Cincu

Cincu
Gro-Schenk
Nagysink
Wappen von Cincu
Basisdaten
Staat:Rumnien
Historische Region:Siebenbrgen
Kreis:Bra?ov
Koordinaten:4555?N, 2448?OKoordinaten:4554?51?N, 2448?17?O
Zeitzone:OEZ (UTC+2)
Hhe:487m
Einwohner:1.587 (20. Oktober 2011 )
Postleitzahl:507045
Telefonvorwahl:(+40) 02 68
Kfz-Kennzeichen:BV
Struktur und Verwaltung (Stand: 2016)
Gemeindeart:Gemeinde
Gliederung:Cincu, Toarcla
Brgermeister:Sorin Aurel Suciu (PNL)
Postanschrift:Str. Pie?ii, nr. 254
loc. Cincu, jud. Bra?ov, RO?507045

Cincu (deutsch Groß-Schenk, ungarisch Nagysink) ist eine Gemeinde im Kreis Brașov in Siebenbürgen, Rumänien.



Inhaltsverzeichnis



Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panoramabild des Ortes, von Norden betrachtet.
Bild: Consiliul Județean Brașov.
Lizenz: PD-RO-exempt (coats of arms)

Cincu liegt im Harbach-Hochland (Podișul Hârtibaciului), am nördlichen Rand des Alttales im südlichen Siebenbürgischen Becken, zwischen den Flüssen Hârtibaciu (Harbach) und Olt (Alt) fast in der geographischen Mitte Rumäniens. Die beiden nächstgelegenen Städte Agnita (Agnita, im Nordwesten) und Făgăraș (Fogarasch, im Südosten) befinden sich jeweils etwa 15 km entfernt.



Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen des Schenker Stuhls
Bild: Consiliul Județean Brașov.
Lizenz: PD-RO-exempt (coats of arms)

Groß-Schenk wurde im Jahr 1329 erstmals urkundlich erwähnt, vermutlich jedoch bereits um 1150 gegründet . Es lag auf Königsboden und war ein Dorf der Siebenbürger Sachsen. Der Ort war vom 13. bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts Sitz des Schenker Stuhls und hatte daher eine gewisse Bedeutung in der Selbstverwaltung der Siebenbürger Sachsen.

Es wird angenommen, dass die ersten Siedler Angehörige verschiedener deutscher Volksgruppen waren. Etymologisch könnte der Name von „Schenke“ (Gasthaus) abgeleitet werden. Die ersten Ansiedler bauten eine Fluchtburg südlich der jetzigen Gemeinde. Innerhalb des heutigen Dorfes wurde die Kirchenburg noch im 12. Jahrhundert auf einer Anhöhe errichtet, um die sich die Höfe anreihten. Die Kirche wurde von zwei Ringmauern umgeben und sieben Türme und Basteien wurden erbaut. Die Großschenker Kirche ist das Wahrzeichen des Ortes und gilt als eine der mächtigsten romanischen Pfarrkirchen Siebenbürgens.

Schenk war seit dem 12. Jahrhundert einer der Siebenbürgischen Stühle und Sitz des Königsrichters und des Stuhlrichters, der vom Volk gewählt wurde. Die Königsrichter kamen nicht nur aus Schenk, sondern auch aus den dazugehörigen Ortschaften. Im 19. Jahrhundert – unter der zentralistischen Verwaltung des habsburgischen Reiches – verloren die Stühle an Bedeutung.

Um sich gegenseitig zu unterstützen, wurde der Ort in Nachbarschaften organisiert. Jede Straße hatte Ihre Nachbarschaft, dem der Nachbarschaftsvater vorstand. In der Nachbarschaft unterstützen sich die Nachbarn gegenseitig u. a. beim Holzholen, Brunnenausheben, Dachdecken und bei der Organisation von Beerdigungen.

