Daktyloskopie

Die Daktyloskopie (von altgriechischδάκτυλοςdáktylos ‚Finger‘ und σκοπιάskopiá ‚Ausschauen‘, ‚Spähen‘) beschäftigt sich mit den Papillarleisten in den Handinnen- und Fußunterseiten. Auf ihr basiert das biometrische Verfahren des daktyloskopischen Identitätsnachweises – auch Fingerabdruckverfahren genannt –, das auf der biologischen Unregelmäßigkeit menschlicher Papillarleisten in den Handinnenseiten und Fußunterseiten beruht. Es wird in der Kriminalistik zur Identifizierung von Personen verwendet.



Geschichte




Das Fingerabdruckverfahren ist das älteste aller biometrischen Verfahren. Schon im Jahre 1858 kam Sir William James Herschel (1833–1917), britischer Kolonialbeamter in Bengalen (Indien), auf die Idee, Personen anhand ihrer Fingerabdrücke zu unterscheiden. Er registrierte damit ab 1860 Zahlungsempfänger, um Identitätsschwindel zu verhindern. Pensionsbetrug durch Mehrfachauszahlungen in der britischen Kolonialarmee konnte er so wirksam unterbinden. Trotz seiner Erfolge in Bengalen gelang es ihm nicht, dieses System über Indien hinaus durchzusetzen. Er unternahm einen Anlauf, auf diese Weise auch neu eingelieferte Straftäter zu erfassen, doch zielte er bei seinem Verfahren vorwiegend auf administrative Verwendungszwecke ab. Herschels Verdienst ist es, als erster über eine Sammlung verfügt zu haben, mittels derer er zeigen konnte, dass sich Fingerabdrücke im Zeitablauf nicht verändern und zur Identifizierung von Menschen dienen können.Etwa zur gleichen Zeit gelangte, unabhängig von Herschel, ein in Japan lebender Schotte namens Henry Faulds nach eingehenden Untersuchungen der menschlichen Hautleisten zu den gleichen Erkenntnissen. Er machte 1880 den Vorschlag, die Fingerabdrücke am Tatort zur Überprüfung von Verbrechern zu nutzen und dafür alle zehn Finger zur Aufnahme von Fingerabdrücken zu daktyloskopieren. Seine Bemühungen führten jedoch zu keinem Erfolg.Als wesentliches Problem wurde gesehen, dass eine durchgängige und einfache Klassifizierung gewonnener Fingerabdrücke noch nicht gelungen war und daher die praktische Verwendung durch Polizeibehörden im Erkennungsdienst skeptisch betrachtet wurde. Ohne Klassifizierungssystem würde das Herausfinden eines bestimmten Fingerabdrucks aus einer Sammlung von Abdruckblättern den Vergleich eines am Tatort gewonnenen Abdrucks mit sämtlichen in einer polizeilichen Sammlung vorhandenen Abdruckblättern erfordern. Demgegenüber bestand zugunsten der Bertillonage vorübergehend noch der Vorteil, dass jene über ein Klassifizierungssystem verfügte, welches das Herausfinden des Datenblattes auch einer umfangreichen Sammlung binnen weniger Minuten ermöglichte.Dem Engländer Francis Galton (1822–1911) war es vorbehalten, das im Wesentlichen heute noch verwendete Klassifizierungssystem der Daktyloskopie zu entwickeln, die der praktischen Verwendung als Identifizierungsmittel bei Polizeibehörden den Weg ebnete....

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Geboren & Gestorben

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Gestorben: Robert Heindl stirbt in Irschenhausen. Robert Heindl war ein deutscher Kriminologe und Jurist. Mit seinem Namen ist die weitaus wichtigste Methode der Verbrecherfahndung verbunden: die Fingerabdruckschau oder „Daktyloskopie“.
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Gestorben: Paul Koettig stirbt in Dresden. Paul Richard Friedrich Koettig war ein deutscher Kriminalist und Jurist. Er war von 1904 bis 1919 Polizeipräsident von Dresden und brachte 1903 die Daktyloskopie (Fingerabdruckverfahren) in die deutsche Kriminalistik.
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Gestorben: William James Herschel stirbt in Hawkhurst, Kent. William James Herschel, 2. Baronet of Collingwood war der erste Europäer, der Fingerabdrücke zusätzlich zur Unterschrift auf Verträgen anbringen ließ. Er verlangte dies erstmals am 28. Juli 1858 als Mitarbeiter im britischen Staatsdienst in Indien. Er sammelte Fingerabdrücke über eine längere Zeit und konnte damit nachweisen, dass sie zum einen mit den Jahren gleich blieben sowie zum anderen die Vermutung erhärten, dass sie sich bei jedem Menschen unterscheiden. Herschel war damit ein Wegbereiter für die Daktyloskopie.
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Geboren: Robert Heindl wird in München geboren. Robert Heindl war ein deutscher Kriminologe und Jurist. Mit seinem Namen ist die weitaus wichtigste Methode der Verbrecherfahndung verbunden: die Fingerabdruckschau oder „Daktyloskopie“.
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Geboren: Paul Koettig wird in Dresden geboren. Paul Richard Friedrich Koettig war ein deutscher Kriminalist und Jurist. Er war von 1904 bis 1919 Polizeipräsident von Dresden und brachte 1903 die Daktyloskopie (Fingerabdruckverfahren) in die deutsche Kriminalistik.

Großbritannien / Indien

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Der britische Kolonialbeamte William James Herschel verlangt erstmals von einem bengalischen Vertragspartner einen Handabdruck zusätzlich zur Unterschrift. Damit schlägt unversehens die Geburtsstunde der Daktyloskopie. Zwei Jahre später besteht er auf Fingerabdrücken bei Auszahlungen von Pensionen.

Gesellschaft & Soziales

1903

Gesellschaft:
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1. März: Die Polizeidirektion Dresden führt in Deutschland die Daktyloskopie zur Verbrechensaufklärung ein.

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