Desaparecidos

Desaparecidos (span. die Verschwundenen, hochspanische Aussprache [des.a.pa.ɾe.ˈθi.ð̞os], in Lateinamerika [des.a.pa.ɾe.ˈsi.ð̞os]) ist eine in vielen Ländern Mittel- und Südamerikas übliche Bezeichnung für Menschen, die von staatlichen oder quasi-staatlichen Sicherheitskräften heimlich verhaftet oder entführt und anschließend gefoltert und ermordet wurden. In Anlehnung an diese ursprüngliche Bedeutung wird der Begriff in jüngerer Zeit auch zunehmend in Spanien für Opfer der Franco-Diktatur verwendet.

Der Begriff erklärt sich aus der von den 1960er- bis in die 1990er-Jahre üblichen Praxis der rechtsgerichteten Militärdiktaturen vor allem in Argentinien, Brasilien, Chile, Paraguay, Peru, Guatemala, El Salvador und Uruguay, politische Gegner bzw. auch nur missliebige Personen verschwinden zu lassen. Dabei werden die Opfer verhaftet oder entführt und an einen geheim gehaltenen Ort gebracht. Die Angehörigen und die Öffentlichkeit erfahren nichts über das plötzliche „Verschwinden“ und über den Aufenthaltsort des Verschwundenen. Die Opfer werden meist nach kurzer bis mehrmonatiger Haft, in der sie in der Regel schwer gefoltert werden, ohne gerichtliches Verfahren umgebracht und die Leichen beseitigt. Da die Ermordung in der Regel streng geheim gehalten wird und staatliche Behörden jegliche Beteiligung strikt abstreiten, verbleiben die Verwandten oft jahrelang in einem verzweifelten Zustand zwischen Hoffnung und Resignation, obwohl das Opfer häufig bereits wenige Tage oder Wochen nach seinem Verschwinden getötet wurde.

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Geboren & Gestorben

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Gestorben: Guillermo Suárez Mason stirbt in Buenos Aires. Carlos Guillermo Suárez Mason war ein argentinischer General, der eine Hauptrolle bei der Entführung und Ermordung von bis zu 30.000 Oppositionellen durch die Militärdiktatur von 1976 bis 1983 spielte. Die Opfer wurden als Desaparecidos (span. „Die Verschwundenen“) bekannt, weil sie in der Regel heimlich entführt wurden und dadurch oft spurlos aus dem Leben „verschwanden“.

1983

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Gestorben: Guadalupe Carney stirbt in Olancho, Honduras. Guadalupe Carney, getauft als James Francis Carney Hanley, war ein katholischer Priester, Jesuit, Philosoph und Theologe, der durch seine Thesen zum Christsein in Honduras bekannt, verfolgt und zum Desaparecido wurde.
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Gestorben: Azucena Villaflor stirbt. Azucena Villaflor war eine argentinische Sozialaktivistin und eine der Gründerinnen der Mütter der Plaza de Mayo, die nach den Desaparecidos, den während Argentiniens Schmutzigem Krieg zwischen 1976 und 1983 zum Verschwinden gebrachten Menschen, suchten.
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Geboren: Rodolfo Walsh wird in Choele Choel, Provinz Río Negro, Argentinien geboren. Rodolfo Jorge Walsh war ein argentinischer Journalist und Schriftsteller. Er wird als Begründer des investigativen Journalismus in Argentinien und der Gattung »Testimonio« ( ) betrachtet. 1977 verschickte er, wegen der seit 1976 herrschenden Militärdiktatur im Untergrund lebend, seinen "offenen Brief eines Schriftstellers an die Militärjunta" an verschiedene Tageszeitungen. Darin kritisierte er massiv verschiedenste Aspekte der Militärherrschaft, vor allem die gravierenden Menschenrechtsverletzungen und Morde an Oppositionellen. Am gleichen Tag starb er bei einem Schusswechsel mit Soldaten, die ihn verhaften wollten. Sein Brief gilt heute als wichtiges Zeitdokument der argentinischen Geschichte.
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Geboren: Guadalupe Carney wird Chicago geboren. Guadalupe Carney, getauft als James Francis Carney Hanley, war ein katholischer Priester, Jesuit, Philosoph und Theologe, der durch seine Thesen zum Christsein in Honduras bekannt, verfolgt und zum Desaparecido wurde.

Politik & Weltgeschehen

1976

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24. März: Die argentinische Präsidentin Isabel Perón wird von Militärs festgenommen und unter Hausarrest gestellt. Die Militärs übernehmen die Macht und beginnen den Prozess der Nationalen Reorganisation, in dem bis 1983 etwa 30.000 Menschen (Desaparecidos) ermordet werden, überwiegend linke Oppositionelle

Arbeit, Werdegang, Werke & Leben

2005

Kulturelle Aufarbeitung > Film > Südamerika:
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Cautiva (zu Deutsch: Gefangene)

1989

Kulturelle Aufarbeitung > Film > Südamerika:
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Desembarcos – es gibt kein Vergessen von Jeanine Meerapfel, Argentinien/Deutschland 1986

Rundfunk, Film & Fernsehen

2006

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Film: Buenos Aires 1977 (Originaltitel: Crónica de una fuga, englischer Titel: Chronicle of an Escape) ist ein im Jahr 2006 in Argentinien produzierter Politthriller. Der Film schildert die qualvollen Erlebnisse politischer Gefangener (Desaparecidos) in Argentinien während der Militärdiktatur von 1976 bis 1983. Die Filmhandlung beruht auf wahren Begebenheiten. Erstmals aufgeführt wurde der Film im März 2006 in Buenos Aires. Im deutschen Sprachraum erfolgte der Kinostart zu Beginn des Oktobers 2007.

Stab:
Regie: Adrián Caetano
Drehbuch: Adrián Caetano, Esteban Student, Julian Loyola
Produktion: Óscar Kramer, Hugo Sigman
Musik: Iván Wyszogrod

Besetzung: Rodrigo De la Serna, Nazareno Casero, Lautaro Delgado, Matías Marmorato, Martín Urruty, Pablo Echarri, Diego Alonso

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