Gemeindechronik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchenburg von Kleinschenk, 1966
Bild: Consiliul Județean Brașov.
Lizenz: PD-RO-exempt (coats of arms)
  • 1329 Erste urkundliche Erwhnung des Schenker Stuhls.
  • 1339 Erstmalige Nennung Groschenks nach der Grndung des Ortes Kleinschenk (Cinc?or) auf der Schenker Gemarkung.
  • 1486 Groschenk erhlt das Recht, einen Jahrmarkt zu halten.
  • 1497 Kniglich-ungarische Truppen verwsten den Schenker Stuhl.
  • 1523 Der Ort wird niedergebrannt.
  • 1600 Fliehende Truppen Michaels des Tapferen verwsten mit Mord und Brandschtzung den Schenker Stuhl.
  • 1660 Im Schenker Stuhl wtet die Pest.
  • 1720 Grndung der Schenker Stuhlslateinschule.
  • 1708 Whrend der Kurutzenunruhen werden Groschenk und die Kirchenburg geplndert.
  • 1773 Am 31. Mai hlt sich Kaiser Joseph II. in Groschenk auf.
  • 1890 Eine Auswanderungswelle nach Amerika setzt ein.
  • 1899 Ein rtlicher Jugendbund wird gegrndet.
  • 1914 Ein Waisenhaus fr den Kirchenbezirk Groschenk wird gegrndet.
  • 1916 Einfall der Rumnischen Armee. Diese erleidet in der ?Groen Schlacht? auf dem Schmielenfeld nrdlich des Ortes, heute Poligon genannt, eine vernichtende Niederlage.
  • 1945 Am 13. Januar, der auch als ?Schwarzer Tag? bezeichnet wird, werden 103 Mnner und Frauen der Siebenbrger Sachsen in sowjetische Arbeitslager verschleppt.
  • 1962 Unter der kommunistischen Herrschaft werden alle Bauern gezwungen, der Kollektivwirtschaft beizutreten.
  • 1990 Exodus der siebenbrgisch-schsischen Bevlkerung durch Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland.

Orte, die zum Schenker Stuhl gehrten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Schenker Stuhl gehörten im 14. Jahrhundert folgende Orte:

Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Urzellaufen ist ein Groschenker Faschingsbrauch, der sich auf die Zunfttage zurckfhren lsst. Am Sonntag vor Aschermittwoch findet ein Urzellauf statt. Hierbei werden auf einem Wagen von etwa sechs verkleideten Burschen, genannt Narrenrichter, in Reimen lustige Begebenheiten des Ortes vorgetragen. Diesem Wagen folgen die ?Urzeln?, die von der schsischen Bevlkerung in den verschiedenen Straen mit Krapfen (Hefegebck), Wein und Schnaps bewirtet werden. Die Urzeln tragen ein weies Gewand mit aufgenhten schwarzen Zotteln und dazu eine Maske, eine Peitsche und eine Quetsche. Am Abend findet dann der traditionelle Faschingsball statt.
  • Ostern: Die Jungen und Mnner des Ortes ziehen in kleinen Gruppen durch den Ort zu gleichaltrigen Mdchen und Frauen und bespritzen diese mit Duftwasser.
  • Maibaumaufstellen: Ein Brauchtum zu Pfingsten, bei dem fr die Mdchen Maibume (Birken) aufgestellt werden. Am Samstag holen die Burschen Birken aus dem Wald. Diese werden am Sonntag den Mdchen vor dem Haus aufgestellt. Die Mdchen verpflegen die Jungen mit Gebck und Getrnken.
  • Majalis: Am dritten Sonntag nach Pfingsten findet ein Waldfest fr die ganze Gemeinde statt.
  • Weihnachten: Heiligabend wird in der Kirche gefeiert mit Gottesdienst, Gesang und Gedichten.

Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schenker Siedler waren Bauern und Handwerker vermutlich aus dem Rheinland, aus Flandern und aus Luxemburg. In der neuen Heimat verschmolzen sie zu einer neuen Volksgruppe, wobei sich die rheinisch-luxemburgische Mundart durchsetzte. Eine Besonderheit der Großschenker Mundart ist, dass Männer, Frauen und „Herren“ (Beamte, Kaufleute und Lehrer) verschieden sprechen bzw. betonen.

