Deutscher Bund

Der Deutsche Bund war ein Staatenbund, zu dem sich im Jahr 1815 die „souveränen Fürsten und freien Städte Deutschlands“ mit Einschluss des Kaisers von Österreich und der Könige von Preußen, von Dänemark und der Niederlande vereinigt hatten. Dieser Bund existierte von 1815 bis 1866 und hatte bereits bundesstaatliche Züge, da sich ein Recht des Deutschen Bundes entwickelte, das die Gliedstaaten band. Dennoch besaß der Deutsche Bund keine Staatsgewalt, sondern nur eine „völkerrechtsvertraglich vermittelte Vereinskompetenz“ (Michael Kotulla). Laut Präambel der Bundesakte hatten sich die Fürsten zu einem „beständigen Bund“ vereint, diese sind allerdings als Repräsentanten ihrer Staaten anzusehen. Der Bund hatte als Aufgabe, die innere und äußere Sicherheit der Gliedstaaten zu gewährleisten. Damit war der Bundeszweck deutlich begrenzter als beim Heiligen Römischen Reich, das im Jahr 1806 aufgelöst worden war. Dieser deutsche Bund scheiterte schließlich an den unterschiedlichen Vorstellungen von Staat und Gesellschaft, vor allem aber am politischen Machtkampf zwischen Preußen und Österreich.

Der Deutsche Bund wurde infolge des Deutschen Krieges vom Sommer 1866 aufgelöst. Preußen und seine Verbündeten gründeten einen Bundesstaat, den Norddeutschen Bund. Dieser war formell kein Nachfolger des Deutschen Bundes, nahm aber viele Ideen und Initiativen aus jener Zeit auf. Einen „Deutschen Bund“ gab es kurzfristig noch am Anfang des Jahres 1871. Durch Vereinbarung des Norddeutschen Bundes mit Bayern, Württemberg, Baden und Hessen vom 8. Dezember und Beschluss des Bundesrates und des Reichstags vom 9./10. Dezember 1870 wurde der Halbsatz „Dieser Bund wird den Namen Deutscher Bund führen“ ersetzt durch: „Dieser Bund wird den Namen Deutsches Reich führen“; die Bestimmung über den neuen Staatsnamen trat am 1. Januar 1871 in Kraft. Mit der neuen Reichsverfassung vom 16. April 1871 wurde der „Deutsche Bund“ aus dem Titel der Verfassung getilgt.

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Geboren & Gestorben

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Gestorben: Stephan Born stirbt in Basel, Schweiz. Stephan Born war ein früher sozialistischer Politiker im Gebiet des Deutschen Bundes. Als Gründer der Allgemeinen Deutschen Arbeiterverbrüderung schuf er die erste überregionale gewerkschaftliche Organisation der deutschen Arbeiterbewegung. Nach seiner Beteiligung an der letztlich gescheiterten Revolution von 1848/49 lebte er im Schweizer Exil und nahm die dortige Staatsbürgerschaft an. 1860 wurde er Honorarprofessor in Basel.
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Gestorben: Matthias Reischle stirbt in München. Matthias Reischle war ein deutscher Wirtschaftspädagoge. Zusammen mit Anton Riemerschmid gründete er die erste Handelsschule für Mädchen in Deutschland, die Münchner Handelslehranstalt für Frauenzimmer. Von 1862 bis 1897 war er Direktor der Lehranstalt, die heute Städtische Riemerschmid-Wirtschaftsschule heißt.
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Gestorben: Max Cohnheim stirbt in Newark, New Jersey. Max Cohnheim, eigentlich Marcus Cohnheim, war ein deutscher Revolutionär, ein deutschamerikanischer Schriftsteller und Publizist sowie ein Aktivist der demokratischen Bewegung, des Republikanismus und der Arbeiterbewegung. Während der Deutschen Revolution 1848/1849 war er ein Autor von Flugschriften, ein Teilnehmer des Struve-Putsches und der Reichsverfassungskampagne, Zivilkommissär sowie Kommandeur einer Volkswehr-Brigade in Wiesloch. Wegen staatlicher Verfolgung im Deutschen Bund emigrierte er in die Schweiz, dann über London in die Vereinigten Staaten von Amerika. Im Amerikanischen Bürgerkrieg diente er – wie viele andere Forty-Eighters – als Offizier auf der Seite der Nordstaaten, danach für einige Jahre als Angestellter des US-Finanzministeriums. Als Redakteur und Herausgeber von deutschsprachigen Zeitungen und Satireblättern in Berlin, Genf, New York City, Washington D.C. und San Francisco trat er ebenso hervor wie als Schauspieler und als Autor von Volksstücken für deutschsprachige Theater in New Yorks Einwanderermilieu Kleindeutschland.
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Gestorben: Karl von Beaulieu-Marconnay stirbt in Dresden. Karl Olivier Freiherr von Beaulieu-Marconnay (auch: Carl Heinrich Friedrich Oliver von Beaulieu-Marconnay) war Diplomat, Schriftsteller und Kulturhistoriker. Er entstammte dem hugenottischen Adelsgeschlechts der Beaulieu-Marconnay und war Großherzoglich Sächsischer Kammerherr, Wirklicher Geheimrat und Gesandter am Bundestag des Deutschen Bundes.
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Gestorben: August Giacomo Jochmus stirbt in Bamberg. August Giacomo Jochmus (seit 1859:) Freiherr von Cotignola war ein österreichischer Feldmarschallleutnant und deutscher Reichsminister. Er verbrachte sein Leben in griechischen, englischen, spanischen und türkischen Diensten, war kurz Außen- und Marineminister des Deutschen Bundes und beendete seine Laufbahn als österreichischer Feldmarschallleutnant.

