Inka

Als Inka (Plural Inka oder Inkas) wird heute eine indigene urbane Kultur in Südamerika bezeichnet. Oft werden als Inka auch nur die jeweiligen herrschenden Personen dieser Kultur bezeichnet. Sie herrschten zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert über ein weit umspannendes Reich von über 200 ethnischen Gruppen, das einen hohen Organisationsgrad aufwies. Zur Zeit der größten Ausdehnung um 1530 umfasste es ein Gebiet von rund 950.000 Quadratkilometern, sein Einfluss erstreckte sich vom heutigen Ecuador bis nach Chile und Argentinien; ein Gebiet, dessen Nord-Süd-Ausdehnung größer war als die Strecke vom Nordkap bis nach Sizilien. Entwicklungsgeschichtlich sind die Inka mit den bronzezeitlichen Kulturen Eurasiens vergleichbar. Das rituelle, administrative und kulturelle Zentrum war die Hauptstadt Qusqu (Cusco) im Hochgebirge des heutigen Peru.

Ursprünglich war mit dem Begriff „Inka“ die Bezeichnung eines Stammes gemeint, der nach eigener Auffassung dem Sonnengott Inti entstammte und die Umgebung Cuscos besiedelte. Seine herrschende Sippe fungierte später als Adel des gleichnamigen theokratischen Reiches. Aus ihr rekrutierten sich auch der Klerus und die Offiziere der Inka-Armee. Sapa Inka („einziger Inka“) war der Titel des Inka-Herrschers des Tawantinsuyu („Land der vier Teile, Reich der vier Weltgegenden“ – so die Selbstbezeichnung des Reiches).



Geschichte




Die frühesten schriftlichen Quellen für die Geschichte der Inka sind die spanischen Konquistadoren, die von ihren Beobachtungen bei der Ankunft in Peru berichten. Missionare und Chronisten zeichneten die mündlichen Überlieferungen der Inka auf. Besonders wichtig sind die umfangreichen Werke zweier peruanischer Chronisten, die wenige Jahrzehnte später schrieben: Inca Garcilaso de la Vega (1539–1616) und Waman Puma de Ayala (geboren um 1550). Diese Aufzeichnungen geben das Selbstbild der Inka wieder, nach dem sie durch Taktik und Eroberungen zum dominanten Stamm in den Anden aufgestiegen waren. Auch die bereits im Inkareich praktizierte Unterdrückung der Erinnerung an die andinen Vorgängerkulturen wird in diesen Chroniken nachvollzogen. Über die ersten acht Inka-Herrscher bis Huiracocha Inca gibt es nur ungenaue Angaben, wobei sich zudem Geschichtliches mit Mythologischem vermischt. Erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts mit der Regierungszeit des Inka Pachacútec Yupanqui, der als eigentlicher Architekt des Großreichs gilt, setzt eine verlässlichere Historiografie ein. Das daraus gewonnene Bild muss ergänzt und verglichen werden mit den Erkenntnissen der Archäologie, wobei es auch zu Spannungen kommt. Während die ältere Geschichtsschreibung den Angaben der Chronisten relativ eng folgte, besteht heute eher die Tendenz, die Erzählungen der Chronisten kritischer zu befragen und ihre subjektiv gefärbten Narrative stärker zu gewichten. Unter Heranziehung archäologischer Befunde kommt etwa der finnische Forscher Martti Pärssinen zu der Ansicht, die bisher angenommene Chronologie des Inkareiches müsse hinterfragt und wahrscheinlich zum Teil revidiert werden. Stets ist zu berücksichtigen, dass sämtliches überlieferte Wissen von den Inka aus dem Kontext der bereits von der spanischen Erobererung geprägten Welt stammt und keine schriftlichen Quellen existieren, die eine authentische Stimme aus der Inkakultur vor der Conquista repräsentieren.

mehr zu "Inka" in der Wikipedia: Inka

Geboren & Gestorben

thumbnail
Gestorben: Waldemar Julsrud stirbt in León, Mexiko. Waldemar Julsrud war deutscher Kleinteilkaufmann und Hobby-Archäologe. Er wohnte während des Zweiten Weltkrieges zeitweise in Amerika und beschäftigte sich mit den Tarasken, Azteken, Tolteken, Maya, der archäologischen Kultur von Chupícuaro, den Inkas und anderen indianischen Zivilisationen.
thumbnail
Geboren: Johan Reinhard wird in Joliet, Illinois geboren. Johan Reinhard ist ein US-amerikanischer Anthropologe. Bekannt wurde er durch die Entdeckung mehrerer Eismumien aus der Zeit der Inka in Südamerika.
thumbnail
Geboren: John Earls Dalton wird in Sydney geboren. John Earls Dalton ist ein in Lima lebender australischer Professor für Kultur- und Sozialanthropologie. Als Experte für die Technik der Inka enträtselte er die Nutzungsweise der eindrucksvollen Anlagen der archäologischen Stätte Moray(Inka) in den Anden. Es handelte sich dabei um eine Versuchsanstalt zur Entwicklung von Feldfrüchten, insbesondere zur Entwicklung von Maissorten.
thumbnail
Geboren: Waldemar Julsrud wird in Bremen geboren. Waldemar Julsrud war deutscher Kleinteilkaufmann und Hobby-Archäologe. Er wohnte während des Zweiten Weltkrieges zeitweise in Amerika und beschäftigte sich mit den Tarasken, Azteken, Tolteken, Maya, der archäologischen Kultur von Chupícuaro, den Inkas und anderen indianischen Zivilisationen.
thumbnail
Gestorben: Francisco de Miranda stirbt in Cádiz. Sebastián Francisco de Miranda Rodríguez war Offizier und Revolutionär. Er setzte sich für die Unabhängigkeit und Vereinigung der spanischen Kolonien in Amerika ein. Sein Lebenstraum war ein einheitlicher lateinamerikanischer Staat mit dem Namen Kolumbien, benannt nach Christoph Kolumbus. An dessen Spitze sollte nach seinen Vorstellungen ein vom Volk gewählter Kaiser stehen, der den Titel Inka tragen sollte, in Anlehnung an die Herrscher der indianischen Inka. Der Inka sollte wiederum von einem Zweikammerparlament nach US-amerikanischem Vorbild kontrolliert werden. Obwohl seine eigenen Bestrebungen ohne Erfolg waren, gilt Miranda als Wegbereiter Simón Bolívars, der die spanische Herrschaft in Südamerika letztlich beendete.

