerikanischen Luftwaffe, die die US-Regierung als Vergeltung für die mutmaßliche Unterstützung terroristischer Aktivitäten durch Libyen befohlen hatte (Operation El Dorado Canyon). Im Februar 2006 kam es im Rahmen islamischer Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen zu gewalttätigen Ausschreitungen, in deren Verlauf das italienische Generalkonsulat in Brand gesetzt wurde. Bei den Zusammenstößen mit der Polizei kamen mehrere Menschen ums Leben....

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Ereignisse

1986

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Nach einer Attentatsserie von Libyern, unter anderem auf die West-Berliner Diskothek La Belle, verhängen die USA ein Wirtschaftsembargo gegen das nordafrikanische Land und fliegen Luftangriffe auf Tripolis und Bengasi. (1980er)

Geboren & Gestorben

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Gestorben: Salwa Bughaigis stirbt in Bengasi. Salwa al-Bughaigis war eine libysche Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin.
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Gestorben: J. Christopher Stevens stirbt in Bengasi, Libyen. John Christopher Stevens war ein US-amerikanischer Diplomat.
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Geboren: Mohammed Nabus wird geboren. Mohammed Nabus, auch bekannt unter dem Pseudonym „Mo“, war ein Blogger und Ziviljournalist in Bengasi.

1966

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Geboren: Ali al-Essawi wird in Bengasi, alternative Transkription Ali Al Issawi geboren. Ali al-Essawi ist ein libyscher Politiker und ehemaliger Diplomat.

Tagesgeschehen

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Tunis/Tunesien: Nach dem tödlichen Anschlag auf das US-Konsulat und dem Mord an Chris Stevens im libyschen Bengasi wird ein mutmaßlicher Drahtzieher festgenommen
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Bengasi/Libyen: Bei einem Angriff auf das US-Konsulat sterben vier Diplomaten und der zuständige amerikanische Botschafter für Libyen John Christopher Stevens.
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Libyen: Im sogenannten HIV-Prozess werden fünf bulgarische Krankenschwestern und ein palästinensischer Arzt von einem libyschen Gericht wegen angeblich vorsätzlicher HIV-Infektion von 426 Kindern zum Tode verurteilt. Westliche Experten führten die AIDS-Erkrankungen in dem Kinderkrankenhaus von Bengasi hingegen auf katastrophale Hygienezustände zurück, die dort schon zuvor geherrscht hätten.

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