Ideologie

Ideologie (französisch idéologie; zu griechisch ἰδέα idéa „Idee“ und λόγος lógos „Lehre“, „Wissenschaft“ – eigentlich „Ideenlehre“) steht im weiteren Sinne bildungssprachlich für Weltanschauung. Im engeren Sinne wird damit zum einen auf Karl Marx zurückgehend das „falsche Bewusstsein“ einer Gesellschaft bezeichnet, zum anderen wird in der amerikanischen Wissenssoziologie jedes System von Normen als Ideologie bezeichnet, das Gruppen zur Rechtfertigung und Bewertung eigener und fremder Handlungen verwenden. Seit Marx und Engels bezieht sich der Ideologiebegriff auf „Ideen und Weltbilder, die sich nicht an Evidenz und guten Argumenten orientieren, sondern die darauf abzielen, Machtverhältnisse zu stabilisieren oder zu ändern“.

Der Ideologiebegriff nach Marx, der im westlichen Marxismus eine zentrale Rolle spielt, geht davon aus, dass das herrschende Selbstbild vom objektiv möglichen Selbstbild der jeweiligen gesellschaftlichen Entwicklungsstufe verschieden ist. Da die materiellen Verhältnisse und Interessen das Denken bestimmen, wird nach Marx die Ideologie der Gesellschaft durch die Interessen dominanter gesellschaftlicher Gruppen, z. B. der Bourgeoisie, beeinflusst, um diese zu rechtfertigen. Durch eine Ideologiekritik kann diesen Interessen entgegengewirkt werden, um im Sinne eines allgemeinen Interesses ein nach dem Stand der Erkenntlichkeit korrektes und vollständiges Bild der Gesellschaft zu entwerfen. Eine wichtige Weiterentwicklung erfährt die Theorie der Ideologie bei Georg Lukács, der sie mit einer Theorie des Totalitarismus verknüpft: Die vollständige Vereinnahmung des Individuums durch gesellschaftlich organisierte Aktivitäten und Strukturen führt dazu, dass sich das Individuum nur innerhalb dieser Strukturen verstehen kann und somit selbst eine passende Ideologie entwickelt.

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Geboren & Gestorben

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Gestorben: Herbert Petschow stirbt in Bad Kissingen. Herbert Paul Hermann Petschow war ein deutscher Rechtshistoriker und Altorientalist. Seine wissenschaftliche Karriere war wohl eine der außergewöhnlichsten deutsch-deutschen Akademikerkarrieren in der Zeit des Ost-West-Konfliktes. Der Umgang mancher hochschulpolitischer Entscheidungsträger der ehemaligen DDR mit Petschow war ein Beispiel für die ideologisch und mithin unsachgemäß geführte Hochschulpolitik der DDR.

1987

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Gestorben: Claire Johnston stirbt. Claire Johnston war eine US-amerikanische feministische Filmtheoretikerin. Sie schrieb bahnbrechende Essays zur Konstruktion von Ideologie im Mainstreamkino (Hollywood und europäisches Autorenkino).

1967

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Geboren: Rahel Jaeggi wird geboren. Rahel Jaeggi ist eine deutsche Philosophin. Sie ist Professorin für Praktische Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Ihr thematischer Schwerpunkt liegt in den Bereichen der Sozial- und Rechtsphilosophie sowie der politischen Philosophie, der philosophischen Ethik, Anthropologie und Sozialontologie. Gegenstand ihrer Forschung sind u.a. um die Begriffe der Entfremdung, der Kommodifizierung bzw. Verdinglichung, der Ideologie, der Lebensform, der Institution und der Solidarität. Jaeggi gilt als eine Vertreterin der zeitgenössischen Kritischen Theorie.
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Gestorben: Eva Justin stirbt in Offenbach am Main. Eva Hedwig Justin war eine deutsche Rassenforscherin zur Zeit des Nationalsozialismus. Sie trug sowohl ideologisch als auch durch „gutachterliche Äußerungen“ und Interventionen bei der Polizei zum Porajmos bei, dem Genozid an einem großen Teil der als „Zigeuner“ kategorisierten europäischen Roma. Sie nahm Untersuchungen an Häftlingen in Jugendkonzentrationslagern vor und sorgte für deren Begutachtung. Justin arbeitete unter Robert Ritter sowohl im Reichsgesundheitsministerium als auch nach 1948 im Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt.
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Gestorben: Walther Schoenichen stirbt in Göppingen. Walther Schoenichen war Biologe und einer der frühen deutschen Naturschützer, wobei er den Gedanken des Naturschutzes mit der Ideologie des Nationalsozialismus verband.

Tagesgeschehen

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München, Rom. Begleitet von weiterer Kritik ist das neue Buch von Papst Johannes Paul II. am Mittwoch in die Buchläden gekommen. Der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes, Manfred Bruns, nannte es „bestürzend, mit welch aggressivem Hass sich der Papst gegen die Bürgerrechte von Lesben und Schwulen wendet.“ Es sei eine „unerträgliche Entgleisung“, dass der Papst die rechtliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren als neue Ideologie des Bösen denunziere und eine Linie zu den Verbrechen der Nationalsozialisten ziehe.