Politik & Weltgeschehen

1200

thumbnail
um 1200: Die Inka gründen die Stadt Cusco. Manco Cápac ist der erste (mythische) Herrscher.

Reisen & Expeditionen

Spanien: Entdeckungsreisen & Kolonialismus:
thumbnail
Vasco Núñez de Balboa erblickt nach knapp einmonatigem Marsch als erster Europäer mit seiner Expedition den Pazifischen Ozean. Vier Tage später steht er an dessen Ufer. Zu diesem Zeitpunkt umfasst die Expedition nur noch 69 Mann. Auf dem Rückweg hören sie von einem Einheimischen zum ersten Mal vom Inka-Reich im Süden.

Spanisches & Portugiesisches Kolonialreich

thumbnail
Karl I. von Spanien erlaubt Francisco Pizarro einen Feldzug gegen das Inkareich und ernennt ihn zum Generalkapitän und künftigen Statthalter von Peru.

Spanisches Kolonialreich

1531

thumbnail
April: Spanische Eroberung Perus: Francisco Pizarro erobert die Insel Puná am Nordrand des Inka-Reiches im heutigen Ecuador.

Inkareich

thumbnail
Mit der Hinrichtung des letzten Inkaherrschers Túpac Amaru I. auf der Plaza de Armas in Cusco wird das in Perú seit Jahrhunderten andauernde Inkareich durch die Spanier endgültig vernichtet.
thumbnail
Die Spanier erobern die Inkafestung Vilcabamba und besiegen die aufständischen Inkas unter ihrem Herrscher Túpac Amaru I., dem es jedoch gelingt, in den Urwald zu fliehen. Wenig später gerät er aber durch Verrat in die Hände der spanischen Conquistadores.

1493

thumbnail
Huayna Cápac folgt im Alter von 17 Jahren seinem verstorbenen Vater Túpac Yupanqui auf den Thron des Inkareichs.

1460

thumbnail
Dem Inka-Heerführer Cápac Yupanqui, Bruder des Herrschers Pachacútec Yupanqui, gelingt die Unterwerfung der Huanca in Junin.

Spanische Entdeckungs- & Eroberungsfahrten

thumbnail
Bei der Eroberung des Inka-Reiches durch spanische Truppen unter Führung von Francisco Pizarro wird der Inka Atahualpa unter fadenscheinigen Begründungen öffentlich hingerichtet. Die Spanier setzen Atahualpas jüngeren Bruder Túpac Huallpa als neuen Inka ein, dieser stirbt jedoch bereits, bevor sie Cuzco erreichen können. Neuer Inka wird Manco Cápac II., ohne jedoch tatsächlich Macht über das spanisch besetzte Inkareich zu haben.

Wissenschaft & Technik

thumbnail
Der Inka-Tempel Paititi wird von Hans Ertl in der Nähe des Rio Chinijo entdeckt.

Kunst & Kultur

2014

Ausstellung:
thumbnail
Inka - Könige der Anden. Lokschuppen Rosenheim. Eine völkerkundliche Sonderausstellung in Zusammenarbeit mit dem Linden-Museum, Stuttgart. 11. April bis 23. November.

1615

Kultur:
thumbnail
Waman Puma, auch Guaman Poma de Ayala veröffentlicht seine Chronik Primer Nueva Corónica y Buen Gobierno, welche zu einer einzigartigen historischen Quelle über die Inkas und das koloniale Peru wird.

Amerika

thumbnail
Südamerika: Chile erklärt der Peruanisch-Bolivianischen Konföderation den Krieg. Es fühlt sich durch Pläne des bolivianischen Präsidenten Andrés de Santa Cruz bedroht, der mit dem Gedanken eines neuen Inkareiches liebäugelt. Argentinien schließt sich Chile am 19. Mai 1837 an und nimmt am Peruanisch-Bolivianischen Konföderationskrieg teil.

1780

thumbnail
Ausbruch des größten Indianeraufstandes unter José Gabriel Condorcanqui, der den Titel des letzten InkaherrschersTúpac Amaru annimmt. Der Aufstand erfasst große Teile des heutigen Peru, Ecuador, Bolivien und Nordargentinien.

1535

thumbnail
Amerikanische Kolonien: Der Inka Manco Cápac II. flieht vor den spanischen Besatzern des Inkareichs. Er wird aber wieder festgenommen, gefangengesetzt und öffentlich gedemütigt. Im folgenden Jahr bricht ein Aufstand gegen die Spanier aus.
thumbnail
Spanische Eroberung Perus: Francisco Pizarro und seine Männer nehmen den Inka-Herrscher Atahualpa und dessen Gefolgsleute in der Schlacht von Cajamarca gefangen.

1471

thumbnail
Túpac Yupanqui wird als 10. Inka von Cuzko Herrscher des Inka-Reiches

"Inka" in den Nachrichten