Dreyfus-Affäre

Als Dreyfus-Affäre bezeichnet man die Verurteilung des französischen Artillerie-Hauptmanns Alfred Dreyfus 1894 durch ein Kriegsgericht in Paris wegen angeblichen Landesverrats zugunsten des Deutschen Kaiserreichs und die dadurch ausgelösten, sich über Jahre hinziehenden öffentlichen Auseinandersetzungen und weiteren Gerichtsverfahren. Die Verurteilung des aus dem Elsass stammenden jüdischen Offiziers basierte auf rechtswidrigen Beweisen und zweifelhaften Handschriftengutachten. Für die Wiederaufnahme des Verfahrens und den Freispruch Dreyfus’ setzten sich zunächst nur Familienmitglieder und einige wenige Personen ein, denen im Verlauf des Prozesses Zweifel an der Schuld des Angeklagten gekommen waren.

Der Justizirrtum weitete sich zum ganz Frankreich erschütternden Skandal aus. Höchste Kreise im Militär wollten die Rehabilitierung Dreyfus’ und die Verurteilung des tatsächlichen Verräters Major Ferdinand Walsin-Esterházy verhindern. Antisemitische, klerikale und monarchistische Zeitungen und Politiker hetzten Teile der Bevölkerung auf, während Menschen, die Dreyfus zu Hilfe kommen wollten, ihrerseits bedroht, verurteilt oder aus der Armee entlassen wurden. Der bedeutende naturalistische Schriftsteller und Journalist Émile Zola musste beispielsweise aus dem Land fliehen, um einer Haftstrafe zu entgehen. Er hatte 1898 mit seinem berühmt gewordenen Artikel J’accuse…! (Ich klage an …!) angeprangert, dass der eigentlich Schuldige freigesprochen wurde.

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Geboren

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Lucie Dreyfus wird in Chatou geboren. Lucie-Eugénie Dreyfus, geborene Lucie-Eugénie Hadamard, war die Ehefrau des Artillerie-Hauptmanns Alfred Dreyfus, der im Dezember 1894 in der sogenannten Dreyfus-Affäre zu Unrecht von einem französischen Kriegsgericht des Landesverrats für schuldig befunden wurde und im Januar 1895 zunächst öffentlich degradiert und anschließend von der französischen Abgeordnetenkammer auf die Teufelsinsel verbannt wurde. Lucie Dreyfus gehörte gemeinsam mit anderen Familienmitgliedern, darunter vor allem ihrem Schwager Mathieu Dreyfus zu den Personen, die engagiert um die Wiederaufnahme des Prozesses und einer Revidierung des Justizirrtums kämpfte.
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Bernard Lazare wird in Nîmes als Lazare Marcus Manassé Bernard geboren. Bernard Lazare war ein französischer Journalist, Literaturkritiker und Anarchist jüdischer Abstammung. Bekannt wurde er im Zusammenhang mit der Dreyfus-Affäre.
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Jules Guérin (Politiker) wird in Madrid geboren. Jules Guérin gründete und führte die Ligue antisémitique de France (Antisemitische Liga Frankreichs), ein antisemitische französische Bündnis, das der französischen Ligue des Patriotes (Liga der Patrioten) nahestand. Die Ligue antisémitique de France war während der Dreyfus-Affäre, die die französische Republik zwischen 1894 und 1906 tief spaltete, in zahlreiche antisemitische und gegen Dreyfus und seine Verteidiger gerichtete Proteste involviert. Guérin hetzte beispielsweise nach der Veröffentlichung von Émile Zolas Artikel J’accuse die versammelten Menschenmassen zu Übergriffen auf.
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Theodor Herzl wird in Pest geboren. Theodor Herzl war ein österreichisch-ungarischer jüdischer Schriftsteller, Publizist und Journalist und der Begründer des modernen politischen Zionismus. Er gilt deshalb als der zentrale Vordenker und zugleich als aktiver Wegbereiter eines modernen Judenstaats, der später in Form des modernen Staates Israel Realität wurde. 1896 veröffentlichte er das Buch Der Judenstaat; dieses hatte er unter dem Eindruck der Dreyfus-Affäre geschrieben.
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Fernand Labori wird in Reims geboren. Fernand Gustave Gaston Labori war ein französischer Jurist, Journalist und Politiker. Er verteidigte im Rahmen der Dreyfus-Affäre unter anderem Émile Zola wegen einer Verleumdungsklage sowie Alfred Dreyfus im zweiten Kriegsgerichtsverfahren und Henriette Caillaux im Mordprozess gegen sie.
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Alfred Dreyfus wird in Mülhausen geboren. Alfred Dreyfus war ein französischer Offizier. Seine ungerechtfertigte Verurteilung wegen Landesverrats löste 1898 die Dreyfus-Affäre aus, die Frankreich innenpolitisch zutiefst erschütterte.
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Marie-Georges Picquart, französischer Offizier, Kriegsminister und Beteiligter in der Dreyfus-Affäre (+ 1914)

