Berliner Phonogramm-Archiv

Edison Home-Phonograph mit bespielter Wachswalze, Dezember 1900

Das Berliner Phonogramm-Archiv – heute Teil der Abteilung Musikethnologie im Ethnologischen Museum in Berlin – ist eine der weltweit bedeutenden Institutionen, in denen Tondokumente traditioneller Musik aus aller Welt gesammelt und aufbewahrt werden. Insgesamt umfasst das Archiv inzwischen über 150.000 Aufnahmen.

Besondere Bedeutung haben die einzigartigen historischen Sammlungen (Edisonwalzen und Schellackplatten) aus der Zeit zwischen 1893 und 1954. Die Sammlung der Edisonwalzen des Berliner Phonogramm-Archivs wurde im Sommer 1999 als Frühe Aufnahmen der musikalischen Welttraditionen in die UNESCO-Liste „Memory of the World“ aufgenommen.



Geschichte




Die Anfänge des Archivs gehen in den September 1900 zurück, als der Psychologe Carl Stumpf mit dem Edison-Phonographen eine in Berlin gastierende Gruppe thailändischer Theatermusiker aufnahm. Zusammen mit seinem Schüler und Mitarbeiter Erich Moritz von Hornbostel begründete er 1904 das Phonogramm-Archiv, das „als Privateigentum beider Gelehrten“ dem Psychologischen Institut der Friedrich-Wilhelms-Universität angeschlossen war. Der Staat Preußen erwarb 1923 das Archiv, welches in die Verwaltung der Musikhochschule in Berlin-Charlottenburg überging. Hornbostel übernahm die Stelle des Leiters und baute es zu einem der berühmtesten Schallarchive der damaligen Zeit aus. Nach der Emigration Hornbostels 1934 wurde das Archiv an das Museum für Völkerkunde angegliedert. Nach der Auslagerung infolge der Kriegswirren kamen die Walzenbestände zeitweise nach Leningrad, dann zurück in den Ostteil Berlins an die Akademie der Wissenschaften der DDR.Inzwischen hatte Kurt Reinhard praktisch eine neue musikethnologische Sammlung im West-Berliner Völkerkundemuseum aufgebaut.Erst 1991 konnten die Sammlungen im Völkerkundemuseum in Berlin-Dahlem wieder vereinigt werden. Im Rahmen eines umfangreichen Projektes, das von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der Stiftung Deutsche Klassenlotterie finanziert wurde, konnte bisher ein Teil der historischen Tondokumente auf digitale Tonträger übertragen werden.Die verloren geglaubte bedeutende Walzen-Sammlung des Kaufmanns und Edison-Pioniers Julius H. Block (1858–1934), die nach seinem Tod 1934 in das Phonogramm-Archiv gelangt war und die seltenste Aufnahmen aus den Jahren 1890–1923, darunter von Tolstoi, Tschaikowski und des elfjährigen Jascha Heifetz enthält, wurde erst vor einigen Jahren wiederentdeckt; sie befindet sich allerdings immer noch in St. Petersburg.Nachfolger von Kurt Reinhard, der von 1952 bis 1968 das Phonogramm-Archiv, das 1963 in Abteilung Musikethnologie im Ethnologischen Museum umbenannt wurde, leitete, war von 1968 bis 1972 Dieter Christensen und von 1972 bis 2003 Artur Simon. Seit 2003 heißt der Leiter Lars-Christian Koch.

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Geboren & Gestorben

Geboren:
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Artur Simon wird in Wesermünde, heute Bremerhaven geboren. Artur Simon ist ein deutscher Musikethnologe, dessen Forschungsschwerpunkte in Ägypten, Sudan, Kamerun und in Sumatra liegen. Von 1972 bis 2003 leitete er das Berliner Phonogramm-Archiv. Neben über 100 musikwissenschaftlichen Artikeln veröffentlichte er als Herausgeber musikethnologische Tonaufnahmen und produzierte Dokumentarfilme.

Arbeit, Werdegang, Werke & Leben

1950

Werk:
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Valle en el mar (Concha Espina)

Kunst & Kultur

1956

Berlin in der Kunst > Film:
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Der Hauptmann von Köpenick, Regie: Helmut Käutner, Deutschland (Berlin)

D > Deutschland?Deutschland

1999

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– Frühe Aufnahmen der musikalischen Welttraditionen (1893–1952), Berliner Phonogramm-Archiv, Völkerkundemuseum, Berlin (Weltdokumentenerbe)

Musik

2005

Album > Kollaboration:
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Queens of the Stone Age: Lullabies to Paralyze, Interscope (Mark Lanegan)

Multimedia mit Tonaufnahmen

2007

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MusikWeltKarte. Der Edison Phonograph und die musikalische Kartographie der Welt. Hg. Ulrich Wegner. CD-ROM. Staatliche Museen zu Berlin

Tonaufnahmen auf CD

2009

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Robert Lehmann-Nitsche – Walzenaufnahmen aus Argentinien 1905-1909. Kommentar: Miguel A. Garcia. Hg. Lars-Christian Koch & Susanne Ziegler 2 CDs + 136 S. booklet (deutsch/spanisch). BPhA-WA 4, Staatliche Museen zu Berlin

2008

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The Dawn of Recording: The Julius Block Cylinders. 3 CDs, Marston Records

2006

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Theodor Koch-Grünberg – Walzenaufnahmen aus Brasilien 1911-1913. Kommentare: Michael Kraus u. Julio Mendívil. Hg. Lars-Christian Koch & Susanne Ziegler. CD + 104 S. booklet (deutsch/portugies.). BPhA-WA 3, Staatliche Museen zu Berlin

2003

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Walzenaufnahmen aus Peru 1910 – 1925. Kommentare: Virginia Yep, Bernd Schmelz. Hg. Susanne Ziegler. CD + 80 S. booklet (deutsch/spanisch). BPhA-WA 2, Staatliche Museen zu Berlin

2003

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Walzenaufnahmen japanischer Musik (1901-1913). Kommentar: Ingrid Fritsch. Hg. Artur Simon + Susanne Ziegler. CD + 96 S. booklet (deutsch/englisch). BPhA-WA 1, Staatliche Museen zu Berlin

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