Hausmeier

Das Amt des Hausmeiers (oder Majordomus bzw. maior domus, aus lateinisch maior „der Verwalter“ und domus „das Haus“, also des „Verwalters des Hauses“) zählte zu den Ämtern des frühmittelalterlichen Hofes. Im Merowingerreich gewannen die Hausmeier großen Einfluss und bestimmten maßgeblich die Politik des Reiches.



Inhaltsverzeichnis



Merowingisches Frankenreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Amt des Hausmeiers entstand während der Völkerwanderungszeit und ist sowohl bei den Merowingern als auch bei Burgunden und Goten (so im Ostgotenreich Theoderichs des Großen) belegt; für das Vandalenreich in Nordafrika ist dies umstritten. Während dem Hausmeieramt in den meisten germanisch-romanischen Nachfolgereichen des Weströmischen Reiches aber keine größere Bedeutung zufiel, entwickelte es sich im merowingischen Frankenreich seit dem späten 6. Jahrhundert zu einem der einflussreichsten Hofämter.

Den fränkischen Hausmeiern oblag zunächst lediglich die Oberaufsicht über das unfreie „Hausgesinde“ des Hofes. Bei der Entstehung spielten womöglich Elemente spätantiker Verwaltungspraktiken eine Rolle. Ursprünglich existierten mehrere Hausmeier im Frankenreich, wobei der König, die Königin und Prinzen über eigene Hausmeier verfügten. Nachdem das Merowingerreich immer wieder Herrschaftsteilungen erfuhr, wurde auch das Amt des Hausmeiers aufgewertet, der nun für die Verwaltung des gesamten Königsgutes zuständig war und zu einem der wichtigsten Vertrauten des Königs wurde. Mit Zunahme ihrer Macht seit dem späten 6. Jahrhundert wurden die Hausmeier im Frankenreich damit ab dem 7. Jahrhundert faktisch Leiter der Regierungsgeschäfte. Der Hausmeier ernannte nun Beamte und stellte Urkunden im Namen des Königs aus, wobei zunächst jedes der Teilreiche (Neustrien, Burgund und Austrasien) über je einen eigenen Hausmeier verfügte. Das Amt wurde nun von Adligen bekleidet, die gleichzeitig ihre Position nutzten, um die Macht des Königs so weit wie möglich zu beschneiden und Wert darauf legten, Einfluss auf die Ernennung der Hausmeier zu nehmen. Während in Neustrien die Hausmeier noch eine gewisse Königsnähe anstrebten, war das Hausmeieramt in Austrasien unter den Arnulfingern-Pippiniden ein reines Instrument des Adels geworden. Es wurde innerhalb dieser Familie, die seit 687 die Geschicke des gesamten Frankenreichs lenkte, sogar erblich. Die nachfolgenden Hausmeier legten allerdings selbst Wert darauf, die Einflussnahme des Adels auf ihre Politik so gering wie möglich zu halten.

Die Merowingerkönige nach Dagobert I. regierten faktisch wohl nur noch als Schattenherrscher, wenngleich manche Forscher dem in späteren Quellen vermittelten Bild der machtlosen Merowingerkönige durchaus skeptisch gegenüberstehen (etwa Johannes Fried). Die Grimoaldaffäre hatte jedenfalls gezeigt, dass die Hausmeier noch nicht offen die Königswürde für sich bzw. ihre Familie beanspruchen konnten. Erst Mitte des 8. Jahrhunderts wagten die Karolinger den entscheidenden Schritt und setzten den letzten Merowinger im Jahr 751 ab. Das Hausmeieramt wurde von den Karolingern bezeichnenderweise abgeschafft.



Liste frnkischer Hausmeier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Austrien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 751 ließ sich Pippin zum König wählen und schaffte zugleich das Amt des Hausmeiers ab.

Neustrien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burgund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aquitanien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]



Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]



Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Hausmeier? Bedeutungserklrungen, Wortherkunft, Synonyme, bersetzungen


Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ?Allgemein dazu Gideon Maier: Amtstrger und Herrscher in der Romania Gothica. Stuttgart 2005, S. 147ff.
  2. ?Trotz des Alters ist die materialreiche Darstellung von Waitz immer noch ntzlich: Georg Waitz: Deutsche Verfassungsgeschichte. Bd. 2, 1: Die Verfassung des Frnkischen Reichs. 3. Auflage. Homann, Kiel 1882, S. 89ff. und S. 397ff.
  3. ?Vgl. Gideon Maier: Amtstrger und Herrscher in der Romania Gothica. Stuttgart 2005, S. 147f.
  4. ?Zusammenfassend Georg Scheibelreiter: Hausmeier. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 14. Berlin u. a. 1999, S. 72f.
  5. ?Johannes Fried: Das Mittelalter. Geschichte und Kultur. Beck, Mnchen 2008, ISBN 978-3-406-57829-8, S. 53.

Das Amt des Hausmeiers (oder Majordomus bzw. maior domus, aus lateinischmaior „der Verwalter“ und domus „das Haus“, also des „Verwalters des Hauses“) zählte zu den Ämtern des frühmittelalterlichen Hofes. Im Merowingerreich gewannen die Hausmeier großen Einfluss und bestimmten maßgeblich die Politik des Reiches.

mehr zu "Hausmeier" in der Wikipedia: Hausmeier

Geboren & Gestorben

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Gestorben: Pippin der Jüngere stirbt in Saint-Denis bei Paris. Pippin der Jüngere, genannt auch Pippin III., Pippin der Kurze und Pippin der Kleine war ein fränkischerHausmeier aus dem Geschlecht der Karolinger und seit 751 König der Franken. Er war der Sohn Karl Martells und der Vater Karls des Großen.