Ereignisse

1815

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Napoleons Herrschaft der Hundert Tage; Schlacht bei Waterloo; zweite Verbannung Napoleons (nach St. Helena); Frieden zwischen Großbritannien und den USA; Wiener Kongress; Gründung des Deutschen Bundes; erste Burschenschaften. (1810er)

Sonstige Ereignisse

1815

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Lübeck wird Mitglied des deutschen Bundes. (Geschichte der Hansestadt Lübeck)

Europa

1847

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April/Mai: In Deutschland kommt es zu Hungerunruhen.
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Das Londoner Protokoll (Londoner Konferenz) wird von den europäischen Großmächten unterzeichnet; in Folge wird Belgien völkerrechtlich anerkannt und die Provinz Limburg wird Teil des Deutschen Bundes.
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In Karlsbad beginnt eine Ministerkonferenz zur Bekämpfung liberaler und nationaler Tendenzen in Deutschland.
Europa & die Befreiungskriege:
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Eröffnung des Wiener Kongresses (1814/1815): Der Deutsche Bund entsteht.

Die Reichsadler nach Ende des Heiligen Römischen Reichs

1848

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Doppelköpfiger Reichsadler auf dem Wappen des Deutschen Bundes, ab März

Historische Beispiele

1848

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als Akademische Legion in der Revolution von /49 im Kaisertum Österreich und im Deutschen Bund (Freischar)

Politik & Weltgeschehen

Ereignisse > Politik und Weltgeschehen:
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Die Märzrevolution pflanzt sich im Deutschen Bund fort; in Berlin kommt es trotz Zugeständnissen durch König Friedrich Wilhelm IV. zum bewaffneten Kampf zwischen Bürgern und Militär, der etwa 300 Tote fordert. (18. März)
Napoleonische Kriege & Wiener Kongress:
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Unterzeichnung der Deutschen Bundesakte: Gründung des Deutschen Bundes.

Wirtschaft

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Die Bundesversammlung des Deutschen Bundes beschließt das Allgemeine Deutsche Handelsgesetzbuch (ADHGB).

Deutscher Bund

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Arbeiter- und Arbeiterbildungsvereine werden auf Beschluss des Bundestages im Deutschen Bund verschärfter Verfolgung ausgesetzt. Es werden die Allgemeine Deutsche Arbeiterverbrüderung und alle anderen politischen Arbeitervereinigungen verboten; in Preußen bestand dieses Verbot bereits vorher seit 1850.
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50 Aufständische unter Gustav Bunsen, Gustav Körner und Theodor Engelmann versuchen in Frankfurt am Main die Hauptwache und die Konstablerwache zu erstürmen, um dort inhaftierte Journalisten zu befreien. Mit der Niederschlagung des Frankfurter Wachensturmes scheitert vorerst der Versuch einer gesamtdeutschen revolutionären Erhebung. Als Folge wird im Juni auf Betreiben des österreichischen Kanzlers Klemens Wenzel Lothar von Metternich im Deutschen Bund die Bundes-Central-Behörde eingerichtet.
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Im Deutschen Bund wird der Gebrauch politischer Abzeichen gesetzlich verboten. Das zielt besonders auf Schwarz-Rot-Gold als Zeichen nationaler Gesinnung. Als Reaktion auf das Hambacher Fest werden ferner Presse-, Vereins- und Versammlungsfreiheit stark eingeschränkt.

Territoriale Entwicklung

1866

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als Folge des Deutsch-deutschen Krieges (17. Juni–26. Juli) löste sich der Deutsche Bund auf Druck Preußens am 23. August in Augsburg auf.

1864

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als Folge des Deutsch-dänischen Krieges kam Schleswig in den Bund. Schleswig-Holstein wurde von Österreich und Preußen gemeinsam verwaltet, was zu schweren Konflikten führte. Holstein war bereits seit 1815 Mitglied, Schleswig hatte bis dahin unter dänischer Hoheit gestanden.

1863

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fiel Anhalt-Bernburg durch Erbgang an Anhalt-Dessau, das sich danach nur noch Anhalt nannte.

1849

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kamen Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen durch Abdankung zum preußischen Staat.

1849

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kamen ebenfalls aufgrund der Märzrevolution Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen durch Abdankung zum preußischen Staat.

Deutscher Bund / Italien

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Selbstauflösung des Deutschen Bundes in Augsburg
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Preußen stellt den Königreichen Hannover und Sachsen sowie Kurhessen ein Ultimatum, nachdem diese einer Bundesexekution im Deutschen Bund gegen Preußen zugestimmt haben. Die Ablehnung dieser Forderung führt am selben bzw. am folgenden Tag zur Kriegserklärung und dem Einmarsch preußischer Truppen.

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