Heidentum

Heidentum oder Paganismus (von lateinischpaganus ‚heidnisch‘; lateinisch pagus ‚Dorf‘) bezeichnet religionsgeschichtlich aus christlicher Sicht den Zustand, nicht zu einer der monotheistischen Religionen zu gehören. In Anlehnung an historische Texte aus Antike und Mittelalter werden diese in Europa und Vorderasien von Christen, Muslimen, Juden, Zoroastriern und Manichäern(den abrahamitischen Religionen) abgegrenzt. In der Primärliteratur dieser Epochen ist die Verwendung aufgrund des religiösen Exklusivitätsanspruches fast immer abwertend (pejorativ). In der neueren Forschungsliteratur wird Heidentum/heidnisch und Pagane/pagane Kulte – bezogen auf die Antike und das Mittelalter – wertneutral benutzt, um damit die Anhänger verschiedener Götterkulte von Christen, Juden, Zoroastriern und Manichäern zu unterscheiden, ohne dass damit eine Abwertung vorgenommen wird.

Die negative Konnotation des Begriffs Heidentum hat allerdings aufgrund weiterhin wirksamer religiöser Prägungen kaum abgeschwächt in den heutigen Sprachgebrauch überdauert. In der Moderne findet der Begriff Heide aufgrund pluralistischer liberaler Tendenzen jedoch keine Anwendung mehr für Atheisten, Agnostiker oder Minderheitsreligionen. Als Selbstbezeichnung von Anhängern neopaganistischer Bewegungen wird er jedoch wieder verwendet.



Geschichte




In jüdischen Schriften wird einerseits zwischen dem Volk Israel und den Gojim (Einzahl Goj) unterschieden, was in der Septuaginta mit ΕΘΝΟΣ (ethnos = ‚Volk‘), in der Vulgata mit gentes (= ‚Stämme, Völker‘) übersetzt wurde, andererseits werden aber beide Ausdrücke auch häufig (z. B. Genesis 35,11) als Selbstbezeichnung verwendet. Diese Ambivalenz in der Verwendung findet sich auch noch im Neuen Testament, mehrheitlich sind aber die Anhänger des griechischen und römischen Polytheismus gemeint, in einigen Fällen auch die zum Christentum bekehrten Nichtjuden. Es wird unterschieden zwischen Judenchristen (zum Christentum bekehrten Juden) und Heidenchristen (zum Christentum bekehrten Anhängern anderer Religionen). Paulus bezeichnete sich selbst als Apostel der Heiden (Nationen), weil er sich beauftragt sah, Nichtisraeliten zu lehren und zu verkündigen.Traditionell wurden die Paganen (Heiden) von den Anhängern monotheistischer Religionen pauschal als Ungläubige betrachtet und behandelt.Die jüdische, christliche und islamische Ablehnung des Heidentums richtete sich zunächst vor allem gegen den griechischen und römischen Polytheismus, im Zuge der Mission unter anderem auch gegen das germanische, keltische, slawische, baltische und indianische Heidentum.Als Ende des klassischen Heidentums kann daher jeweils die Entwicklung beziehungsweise die Einführung des Christentums oder des Islam als Volks- oder Staatsreligion angesehen werden, unbeschadet der in den regionalen Übergangszeiten entstandenen Formen des Synkretismus, also der Mischung von religiös-kultischer Tradition und akkommodierten christlichen Inhalten, Riten und Kulten.Obwohl das Christentum im späten 4. Jahrhundert (also nach der konstantinischen Wende im frühen 4. Jahrhundert) zur Staatsreligion des Römischen Reiches wurde und in der Folgezeit versucht wurde, viele heidnische Bräuche zu unterdrücken oder zu christianisieren, lassen sich noch die ganze Spätantike hindurch heidnische oder zumindest synkretistische Überzeugungen und Praktiken finden. Um 400 nahm aber die Zahl der Anhänger paganer Kulte spürbar ab, zumal auch Christen die kulturellen Traditionen (so die klassische Bildung) betonten....

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Geboren & Gestorben

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Gestorben: Margaret Alice Murray stirbt in Welwyn, Hertfordshire. Margaret Alice Murray war eine britische Anthropologin und Ägyptologin. Sie war in akademischen Kreisen weithin bekannt für wissenschaftliche Beiträge zur Ägyptologie und volkskundlichen Studien, die zu einer Theorie über eine paneuropäische, vorchristliche, paganistischeReligion um den „gehörnten Gott“ führte.
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Geboren: Margaret Alice Murray wird in Kalkutta, Indien geboren. Margaret Alice Murray war eine britische Anthropologin und Ägyptologin. Sie war in akademischen Kreisen weithin bekannt für wissenschaftliche Beiträge zur Ägyptologie und volkskundlichen Studien, die zu einer Theorie über eine paneuropäische, vorchristliche, paganistischeReligion um den „gehörnten Gott“ führte.
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Gestorben: Stephan I. (Ungarn) stirbt. Stephan I. der Heilige war ein magyarischer Fürst aus der Dynastie der Árpáden und von 1000 bis 1038 erster König des von ihm begründeten multiethnischen Königreiches Ungarn. Er gilt als der Nationalheilige des heutigen Ungarn und christianisierte die heidnischenMagyaren. Sein Gedenktag ist der 20. August, der in Ungarn auch Staatsfeiertag ist. Die römisch-katholische Kirche gedenkt ihm als apostelgleichen Heiligen. Gedenktag ist der 16.?August.

969 n. Chr.