714 n. Chr.

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Geboren: Pippin der Jüngere wird geboren. Pippin der Jüngere, genannt auch Pippin III., Pippin der Kurze und Pippin der Kleine war ein fränkischerHausmeier aus dem Geschlecht der Karolinger und seit 751 König der Franken. Er war der Sohn Karl Martells und der Vater Karls des Großen.
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Gestorben: Karl Martell stirbt. Oktober oder 741 in der Königspfalz Quierzy. Karl Martell war ein fränkischer Hausmeier. Er stieg als Sohn Pippins des Mittleren in dieses Amt auf, dessen Besetzung durch Nachfolgekämpfe geprägt war, auf die der merowingische König keinen Einfluss mehr hatte. Unter Karl Martell setzte sich die im frühen 7. Jahrhundert begonnene Entwicklung zur königsgleichen Herrschaft der Hausmeier fort. Am Ende dieses Prozesses waren die merowingischen Könige nur noch Marionetten der rivalisierenden Adelsfraktionen, bis mit Karl Martells Sohn Pippin dem Jüngeren ein karolingischer Hausmeier König der Franken wurde und die alte Dynastie ablöste.

Ereignisse

681 n. Chr.

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Nach dem Tod Ebroins wird WarattoHausmeier in Neustrien.

Fränkisches Reich

717 n. Chr.

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21. März: Sieg des HausmeiersKarl Martell über seine neustrischen Gegner in der Schlacht von Vincy.

Politik & Weltgeschehen

746 n. Chr.

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HausmeierKarlmann schlägt den letzten Aufstand der Alamannen nieder. Das sogenannte Blutgericht zu Cannstatt, dem zahlreiche alemannische Adlige zum Opfer fallen, bedeutete das Ende von Theudebalds Macht. Sein Land wird künftig als Teil des Frankenreiches von fränkischen Grafen verwaltet.

730 n. Chr.

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Der fränkischeHausmeierKarl Martell führt einen Feldzug gegen Alamannenherzog Lantfrid

723 n. Chr.

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Bajuwaren und Alamannen erheben sich unter Bruch ihrer Friedenseide gegen den fränkischenHausmeierKarl Martell.

689 n. Chr.

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Der fränkische HausmeierPippin der Mittlere besiegt die Friesen unter Radbod bei Dorestad; dieser muss das westliche Friesland an die Franken abtreten.

687 n. Chr.

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Pippin II., der Hausmeier von Austrasien, siegt über den Majordomus von Neustrien in der Schlacht bei Tertry.

Frankenreich

719 n. Chr.

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Nach dem Tod des austrasischen Königs Chlothar IV. anerkennt der fränkischeHausmeierKarl Martell den Merowinger Chilperich II. als König des Frankenreichs. Nach dem Sieg Karl Martells über seinen Rivalen Raganfrid (am 14. Oktober bei Néry) ist allerdings Karl Martell eigentlicher Machthaber im Reich und Chilperich lediglich Schattenkönig.

714 n. Chr.

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Nach dem Tod des fränkischenHausmeiersPippin der Mittlere kommt es zu einem Machtkampf zwischen der Witwe Plektrudis und Pippins unehelichem Sohn Karl Martell; der junge Merowingerkönig Dagobert III. spielt dabei, da er lediglich ein Schattenkönig ist, keine Rolle.

711 n. Chr.

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Anfang des Jahres: Nach dem Tod des Frankenkönigs Childebert III. wird dessen Sohn Dagobert III. sein Nachfolger; er ist erst 10 Jahre alt, eigentlicher Regent ist daher der HausmeierPippin der Mittlere.

673 n. Chr.

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Nach dem Tod von Chlothar III. kommt es unter seinen beiden Brüdern zum Kampf um die Nachfolge im Frankenreich: Gegen Theuderich III., der sich zum König von Neustrien und Burgund macht, und seinen HausmeierEbroin steht Childerich II., der sich durchsetzen kann und Herrscher des Gesamtreichs wird, während Theuderich geschoren und in die Abtei Saint-Denis gesteckt wird.

641 n. Chr.

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Nach dem Tod des neustrischenHausmeiersAegas übernimmt Erchinoald das Amt.

Europa

751 n. Chr.

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Ereignisse > Europa: Absetzung des letzten merowingischen Königs durch Pippin schließt den Prozess der fortschreitenden Entmachtung der merowingischen Könige durch die karolingischenHausmeier ab. (8. Jahrhundert)

747 n. Chr.

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Der HausmeierKarlmann tritt zurück und geht auf Pilgerreise nach Rom, um schließlich ins Kloster am Berg Soracte (später ins Kloster Monte Cassino) einzutreten. Möglicherweise hängt dieser Entschluss mit dem von ihm im Vorjahr angeordneten Blutgericht zu Cannstatt zusammen. Seinen Sohn Drogo übergibt er in die Obhut seines jüngeren Bruders Pippins des Jüngeren, der Hausmeier über das Gesamtreich wird.

744 n. Chr.

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Alamannenherzog Theudebald rebelliert im Elsass, HausmeierPippin vertreibt ihn und bringt das Elsass wieder unter seine Gewalt.

743 n. Chr.

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Die HausmeierPippin und Karlmann ziehen gegen Slawen, Sachsen und Alamannen unter Bajuwarenherzog Odilo und Alamannenherzog Theudebald. Beide Herzöge fliehen nach der Niederlage am Lech.

742 n. Chr.

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Alamannenherzog Theudebald stiftet mit Wasconen, Bajuwaren und Sachsen im Elsass einen Aufstand an. Die HausmeierPippin und Karlmann ziehen gegen ihn ins Feld.

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