Geschlechtsüberprüfung beim Sport

Geschlechtsüberprüfungen beim Sport sind medizinische und genetische Tests, die bei Sportwettkämpfen, in denen eine Startberechtigung weiblichen Athleten vorbehalten ist, zur Feststellung des Geschlechts durchgeführt werden.



Geschichte




Verpflichtende Geschlechtstests bei Frauen fanden erstmals bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Budapest 1966 statt. Zu jener Zeit wurden verschiedene Athletinnen der Sowjetunion und aus mehreren Ländern Osteuropas verdächtigt, Männer zu sein. Der Test bestand aus einer einfachen körperlichen Untersuchung. Die Frauen standen nackt vor einem Ärztegremium und traten vor, um ihre Körper und Genitalien abtasten zu lassen. Es musste eine echte Vagina vorhanden sein, und es durfte kein Penis zu finden sein. Einige Frauen fühlten sich durch die Untersuchung stark herabgesetzt und äußerten dies auch. Ihre Länder protestierten beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC).Das IOC reagierte auf die Kritik und ordnete 1967 eine neue, weniger aufdringliche Technik an. Ein Abstrich von der Wangeninnenseite wurde bezüglich der Geschlechtschromosomen getestet. Wurden unter dem Mikroskop zwei X-Chromosomen gefunden, so erhielt die Athletin die Zulassung. Bei einer Abweichung wurde sie verweigert. Das IOC gestand den Athletinnen zu, eine plötzliche Krankheit oder Verletzung vorzugeben und sich still aus dem Sport zurückzuziehen. Erstmals wurden diese Tests für die Olympischen Winterspiele 1968 in Grenoble und die Olympischen Sommerspiele 1968 in Mexiko-Stadt durchgeführt. Andere bedeutende Verbände und Veranstaltungen übernahmen diese Praxis, darunter die International Association of Athletics Federations (IAAF). Somit war eine sportliche Karriere für nicht der chromosomalen Norm entsprechende Athletinnen ausgeschlossen. In der Leichtathletik waren neun im Jahr 1967 gültige Weltrekorde durch Intersexe aufgestellt worden.Mitte der 1970er Jahre wurde der inzwischen als unzuverlässig erachtete Barr-Test (Buccal Smear, Sex Chromatin Test, Barr Body), ein Geschlechts-Chromatin-Test, durch eine DNA-Analyse ersetzt....

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Bekannte Einzelfälle

2009

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Caster Semenya, eine südafrikanische Mittelstreckenläuferin, gewann bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin die Goldmedaille im 800-Meter-Lauf. Wegen ihres maskulinen Erscheinungsbild und ihrer tiefen Stimme wurde ein Geschlechtstest angeordnet. Am 6. Juli 2010 gab die IAAF bekannt, dass Semenya wieder bei den Frauen starten darf.

2006

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Santhi Soundarajan, eine indische Mittelstreckenläuferin, gewann die Silbermedaille beim 800-Meter-Lauf der Frauen bei den Asienspielen in Doha, Katar. Nach einem Geschlechtstest wurde ihr die Medaille aberkannt.

1996

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Bei den Olympischen Sommerspielen in Atlanta fielen acht Athletinnen beim Test durch, durften jedoch nach weiteren Überprüfungen und Beratungen an den Spielen teilnehmen. (Siehe Geschichte)

1992

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Bei den Olympischen Sommerspielen in Barcelona fiel nach Informationen von Johann Olav Koss eine anonym bleibende zweifache Mutter beim Test durch und reiste ohne weitere Überprüfungen ab.

1986

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María José Martínez-Patiño (* 1961), eine spanische Hürdenläuferin, siegte bei den spanischen nationalen Meisterschaften im 60-m-Hürdenlauf. Der Sieg wurde ihr aberkannt und sie wurde aus dem spanischen Nationalteam ausgeschlossen, als bekannt wurde, dass sie 1985 mit dem Barr-Test als genetisch männlich getestet worden war. Zweieinhalb Jahre später wurde sie rehabilitiert.

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