Bezirk Tamsweg

Lage
Lage des Bezirks Tamsweg im Land Salzburg (anklickbare Karte)
Basisdaten
BundeslandSalzburg
NUTS-III-RegionAT-321
VerwaltungssitzTamsweg
Flche1020km
Einwohner20.426 (1. Jänner 2017)
Bevlkerungsdichte20Einw./km
Kfz-KennzeichenTA
WebseiteBh Tamsweg
Karte

Der Bezirk Tamsweg ist ein politischer Bezirk des österreichischen Bundeslandes Salzburg.

Er ist deckungsgleich mit der geografischen Region Lungau, einem der fünf Gaue Salzburgs, und liegt im Südosten des Bundeslandes. Lungau ist gleichzeitig in der amtlichen Statistik die Bezeichnung für die Region AT321, eine der drei Salzburger NUTS-3-Regionen, die ebenfalls deckungsgleich mit diesem Bezirk ist.



Inhaltsverzeichnis



Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Lungau ist eine knapp über 1000 Quadratkilometer große Talschaft, die von den Hohen Tauern (Hafnergruppe) im Westen, den Niederen Tauern (Radstädter- und Schladminger Tauern) im Norden und Osten sowie von den Gurktaler Alpen (Nockberge) im Süden umgeben ist.

Von Norden her ist der Lungau auf der Straße über den Radstädter Tauernpass oder durch den Tauerntunnel der Tauernautobahn erreichbar. Aus östlicher Richtung gelangt man in den Lungau über die Murtalbundesstraße, die Krakauebene oder mit der Murtalbahn. Von Kärnten im Süden her ist der Bezirk auf der Passstraße über den Katschberg, durch den Katschbergtunnel oder durch das Bundschuhtal zu erreichen. Aus dem Westen gibt es keinen direkten Straßenzugang zum Gebiet des Lungaus.

Entwässert wird der Lungau mit Ausnahme des Flüsschens Krems, das in die Kärntner Lieser mündet, ausschließlich über die Mur, den Hauptfluss der Steiermark, der im Südwesten des Bezirks Tamsweg entspringt.



Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. zählte das Gebiet des heutigen Lungaus zu Norikum, einem keltischen Königreich. 15 v. Chr. wurde es von den Römern besetzt und 50 n. Chr. zu einer römischen Provinz. Vom 8. bis zum frühen 14. Jahrhundert stand der Lungau unter bairischer Herrschaft. Eine Grafschaft Lungau ist schon 1103 belegt.

Von 1328 bis zum Jahr 1803 dauerte dann die Herrschaft der Salzburger Fürsterzbischöfe. Im Lungau waren die Lehren Martin Luthers früh verbreitet worden, erste Hinweise datieren aus dem Jahre 1534. Eine Rolle spielten dabei Prediger aus der angrenzenden Steiermark, wie Jörg Schratl, der schon 1528 in Stadl an der Mur gegen den Papst auftrat. In den folgenden 100 Jahren kam es von Seite der Salzburger Erzbischöfe immer wieder zu Maßnahmen gegen die Glaubenserneuerer. Um 1578 kam z. B. der Erzbischof selbst mit Truppen in den Lungau, ließ die Rädelsführer gefangen nehmen, nach Hallein überstellen und dort hinrichten. Im Jahre 1605 wurde an Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau berichtet, dass viele Lungauer sektische und lutherische Stücke redeten und sängen. Der Reformeifer des Erzbischofs war aber durch seine persönliche Lebensführung und mehrere politische und wirtschaftliche Schwierigkeiten erlahmt, so dass er keine vollständige Offensive zur Rekatholisierung mehr angehen konnte. Erst sein Nachfolger Markus Sittikus führte 1613 eine Generalvisitation durch, bei der u. a. festgestellt wurde, dass die Mehrzahl der Landpfarrer im Konkubinat lebte und Kinder hatte, worauf eine scharfe Disziplinierungsphase folgte. Danach konnte zwar durch die Bekehrung der „sektischen Untertanen“ die Einheit des Glaubens wiederhergestellt werden, später wurde aber festgestellt, dass jene bloß eine äußerliche geblieben wäre. Daher übernahm 1633 der Kapuzinerorden die Seelsorge im Lungau, um die Bevölkerung dauerhaft zu rekatholisieren. Diese Periode wurde durch die Auflösung der Kapuzinerordens in Tamsweg durch den aufgeklärten Erzbischof Colloredo beendet. Nach dessen Abdankung 1803 kam das Gebiet kurze Zeit wieder unter bayerische Verwaltung und 1816, wie ganz Salzburg, zu Oberösterreich.

Mit der Entstehung eines eigenen Kronlandes Salzburg im Jahre 1848 erfolgte die Herausgabe einer eigenen Landesverfassung, die auch eine Neuregelung der Landesverwaltung und die Einführung der Gemeindeordnung mit sich brachte. 1880 wurde der Lungau als „ärmste“ Region im Land Salzburg bezeichnet. Grund dafür war seine geografische Abgeschlossenheit. Erst nach dem Anschluss an das Eisenbahnnetz durch die Murtalbahn 1894 und dem Bau der Tauern Autobahn ab 1971 erstarkten Handel und Wirtschaft im Lungau.



Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bezirk Tamsweg ist mit jährlich rund 1,3 Mio. Übernachtungen ein beliebtes Urlaubsziel. Die Region bietet sommers wie winters zahlreiche Sportmöglichkeiten. Zudem werden die Natur, kulturelle Besonderheiten und technische Objekte touristisch beworben. Diesbezüglich spielt unter anderem die Schmalspurbahn von Mauterndorf in die steirische Gemeinde Unzmarkt eine Rolle. Die Bahn ist heute in betrieblicher Hinsicht in die Taurachbahn und in die Murtalbahn geteilt.



Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sakrale Sehenswrdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche St. Rupert von Weißpriach im Lungau

Aufgrund seiner Lage am Tauernübergang und dem zeitweiligen Wohlstand auf der Grundlage von Bergbau und Montanindustrie entstanden unter anderem mehrere Kirchenbauten von überdurchschnittlicher Qualität. Von überregionaler Bedeutung sind die Kirche St. Rupert in Weißpriach mit ihren byzantinischen und romanischen Fresken sowie die Wallfahrtskirche St. Leonhard ob Tamsweg. Als sehenswert gelten weiters die Pfarr- und Wallfahrtskirche in Mariapfarr, die im 18. Jahrhundert im Rokoko-Stil erneuerte Urpfarre des Lungaus in Mariapfarr-Althofen sowie die beiden Kirchen in Sankt Margarethen im Lungau und die gotische Kirche von Sankt Andrä im Lungau.

Profanbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Getreidekasten im Lungau

Hauptsächlich in den Seitentälern des Lungaus finden sich zahlreiche alte Bauernhöfe, teils als Einhäuser, teils als Paarhöfe, die entweder in Blockbauweise gezimmert, als Steinbau errichtet oder aus einem steinernen Erdgeschoss mit aufgesetztem hölzernen Dachgeschoss anzutreffen sind. Meist als Blockbau sind auch viele historische Almhütten gebaut. Typisch für den Lungau sind die gemauerten und meist aufwändig verzierten Getreidespeicher, die sogenannten Troadkästen (Getreidekästen), die sich bei vielen Bauernhäusern finden und in den letzten Jahren in großer Anzahl restauriert wurden.

Nicht zuletzt aufgrund seiner wichtigen Lage für den Verkehr besaß der Lungau im Mittelalter eine Vielzahl von Burgen, die großteils nicht mehr oder nur als Ruinen erhalten sind. Drei dieser Burgen wurden vor 1900 restauriert: Schloss Moosham, die Burg Mauterndorf im gleichnamigen Ort und die Burg Finstergrün in Ramingstein, die aus einer weitgehend verfallenen Ruine wiederaufgebaut wurde.

Technische Denkmler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Jahrhunderte wurden im Lungau Gold, Silber, Nickel, Kobalt, Talk, Arsen und andere Mineralien abgebaut sowie diese verhüttet. Neben vielen eher unscheinbaren Hinterlassenschaften gelten heute der Hochofen in Bundschuh in der Gemeinde Thomatal, das für Besucher zugängliche, 1780 aufgegebene Silberbergwerk in Ramingstein, sowie die Erzwege in Ramingstein und der Erzweg durch die Zinkwand, das höchstgelegene begehbare Bergwerk Europas. Die Stollen des Arsenbergbaus beim Rotgüldensee sind zwar gut erhalten, aber nicht öffentlich zugänglich.

Als zeitgenössisches technisches Denkmal wird der Rotgüldensee gesehen, ein mit einer Öko-Staumauer aufgestauter, ehemals natürlicher Bergsee, der zu einem Pumpspeicherwerk ausgebaut wurde.

Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tamsweger Samson

Ein weithin bekanntes kulturelles Merkmal dieser Region stellen die sogenannten Samsonumzüge dar, die in zehn Orten des Lungaus und in zwei angrenzenden Orten in der Steiermark stattfinden. Erstmals im Jahr nach der Fronleichnamsprozession und danach noch öfters bis September wird die in jedem Ort eigens vorhandene, rund sechs Meter hohe Samsonfigur durch den Ort getragen, wobei in der Hälfte der Fälle der riesenhafte Samson von zwei Zwergenfiguren begleitet wird. Der Höhepunkt eines Umzuges sind die von einem „Samsonwalzer“ begleiteten Ehrentänze.



Verwaltungsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bezirk Tamsweg grenzt im Westen an den Salzburger Bezirk Sankt Johann im Pongau, im Norden an den steirischen Bezirk Liezen (Expositur Gröbming), im Osten an den steirischen Bezirk Murau und im Süden an den Kärntner Bezirk Spittal an der Drau.

Die Verwaltungseinheit gliedert sich in folgende 15 Gemeinden mit den jeweiligen Einwohnerzahlen vom 1. Januar 2017.