Beispiele:

DeutschMnnerFrauen?Herren?
HaarHiurHurHohr
AbendIuwendUwendOwend
MilchMealschMaltschMltsch
gehengiungungohn


Bevlkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im 19. Jahrhundert lebte in Groß-Schenk eine starke rumänische Minderheit. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges waren die meisten Bewohner jedoch Deutsche. Seit der Volkszählung 1930 sind die Rumänen in der Mehrheit. Insbesondere nach der Revolution von 1989 wanderten die meisten Deutschen aus. Vor allem deshalb ist seit dem Zweiten Weltkrieg die Einwohnerzahl sowohl der Gesamtgemeinde als auch des Dorfes Cincu stark – d. h. um etwa ein Drittel – zurückgegangen.

In der Gesamtgemeinde Cincu bezeichneten sich im Jahr 2002 von damals 1836 Einwohnern 1399 als Rumänen, 280 als Roma, 78 als Deutsche, 71 als Ungarn, 5 als Russen bzw. Lipowaner, einer als Jude und einer als Italiener. Ein weiterer Bewohner gab eine andere, nicht näher bezeichnete Nationalität an.

Im Dorf Cincu selbst lebten 2002 insgesamt 1494 Menschen, davon 1110 Rumänen, 255 Zigeuner, 58 Deutsche, 69 Ungarn, 1 Jude und 1 Angehöriger einer anderen Nationalität.



Wirtschaft und Soziales[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Siedler, die hauptsächlich Bauern und Handwerker waren, brachten die Dreifelderwirtschaft von Rhein und Mosel mit. Jeder Bauer bewirtschaftete in jedem der drei Felder mehrere Parzellen. Diese blieben Gemeindeeigentum. Nur der Hof und der Garten waren persönliches Eigentum. Zu den wichtigsten Kulturpflanzen zählten Weizen, Roggen, Gerste, Hirse, Erbsen, Flachs und Hanf. Mais, auch Kukuruz oder „Türkisches Korn“ genannt, wurde erst 1611 aus der Türkei nach Siebenbürgen eingeführt. Kartoffeln erschienen erst im 19. Jahrhundert. Aufgrund der Zersplitterung des Grundbesitzes wurde im 19. Jahrhundert eine Kommasation durchgeführt. In den 1950er Jahren fand eine Zwangskollektivierung statt, bei der die große Mehrheit der Bauern enteignet wurde. Wichtige Gewerbetreibende in Großschenk waren anfangs die Zimmermänner und Kürschner, später auch die Sattler, Kessler, Tischler, Schneider, Maurer und Wagner. Alle diese Gewerbetreibenden waren in Zünften organisiert, die in starker Konkurrenz zu den Zünften in Agnetheln standen. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten sich die Tischler von Großschenk zu einer Genossenschaft zusammenschließen. Heute stellt das Nachfolgeunternehmen immer noch das größte Unternehmen des Ortes dar.



Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cincu liegt an der Kreisstraße 105, die von Voila nach Agnita führt. Im Ort zweigen Straßen westwärts nach Toarcla und nach Osten in Richtung Rodbav ab.

Der nächste Bahnhof liegt etwa zehn Kilometer südlich des Ortes in Voila an der Bahnstrecke Brașov–Sibiu.



Sehenswrdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Groschenker Kirchenburg und Pfarrhaus
  • Lateinische Schule
  • Heldenfriedhof am Hohen Rein
  • Heldengedenkstein


Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cincu ist neben Iacobeni (Jakobsdorf) einer der Standorte des umstrittenen Kinderhilfsvereins „Casa Don Bosco“ von Pater Don Demidoff.

Seit 2006 ist der nördlich des Dorfes gelegene Truppenübungsplatz einer von vier Stützpunkten der US-Armee in Rumänien.



Persnlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Shne und Tchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Wolff (1865?1943), Gymnasialdirektor und Stadtpfarrer in Schburg
  • Pauline Schullerus (1858?1929), Volkskundlerin
  • Valeriu Brani?te (1869?1928), rumnischer Politiker und Journalist
  • Grete Welther (1911?1999), Mundartautorin
  • Walter Ziegler (* 1938), Radsportler, Teilnehmer der Friedensfahrt in den 1960er Jahren

Persnlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Schullerus (1866?1898), Maler, geboren in F?g?ra?, hier in Cincu gestorben.
  • Erhard Antoni (1898?1985), Volkskundler und Autor


Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]



Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ?Volkszhlung 2011 in Rumnien (MS Excel; 1,3MB)
  2. ?Heinz Heltmann, Gustav Servatius (Hrsg.): Reisehandbuch Siebenbrgen. Kraft, Wrzburg 1993, ISBN 3-8083-2019-2.
  3. ?in Siebenbrgen 1850-2002 (ung.)
  4. ?www.kia.hu (PDF; 525kB)
  5. ?Angaben zur Lateinische Schule bei monumenteromania.ro abgerufen am 6. September 2013 (rumnisch)
  6. ?Sddeutsche Zeitung vom 21. April 2006
  7. ?Johann Wolff bei schaessburg.de (Memento vom 25. Oktober 2007 im Internet Archive)
  8. ?Angaben zu Grete Welther bei siebenbuerger.de abgerufen am 29. Januar 2016
  9. ?Walter Ziegler bei radsportseiten.net abgerufen am 6. September 2013
  10. ?M. J. Tataru:Schullerus, Fritz (1866-1898), Maler. In: sterreichisches Biographisches Lexikon 1815?1950 (BL). Band11, Verlag der sterreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1999, ISBN 3-7001-2803-7, S.333f. (Direktlinks auf S.333, S.334).
  11. ?Lexicononline

Panoramabild des Ortes, von Norden betrachtet.Bild: Consiliul Județean Brașov.Lizenz: PD-RO-exempt (coats of arms)
Bild: Consiliul Județean Brașov.
Lizenz: PD-RO-exempt (coats of arms)

Wappen des Schenker StuhlsBild: Consiliul Județean Brașov.Lizenz: PD-RO-exempt (coats of arms)
Bild: Consiliul Județean Brașov.
Lizenz: PD-RO-exempt (coats of arms)

Kirchenburg von Kleinschenk, 1966Bild: Consiliul Județean Brașov.Lizenz: PD-RO-exempt (coats of arms)
Bild: Consiliul Județean Brașov.
Lizenz: PD-RO-exempt (coats of arms)

Cincu (deutsch Groß-Schenk, ungarischNagysink) ist eine Gemeinde im Kreis Brașov in Siebenbürgen, Rumänien.

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Geboren & Gestorben

Geboren:
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Karl Reinerth wird in Großschenk, Siebenbürgen geboren. Karl Daniel Reinerth war ein deutscher evangelischer Theologe sowie Kirchenhistoriker siebenbürgischer Herkunft.

Geschichte > Gemeindechronik

1990

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Exodus der siebenbürgisch-sächsischen Bevölkerung durch Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland.

1962

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Unter der kommunistischen Herrschaft werden alle Bauern gezwungen, der Kollektivwirtschaft beizutreten.

1945

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Am 13. Januar, der auch als „Schwarzer Tag“ bezeichnet wird, werden 103 Männer und Frauen der Siebenbürger Sachsen in sowjetische Arbeitslager verschleppt.

1916

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Einfall der Rumänischen Armee. Diese erleidet in der „Großen Schlacht“ auf dem Schmielenfeld nördlich des Ortes, heute Poligon genannt, eine vernichtende Niederlage.

1914

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Ein Waisenhaus für den Kirchenbezirk Großschenk wird gegründet.

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