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Geboren: Stephan I. (Ungarn) wird bei Esztergom geboren. Stephan I. der Heilige war ein magyarischer Fürst aus der Dynastie der Árpáden und von 1000 bis 1038 erster König des von ihm begründeten multiethnischen Königreiches Ungarn. Er gilt als der Nationalheilige des heutigen Ungarn und christianisierte die heidnischenMagyaren. Sein Gedenktag ist der 20. August, der in Ungarn auch Staatsfeiertag ist. Die römisch-katholische Kirche gedenkt ihm als apostelgleichen Heiligen. Gedenktag ist der 16.?August.

542 n. Chr.

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Gestorben: Tribonianus stirbt. Flavius Tribonianus war ein oströmischer Staatsbeamter und Jurist. Sein Geburtsdatum ist unbekannt. Er stammte aus Pamphylien in Kleinasien und war vielleicht heidnisch gesinnt.

Politik & Weltgeschehen

362 n. Chr.

Politik, Religion & Weltgeschehen:
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Kaiser Julian versucht eine teilweise Rücknahme der Konstantinischen Wende und Stärkung des Heidentums gegenüber dem Christentum und untersagt mit dem Rhetorenedikt christlichen Lehrern, Unterricht in heidnischer Literatur zu erteilen. Das Edikt löst einen Sturm der Empörung bei christlichen, aber auch heidnischen Lehrern aus. Unter anderem legt Marius Victorinus sein Amt nieder.

Kunst & Kultur

393 n. Chr.

Kultur & Religion:
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Theodosius I. schafft die panhellenischen Olympischen Spiele, das Orakel von Delphi, die Mysterien von Eleusis und zahlreiche andere heidnische Gebräuche ab und zerschlägt damit die Grundlagen des Heidentums im Osten.

391 n. Chr.

Kultur & Religion:
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Zerstörung des alexandrinischen Serapeion und aller anderen sogenannten heidnischen Tempel in dieser Stadt durch fanatische Christen auf Betreiben des Patriarchen Theophilos. Mit dem Serapeion geht eine der größten Sammlungen antiker Literatur und Wissenschaft in Flammen auf.

Ereignisse

448 n. Chr.

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Der katholische Rechiar wird König der Sueben als Nachfolger des HeidenRechila.

Chronik

772 n. Chr.

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Eroberung der sächsischen Eresburg und Zerstörung des wichtigsten religiösen Zentrums der sächsischen Religion, der Irminsul. Der alte Glaube wird von den christlichen Okkupatoren als Heidentum betrachtet. (Sachsen (Volk))

Europa

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In der Schlacht von Lyndanisse siegt ein königlich-dänisches Kreuzfahrerheer unter Waldemar II. über ein Aufgebot der heidnischenEsten.

Religion

1387

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Mit Litauen werden die letzten Heiden Europas zum Christentum bekehrt.

Gründungen, Ersturkundliche Erwähnungen & Auflösungen

2003

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Gründung: The Moon and the Nightspirit ist ein ungarisches Mittelalter- und Pagan-Folk-Duo mit Ethereal-Einflüssen, das 2003 von Agnes Toth und Mihaly Szabo gegründet wurde. Die Texte, die vor allem von heidnischen Märchen und Schamanismus handeln, waren beim Debütalbum Of Dreams Forgotten and Fables Untold hauptsächlich auf englisch, während das Nachfolgealbum Regõ Rejtem (zu deutsch etwa „Ich beschwöre Magie herauf“) komplett auf ungarisch gehalten ist. 2009 erschien das dritte Album der Gruppe mit dem Titel Ősforrás.

2002

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Auflösung: Rockbitch war eine britische, hauptsächlich aus Frauen bestehende Rock-Band. Sie war bekannt für nacktes Auftreten auf der Bühne und das Vollziehen von Sexualakten unter Anwendung von heidnischen Ritualen während der Bühnenshow.

2002

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Auflösung: Nagelfar war eine deutsche Extreme-Metal-Band, die 1993 von Schlagzeuger Alexander von Meilenwald und Gitarrist Zorn gegründet wurde und sich 2002 auflöste. Der Name stammt vom Totenschiff Naglfar aus der nordischen Mythologie, die Band wählte allerdings die deutsche Schreibweise, weil sie eine deutsche Band ist und „die heidnische Symbolik mehr in Bezug auf die (west-)deutsche Geschichte“ verwendet. Trotz des Namens, der Verwendung mythologischer Bilder zur Wiedergabe der eigenen Gedanken und Vorstellungen und des Interesses an heidnischer Thematik sah sich die Band dem Black Metal zugehörig und ordnete sich nicht dem Pagan Metal zu. Nagelfar gilt als richtungsweisende Band des deutschen Black-Metal-Untergrundes.

1996

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Gründung: Grand Magus ist eine schwedische Doom-Metal-/Stoner-Metal-Band aus Stockholm. Die Texte thematisieren häufig Naturverbundenheit, Heidentum und typisch nordische Themen wie Stärke, Natur und Tod. Ferner wird auch die Geschichte Schwedens, vornehmlich zur Zeit der Inquisition, behandelt. Außerdem werden zwischen den Liedern häufig schwedische Volksmelodien als Interludium verwendet.

1996

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Gründung: Rockbitch war eine britische, hauptsächlich aus Frauen bestehende Rock-Band. Sie war bekannt für nacktes Auftreten auf der Bühne und das Vollziehen von Sexualakten unter Anwendung von heidnischen Ritualen während der Bühnenshow.

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