In der für die amtliche Statistik der Europäischen Union geführten NUTS-Gliederung ist der Lungau eine von den im Bundesland Salzburg vorhandenen drei Gruppen von Bezirken (Ebene NUTS:AT-2), trägt den Code AT321 und umfasst den gesamten politischen Bezirk Tamsweg.

GemeindeLageEwkmEw / kmGerichtsbezirkRegionTyp
Griach

35044,17,9TamswegGemeinde
Lessach

55772,237,7TamswegGemeinde
Mariapfarr

2.35847,3550TamswegGemeinde
Mauterndorf

1.65932,7151TamswegMarkt-
gemeinde
Muhr

513116,074,4TamswegGemeinde
Ramingstein

1.08694,2112TamswegGemeinde
Sankt Andr im Lungau

76410,573TamswegGemeinde
Sankt Margarethen im Lungau

75124,4431TamswegGemeinde
Sankt Michael im Lungau

3.57768,8352TamswegMarkt-
gemeinde
Tamsweg

5.663117,4548TamswegMarkt-
gemeinde
Thomatal

32675,684,3TamswegGemeinde
Tweng

28486,593,3TamswegGemeinde
Unternberg

1.02618,9454TamswegGemeinde
Weipriach

31080,293,9TamswegGemeinde
Zederhaus

1.202130,539,2TamswegGemeinde

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Bevlkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]



Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]



Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ?Manfred Scheuch: sterreich ? Provinz, Weltreich, Republik. Ein historischer Atlas. Verlag Das Beste, Wien 1994, ISBN 3-87070-588-4, Salzburg ? Erzbistum und Reichsfrstentum, S. 37, Sp. 1.
  2. ?Valentin Hatheyer: Die protestantische Bewegung im Lungau und das Kapuzinerkloster in Tamsweg. In: Jahresbericht des f.e. Gymnasiums am Collegium Borromum, hg. vom f.e. Kollegium Borromum, 53. Jg. (1902), S. 5.
  3. ?ebenda, S. 8.
  4. ?ebenda, S. 9f.
  5. ?Franz Ortner: Reformation und Gegenreformation. In: Geschichte Salzburgs. Stadt und Land, hg. von Heinz Dopsch, Bd. II / 1. Teil, Salzburg 1983 (2. verbesserte Auflage), S. 146.
  6. ?AES: Visitationsprotokoll 1613.
  7. ?Franz Ortner: Reformation und Gegenreformation. In: Geschichte Salzburgs. Stadt und Land, hg. von Heinz Dopsch, Bd. II / 1. Teil, Salzburg 1983 (2. verbesserte Auflage), S. 146.
  8. ?Valentin Hatheyer: Die protestantische Bewegung im Lungau und das Kapuzinerkloster in Tamsweg. In: Jahresbericht des f.e. Gymnasiums am Collegium Borromum, hg. vom f.e. Kollegium Borromum, 53. Jg. (1902), S. 5.
  9. ?Valentin Hatheyer: Festschrift 1433?1933. 500 Jahre Wallfahrtskirche St. Leonhard ob Tamsweg, Tamsweg 1933, S. 29.
  10. ?Statistik Austria - Bevlkerung zu Jahresbeginn 2002-2017 nach Gemeinden (Gebietsstand 1.1.2017)

47.1513.7Koordinaten: 47° 9′ 0″ N, 13° 42′ 0″ O

Die Kirche St. Rupert von Weißpriach im Lungau
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Lizenz: PD Austria

Getreidekasten im Lungau
Bild: Unknownwikidata:Q4233718
Lizenz: PD Austria

Der Tamsweger Samson
Bild: Unknownwikidata:Q4233718
Lizenz: PD Austria

Wappen von Salzburg

OsterreichÖsterreich

Der Bezirk Tamsweg ist ein politischer Bezirk des österreichischen Bundeslandes Salzburg.

Er ist deckungsgleich mit der geografischen Region Lungau, einem der fünf Gaue Salzburgs, und liegt im Südosten des Bundeslandes. Lungau ist gleichzeitig in der amtlichen Statistik die Bezeichnung für die Region AT321, eine der drei Salzburger NUTS-3-Regionen, die ebenfalls deckungsgleich mit diesem Bezirk ist.

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Geboren & Gestorben

Geboren:
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Matthäus Fingerlos wird in Flatschach, Lungau geboren. Matthäus Fingerlos war ein österreichisch-deutscher katholischer Theologe.

Europa

2013

Vorkommen > Vorkommen in Europa:
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wurden im stillgelegten, aus dem 14. Jahrhundert stammenden Friedrichsstollen im Rotgüldental bei Muhr im Lungau (Land Salzburg) Probebohrungen gemacht. (Gold)

Goldfundstätten

2013

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wurden im stillgelegten, aus dem 14. Jahrhundert stammenden Friedrichsstollen im Rotgüldental bei Muhr im Lungau (Land Salzburg) Probebohrungen gemacht. (Goldsucher)

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