1853

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Armand du Paty de Clam wird geboren. Armand Auguste Charles Ferdinand Marie Mercier du Paty de Clam, in der Literatur meist als Armand du Paty de Clam geführt, war ein französischer Berufssoldat, der wesentlich an der Dreyfus-Affäre beteiligt war.
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Henry Bauër wird in Paris geboren. Henri François Adolphe Bauër, der im literarischen Leben ausschließlich die Namensform Henry Bauër benutzte, war ein französischer Journalist. Als 19-Jähriger kämpfte er für die Pariser Commune, unter anderem als Offizier der Truppen der Commune in der Blutigen Maiwoche, und wurde nach der Niederschlagung des Aufstands für insgesamt sieben Jahre nach Neukaledonien verbannt. Nach seiner Rückkehr erreichte er eine einflussreiche Position als Theaterkritiker und Journalist in der Pariser Zeitung L’Écho de Paris. Er setzte sich dort massiv für die neuere Literatur ein, insbesondere für den Naturalismus. Unter anderem unterstützte er Émile Zola sowohl in seinen literarischen Ambitionen als auch in der Dreyfus-Affäre und gehörte zu den wenigen Befürwortern von Alfred Jarrys Drama König Ubu.
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Maximilian von Schwartzkoppen wird in Potsdam geboren. Maximilian von Schwartzkoppen war ein deutscher Offizier und Diplomat (Militärattaché). Er ist heute vorwiegend wegen seiner Rolle in der Dreyfus-Affäre bekannt.
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Pierre Waldeck-Rousseau wird in Nantes geboren. Pierre Marie René Ernest Waldeck-Rousseau war ein französischer Rechtsanwalt und einer der herausragenden Politiker der gemäßigten Republikaner (Républicains modérés) in der Dritten Republik. In den 1880er Jahren war er Innenminister. Das Gesetz vom 21. März 1884, das das Verbot der Gewerkschaften aufhob, ist mit seinem Namen verbunden. Von 1899 bis 1902 war er Präsident des Ministerrates sowie Innen- und Kultminister. Er trug erheblich zur Beendigung der Dreyfus-Affäre bei.

