Flugzeugentführung

Eine Flugzeugentführung (auch Luftpiraterie, engl. aircraft hijacking genannt) ist die Übernahme der Bordgewalt eines Flugzeugs durch Gewalt oder durch Drohung mit Gewalt durch einen oder mehrere Luftpiraten.

Die Abgrenzung zu Piraterie im herkömmlichen Sinne ergibt sich daraus, dass Luftpiraten kein finanzielles Interesse an der Aneignung von Gegenständen an Bord des Flugzeugs oder des Flugzeugs selbst haben. Die meisten Flugzeugentführungen werden begangen, indem die Passagiere von den Luftpiraten als Geiseln genommen werden, um den Forderungen der Luftpiraten Nachdruck zu verleihen. Flugzeugentführungen mit Geiselnahmen folgen üblicherweise einem Muster aus Verhandlungen zwischen den Luftpiraten und den Sicherheitsbehörden, auf die dann entweder eine Art „Kompromisseinigung“ oder die Erstürmung des Flugzeuges durch bewaffnete Polizei- oder Spezialeinheiten mit dem Ziel erfolgt, die Geiseln zu retten.



Geschichte




Die älteste überlieferte Entführung fand am 21. Februar 1931 in Arequipa (Peru) statt. Byron Rickards, der eine Ford Trimotor flog, wurde am Boden von bewaffneten Revolutionären bedrängt. Er lehnte ab, sie überall hin zu fliegen und erhielt nach einer zehntägigen Pattsituation mitgeteilt, dass die Revolution erfolgreich war und dass er gehen dürfe, wenn er einen von ihnen nach Lima flöge. Die meisten Entführungen sind jedoch weniger harmlos gewesen. Die wahrscheinlich erste Entführung eines kommerziellen Linienfluges trug sich am 16. Juli 1948 zu, bei dem der vergebliche Versuch, die Kontrolle über ein Cathay-Pacific-Wasserflugzeug zu erlangen, dazu führte, dass es in das Meer von Macau stürzte.Seit 1947 sind 60 % der Entführungen Ausreiseversuche von Flüchtlingen gewesen. 1968–69 gab es einen massiven Anstieg in der Zahl der Entführungen. 1968 gab es 27 Entführungen, bzw. versuchte Entführungen nach Kuba. 1969 wurden weltweit 82 Entführungsversuche notiert, mehr als das Doppelte der gesamten Periode 1947–67. Die meisten waren solche, bei denen Palästinenser Flugzeugentführung als politisches Druckmittel einsetzten, um ihr Anliegen publik zu machen und um die israelische Regierung zu zwingen, palästinensische Gefangene aus dem Gefängnis freizulassen.Nach dem Spitzenwert von 385 Vorfällen in der Zeit von 1967–76 ist die Zahl der Flugzeugentführungen wieder gesunken. Von 1977–86 hatte sich die Zahl auf 300 Vorfälle reduziert, im Zeitraum 1987–96 waren es 212.

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Geboren & Gestorben

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Gestorben: Raphael Keppel stirbt in Nausori. Raphael Keppel war ein westdeutscher Friedens- und Umweltaktivist. Er wurde durch eine Flugzeugentführung im Jahr 1979 bekannt.
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Gestorben: Uli Derickson stirbt in Tucson, Arizona. Ulrike Derickson war eine deutsch-amerikanische Flugbegleiterin. Während der Flugzeugentführung des TWA-Flugs 847 vom 14. Juni 1985 durch der Hisbollah nahestehende Terroristen spielte sie eine wesentliche Rolle.
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Gestorben: Neerja Bhanot stirbt in Karatschi. Neerja Bhanot, verheiratete Neerja Mishra, war eine indische Flugbegleiterin und ein Model. Internationale Bekanntheit erlangte sie durch ihren heldenhaften Einsatz als Besatzungsmitglied des Pan-Am-Fluges 73, bei dessen Entführung sie ums Leben kam. Postum wurden ihr zahlreiche Auszeichnungen zuteil, unter anderem erhielt sie als erste Frau den indischen Ashok Chakra Award für Tapferkeit.
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Geboren: Neerja Bhanot wird in Chandigarh geboren. Neerja Bhanot, verheiratete Neerja Mishra, war eine indische Flugbegleiterin und ein Model. Internationale Bekanntheit erlangte sie durch ihren heldenhaften Einsatz als Besatzungsmitglied des Pan-Am-Fluges 73, bei dessen Entführung sie ums Leben kam. Postum wurden ihr zahlreiche Auszeichnungen zuteil, unter anderem erhielt sie als erste Frau den indischen Ashok Chakra Award für Tapferkeit.
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Geboren: Raphael Keppel wird geboren. Raphael Keppel war ein westdeutscher Friedens- und Umweltaktivist. Er wurde durch eine Flugzeugentführung im Jahr 1979 bekannt.

Rundfunk, Film & Fernsehen

1985

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Film: Bolero (Regie) (Rüdiger Nüchtern)

1975

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Film: LH 615 -Operation München ist ein dokumentarischer Spielfilm über die Flugzeugentführung der Lufthansa-Linienmaschine „Kiel“ am 29. Oktober 1972 infolge der gescheiterten Geiselnahme israelischer Sportler durch ein palästinensisches Kommando während der Olympischen Spiele 1972 in München. Ein Zeitdokument vom Regisseur Theo Mezger, mit Aussagen und Interviews von Zeitzeugen und Politikern in Szene gesetzt.