Rundfunk, Film & Fernsehen

2001

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Film: Gott würfelt nicht. Über den erbitterten Kampf zwischen Wissenschaft und Ideologie (Fritz Poppenberg)

2001

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Film: Gott würfelt nicht. Über den erbitterten Kampf zwischen Wissenschaft und Ideologie. (Fritz Poppenberg)

1955

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Film: Die italienische Filmkomödie Kanaille von Catania entstand 1955 nach einem Drehbuch, das Vitaliano Brancati zusammen mit Regisseur Luigi Zampa schrieb. Der italienische Originaltitel L’arte di arrangiarsi steht für die Kunst, mit widrigen, wechselnden Lebensumständen zurechtzukommen, sich über Wasser zu halten. Wie schon in seinen ersten tragenden Filmrollen spielt Alberto Sordi einen üblen, anpasserischen Schlaumeier. Doch beschränkten sich die frühen Filme mit Sordi auf die Beziehungen zwischen Mann und Frau und auf die Familie, rückte in L’arte di arrangiarsi erstmals die Politik in den Mittelpunkt. In den 1950er Jahren waren politische Satiren im italienischen Kino eine Rarität. Neben den Don-Camillo-Filmen war Zampas Film eine der seltenen Ausnahmen. Er spielte auf die Fähigkeit mancher Politiker an, sich an die Anforderungen verschiedener Epochen Italiens im 20. Jahrhundert anzupassen. Jean A. Gili nannte den Film einen Ausfluss von Brancatis gewohntem sarkastischen Pessimismus. Die äußerliche Wandelbarkeit des Hauptdarstellers bringe seinen ideologischen Transformismus zum Ausdruck: „Sordi verleiht diesem schändlichen Italien seine Gesichtszüge und gibt es glaubhaft wieder, indem er Schlappheit mit Zynismus mischt, und Kriechertum mit dem dramatischem Bewusstsein für Nottaufen im Lauf der Geschichte.“

Stab:
Regie: Luigi Zampa
Drehbuch: Vitaliano Brancati
Luigi Zampa
Musik: Alessandro Cicognini
Kamera: Marco Scarpelli
Schnitt: Eraldo Da Roma

Besetzung: Alberto Sordi, Armenia Balducci, Marco Guglielmi, Carlo Sposito, Luisa Della Noce, Franco Coop, Elli Parvo

Arbeit, Werdegang, Werke & Leben

2007

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Leben: Die Zelená perla (Die grüne Perle) ist ebenfalls ein Anti-Award, und zwar für das dümmste anti-ökologische Zitat bzw. den Umweltschutz abwertende Zitat des Jahres in der Öffentlichkeit Tschechiens. Der erste und dreifache Gewinner der Zelená perla ist Vaclav Klaus , neoliberaler Politiker und ehemaliges tschechisches Staatsoberhaupt. Klaus ist dafür bekannt, dass er die globale Erwärmung nicht als Folge menschlicher Aktivitäten auf der Erde betrachtet sondern als ungefährliches Naturereignis. Er bezeichnete den Umweltschutz als „Öko-Terrorismus“, u.a. in seinem Buch „Blauer Planet in grünen Fesseln“, und behauptete, die Ökologie sei keine Wissenschaft sondern eine Modeerscheinung bzw. eine Ideologie. Die erste Zelená perla errang Klaus für ein Zitat, das er 24. April 1995 in der Aula der Palacký-Universität von Olomouc getätigt hat: "Ökologie ist keine Wissenschaft. Mit Wissenschaft hat das nichts gemein. Es ist eine Ideologie." (Miroslav Patrik)

2005

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Werk: Zur deutschen Ideologie. Soziologische Theorie und gesellschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland, Lit, Münster (Gerhard Stapelfeldt)

2005

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Leben: Die Zelená perla (Die grüne Perle) ist ebenfalls ein Anti-Award, und zwar für das dümmste anti-ökologische Zitat bzw. den Umweltschutz abwertende Zitat des Jahres in der Öffentlichkeit Tschechiens. Der erste und dreifache Gewinner der Zelená perla ist Vaclav Klaus , neoliberaler Politiker und ehemaliges tschechisches Staatsoberhaupt. Klaus ist dafür bekannt, dass er die globale Erwärmung nicht als Folge menschlicher Aktivitäten auf der Erde betrachtet sondern als ungefährliches Naturereignis. Er bezeichnete den Umweltschutz als „Öko-Terrorismus“, u.a. in seinem Buch „Blauer Planet in grünen Fesseln“, und behauptete, die Ökologie sei keine Wissenschaft sondern eine Modeerscheinung bzw. eine Ideologie. Die erste Zelená perla errang Klaus für ein Zitat, das er 24. April 1995 in der Aula der Palacký-Universität von Olomouc getätigt hat: "Ökologie ist keine Wissenschaft. Mit Wissenschaft hat das nichts gemein. Es ist eine Ideologie." (Miroslav Patrik)

1995

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Leben: Die Zelená perla (Die grüne Perle) ist ebenfalls ein Anti-Award, und zwar für das dümmste anti-ökologische Zitat bzw. den Umweltschutz abwertende Zitat des Jahres in der Öffentlichkeit Tschechiens. Der erste und dreifache Gewinner der Zelená perla ist Vaclav Klaus , neoliberaler Politiker und ehemaliges tschechisches Staatsoberhaupt. Klaus ist dafür bekannt, dass er die globale Erwärmung nicht als Folge menschlicher Aktivitäten auf der Erde betrachtet sondern als ungefährliches Naturereignis. Er bezeichnete den Umweltschutz als „Öko-Terrorismus“, u.a. in seinem Buch „Blauer Planet in grünen Fesseln“, und behauptete, die Ökologie sei keine Wissenschaft sondern eine Modeerscheinung bzw. eine Ideologie. Die erste Zelená perla errang Klaus für ein Zitat, das er 24. April in der Aula der Palacký-Universität von Olomouc getätigt hat: "Ökologie ist keine Wissenschaft. Mit Wissenschaft hat das nichts gemein. Es ist eine Ideologie." (Miroslav Patrik)

1975

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Werk: Soziologie des Ideologischen. (Leo Kofler)

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