1846

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Hubert Henry wird geboren. Joseph Hubert Henry, in der Literatur häufig als Hubert Henry oder Joseph Henry geführt, war ein französischer Berufssoldat, der wesentlich an der Dreyfus-Affäre beteiligt war. Er war bereits gemeinsam mit Armand du Paty de Clam an der Zusammenstellung des Geheimdossiers beteiligt, das erste Fälschungen enthielt. Diese Fälschungen sollten sicherstellen, dass der jüdische Artillerie-Hauptmann Alfred Dreyfus im Dezember 1894 vor dem Kriegsgericht tatsächlich als Landesverräter verurteilt wurde. Als der wahre Landesverräter entdeckt wurde, war Hubert Henry an mehreren weiteren Fälschungen beteiligt, die den Justizirrtum vertuschen sollten. Mit dem sogenannten Espérance-Brief warnte Henry den eigentlichen Informanten des Deutschen Reiches, Ferdinand Walsin-Esterhazy, über den ihm gegenüber bestehenden Verdacht. Eine der bekanntesten Fälschungen im Rahmen der Dreyfus-Affäre, der Le faux Henry, der den Verdacht gegenüber Dreyfus aufrechterhalten sollte, ist sogar nach Henry benannt.
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Raoul Le Mouton de Boisdeffre wird in Alençon geboren. Raoul François Charles Le Mouton de Boisdeffre war ein französischer Berufssoldat. Während der Dreyfus-Affäre war er Chef des französischen Generalstabs.
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Charles Arthur Gonse wird in Paris geboren. Charles Arthur Gonse war ein französischer Brigadegeneral. Ab 1893 war er Leiter des Deuxieme Bureau im französischen Generalstab, zu dem auch der Nachrichtendienst gehörte. In seine Amtszeit fällt daher die Dreyfus-Affäre. In seine Verantwortlichkeit fielen damit auch die Ermittlungen gegen den jüdischen Artillerie-Hauptmann Alfred Dreyfus, der im Generalstab diente. Er war wesentlich an den Täuschungsversuchen beteiligt, die den Justizirrtum gegen Dreyfus decken sollten. Er gilt als typischer Repräsentant von Dreyfus’ Gegnern in der französischen Armee.
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Auguste Mercier wird in Arras geboren. Auguste Mercier war ein französischer Berufssoldat und vom 3. Dezember 1893 bis zum 24. Januar 1895 französischer Kriegsminister. Er ist der Nachwelt vor allem wegen seiner Rolle in der Dreyfus-Affäre in Erinnerung, zu deren Hauptakteuren er zählt.
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Auguste Scheurer-Kestner wird in Mülhausen geboren. Auguste Scheurer-Kestner war ein französischer Chemiker, Industrieller und Politiker. Er hatte erheblichen Anteil an der Rehabilitierung von Alfred Dreyfus, der in der sogenannten Dreyfus-Affäre fälschlich des Landesverrats angeklagt wurde.

Gestorben

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Alfred Dreyfus stirbt in Paris. Alfred Dreyfus war ein französischer Offizier. Seine ungerechtfertigte Verurteilung wegen Landesverrats löste 1898 die Dreyfus-Affäre aus, die Frankreich innenpolitisch zutiefst erschütterte.
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Ferdinand Walsin-Esterházy stirbt in Harpenden, England. Marie Charles Ferdinand Walsin-Esterházy war ein französischer Offizier und deutscher Spion. Er war der Auslöser der Dreyfus-Affäre, der tatsächliche Autor des Bordereau, das man ursprünglich Alfred Dreyfus zugeschrieben und für das man diesen verurteilt hatte.
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Raoul Le Mouton de Boisdeffre stirbt in Paris. Raoul François Charles Le Mouton de Boisdeffre war ein französischer Berufssoldat. Während der Dreyfus-Affäre war er Chef des französischen Generalstabs.
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Maximilian von Schwartzkoppen stirbt in Berlin. Maximilian von Schwartzkoppen war ein deutscher Offizier und Diplomat (Militärattaché). Er ist heute vorwiegend wegen seiner Rolle in der Dreyfus-Affäre bekannt.