Stab:
Regie: Theo Mezger
Kamera: Götz Neumann

Besetzung: Gert Günther Hoffmann, Sabi Dorr, Monika Gabriel, Michael Gordon, Michael Hinz, Stephan Kayser, Towje Kleiner, Erich Schleyer, Hans-Jürgen Tögel, Karl-Heinz von Hassel

Ereignisse

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Die deutsche Bundesregierung beendet durch Zahlung eines Lösegeldes von fünf Millionen US-Dollar die Flugzeugentführung eines Jumbo-Jets durch arabische Terroristen nach Aden (Südjemen).

Politik & Weltgeschehen

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Die französische Spezialeinheit Groupe d’Intervention de la Gendarmerie Nationale (GIGN) beendet die von vier Terroristen der Groupe Islamique Armé zwei Tage zuvor in Algier begonnene Entführung von Air-France-Flug 8969 auf dem Flughafen Marseille. Die vier Terroristen kommen dabei ums Leben. Außer vier von den Entführern erschossenen Passagieren kann die Spezialeinheit die anderen 171 Menschen und die Crew befreien.
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Flugzeugentführung in Venezuela: Eine mit 90 Personen besetzte DC-9 wird auf dem Weg von Curaçao nach Caracas entführt.

Entführungsfälle (Beispiele)

2001

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Terroranschlag am 11. September, östliche USA: 19 arabisch-islamistische Terroristen entführen vier Flugzeuge. Drei der Flugzeuge werden von den Entführern gezielt in das Pentagon und das World Trade Center gesteuert. Die vierte Maschine stürzt auf freiem Feld ab, nachdem einige Flugbegleiter und Passagiere versuchen, die Terroristen zu überwältigen. Es sind die vier verheerendsten Flugzeugentführungen überhaupt, insgesamt sterben in Gebäuden und Flugzeugen ca. 3000 Menschen.

1999

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Militante islamistische Kaschmir-Rebellen überfallen ein Flugzeug der Indian Airlines und leiten es nach Kandahar um. Nach einer einwöchigen Pattsituation ist Indien damit einverstanden, drei gefangene militante Kaschmir-Rebellen im Austausch gegen die Geiseln freizulassen.

1996

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Auf dem Flug einer Aeroflot-Tupolew 154 von Malta nach Lagos versuchte ein mit einem Fallmesser bewaffneter Nigerianer, den Flug nach Deutschland oder Südafrika umzuleiten. Vier in einem anderen Auftrag an Bord befindliche Männer des österreichischen EKO Cobra konnten die Flugzeugentführung unblutig in der Luft beenden.

1996

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Der Ethiopian-Airlines-Flug 961 wird entführt und stürzt in den Indischen Ozean, nachdem die Entführer eine Bruchlandung erzwingen. Von den 175 Menschen an Bord überleben 50.

1994

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Vier islamistische GIA-Terroristen übernehmen am 24. Dezember eine Air-France-Maschine in Algier. Sie wird nach Marseille geflogen, wo französische Kommandoeinheiten sie am 26. Dezember stürmen und die Entführer töten. 171 Passagiere und die Crew überleben.

Tagesgeschehen

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Las Palmas/Gran Canaria: Flugzeugpassagiere einer entführten Boeing 737 der Air Mauritanie mit 79 Menschen an Bord überwältigen bei der Vollbremsung des Jets auf dem Flugfeld den mit Handfeuerwaffen ausgerüsteten marokkanischen Flugzeugentführer aus der Westsahara, der das Flugzeug nach Frankreich umleiten wollte. 21 Passagiere erleiden leichte Verletzungen beim Versuch über die Notrutschen aus dem Flugzeug zu fliehen, eine Schwangere einen Schock. Ein terroristischer Hintergrund wird ausgeschlossen. Die Maschine war auf dem Weg von der Hauptstadt Nouakchott über Nouadhibou im Norden Mauretaniens nach Las Palmas.
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Berlin/Deutschland: Innenminister Wolfgang Schäuble steht wegen seines Vorhabens, den Abschuss entführter Flugzeuge in einem im Grundgesetz verankerten „Quasi-Verteidigungsfall“ zu erlauben, in der Koalition unter heftiger Kritik. Die SPD-Fraktion werde nach Aussage ihres innenpolitischen Sprechers Dieter Wiefelspütz einer Aufweichung des Grundgesetzes nicht zustimmen: „Der Vorschlag von Herrn Schäuble ist unausgegoren“ und sei nicht realisierbar; „Das Grundgesetz kennt keinen Quasi-Verteidigungsfall.“ Die SPD wirft Schäuble vor, ein anderes Verständnis von Landesverteidigung in das Grundgesetz einführen zu wollen. Die Frage, was bei drohenden Flugzeugattentaten wie 2001 in den USA das kleinere Übel sei, wird seit Jahren kontrovers diskutiert.

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