1916

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Armand du Paty de Clam stirbt. Armand Auguste Charles Ferdinand Marie Mercier du Paty de Clam, in der Literatur meist als Armand du Paty de Clam geführt, war ein französischer Berufssoldat, der wesentlich an der Dreyfus-Affäre beteiligt war.
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Henry Bauër stirbt in Paris. Henri François Adolphe Bauër, der im literarischen Leben ausschließlich die Namensform Henry Bauër benutzte, war ein französischer Journalist. Als 19-Jähriger kämpfte er für die Pariser Commune, unter anderem als Offizier der Truppen der Commune in der Blutigen Maiwoche, und wurde nach der Niederschlagung des Aufstands für insgesamt sieben Jahre nach Neukaledonien verbannt. Nach seiner Rückkehr erreichte er eine einflussreiche Position als Theaterkritiker und Journalist in der Pariser Zeitung L’Écho de Paris. Er setzte sich dort massiv für die neuere Literatur ein, insbesondere für den Naturalismus. Unter anderem unterstützte er Émile Zola sowohl in seinen literarischen Ambitionen als auch in der Dreyfus-Affäre und gehörte zu den wenigen Befürwortern von Alfred Jarrys Drama König Ubu.
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Marie-Georges Picquart, französischer Offizier, Kriegsminister und Beteiligter in der Dreyfus-Affäre (* 1854)
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Jules Guérin (Politiker) stirbt in Paris. Jules Guérin gründete und führte die Ligue antisémitique de France (Antisemitische Liga Frankreichs), ein antisemitische französische Bündnis, das der französischen Ligue des Patriotes (Liga der Patrioten) nahestand. Die Ligue antisémitique de France war während der Dreyfus-Affäre, die die französische Republik zwischen 1894 und 1906 tief spaltete, in zahlreiche antisemitische und gegen Dreyfus und seine Verteidiger gerichtete Proteste involviert. Guérin hetzte beispielsweise nach der Veröffentlichung von Émile Zolas Artikel J’accuse die versammelten Menschenmassen zu Übergriffen auf.
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Pierre Waldeck-Rousseau stirbt in Corbeil-Essonnes. Pierre Marie René Ernest Waldeck-Rousseau war ein französischer Rechtsanwalt und einer der herausragenden Politiker der gemäßigten Republikaner (Républicains modérés) in der Dritten Republik. In den 1880er Jahren war er Innenminister. Das Gesetz vom 21. März 1884, das das Verbot der Gewerkschaften aufhob, ist mit seinem Namen verbunden. Von 1899 bis 1902 war er Präsident des Ministerrates sowie Innen- und Kultminister. Er trug erheblich zur Beendigung der Dreyfus-Affäre bei.
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Theodor Herzl stirbt in Edlach, Gemeinde Reichenau an der Rax, Niederösterreich. Theodor Herzl war ein österreichisch-ungarischer jüdischer Schriftsteller, Publizist und Journalist und der Begründer des modernen politischen Zionismus. Er gilt deshalb als der zentrale Vordenker und zugleich als aktiver Wegbereiter eines modernen Judenstaats, der später in Form des modernen Staates Israel Realität wurde. 1896 veröffentlichte er das Buch Der Judenstaat; dieses hatte er unter dem Eindruck der Dreyfus-Affäre geschrieben.
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Bernard Lazare stirbt in Paris. Bernard Lazare war ein französischer Journalist, Literaturkritiker und Anarchist jüdischer Abstammung. Bekannt wurde er im Zusammenhang mit der Dreyfus-Affäre.
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Auguste Scheurer-Kestner stirbt in Bagnères-de-Luchon. Auguste Scheurer-Kestner war ein französischer Chemiker, Industrieller und Politiker. Er hatte erheblichen Anteil an der Rehabilitierung von Alfred Dreyfus, der in der sogenannten Dreyfus-Affäre fälschlich des Landesverrats angeklagt wurde.

1898

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Hubert Henry stirbt. Joseph Hubert Henry, in der Literatur häufig als Hubert Henry oder Joseph Henry geführt, war ein französischer Berufssoldat, der wesentlich an der Dreyfus-Affäre beteiligt war. Er war bereits gemeinsam mit Armand du Paty de Clam an der Zusammenstellung des Geheimdossiers beteiligt, das erste Fälschungen enthielt. Diese Fälschungen sollten sicherstellen, dass der jüdische Artillerie-Hauptmann Alfred Dreyfus im Dezember 1894 vor dem Kriegsgericht tatsächlich als Landesverräter verurteilt wurde. Als der wahre Landesverräter entdeckt wurde, war Hubert Henry an mehreren weiteren Fälschungen beteiligt, die den Justizirrtum vertuschen sollten. Mit dem sogenannten Espérance-Brief warnte Henry den eigentlichen Informanten des Deutschen Reiches, Ferdinand Walsin-Esterhazy, über den ihm gegenüber bestehenden Verdacht. Eine der bekanntesten Fälschungen im Rahmen der Dreyfus-Affäre, der Le faux Henry, der den Verdacht gegenüber Dreyfus aufrechterhalten sollte, ist sogar nach Henry benannt.

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