Interdikt (Kirchenrecht)

Ein Interdikt (lat.: „Untersagung“) ist das Verbot von gottesdienstlichen Handlungen, das als Kirchenstrafe für ein Vergehen gegen das Kirchenrecht verhängt wird. Das Interdikt war in der Form des Lokalinterdikts, das ganze Ortschaften oder Gebiete betraf, hauptsächlich im Mittelalter eine scharfe Waffe der katholischen Kirche gegen die Nichtbeachtung kirchlicher Regeln und im Kampf gegen Gegner. Diese Strafe fand bis in die Neuzeit hinein Anwendung. In der Form des Personalinterdikts, das nur individuelle Gläubige, nicht aber kirchliche Gebietskörperschaften und Einrichtungen oder gar ganze Landschaften treffen kann, ist das Interdikt noch heute Bestandteil der Strafbestimmungen des Codex Iuris Canonici.

Das Interdikt bedeutet für die Betroffenen das Versagen der für das Seelenheil des gläubigen Menschen notwendigen Sakramente und das Verbot der gültigen Ausübung kirchlicher Ämter. Systematisch gehört das Interdikt zu den Beugestrafen, die durch Druckausübung eine Besserung (Verhaltensänderung) der Betroffenen herbeiführen sollen.

mehr zu "Interdikt (Kirchenrecht)" in der Wikipedia: Interdikt (Kirchenrecht)

1000–1300

1195

thumbnail
Die katholische Kirche verhängt das Interdikt über Portugal. Es beginnt ein fast zweihundert Jahre andauernder Konflikt zwischen Kirche und portugiesischem Königtum. (Zeittafel Portugal)

Religion

1289

thumbnail
Papst Nikolaus IV. hebt das seit 1277 bestehende Interdikt gegen Portugal auf (s. König Dinis).
thumbnail
Graf Lotario di Segni wird als Papst Innozenz III. inthronisiert. Im August ruft er (ohne konkreten Anlass) zu einem Vierten Kreuzzug auf. Außerdem verhängt er noch im selben Jahr das Interdikt über Philipp II. von Frankreich.

Antike

1412

Heiliges Römisches Reich:
thumbnail
Gegen Jan Hus, der gegen kirchliche Missstände und Ablasshandel predigt, wird das Interdikt verhängt. Hus verlässt Prag, wo er Rektor der Universität war und geht nach Südböhmen.
Heiliges Römisches Reich:
thumbnail
Papst Clemens VI. verhängt nochmals Bann und Interdikt über Ludwig IV. mit den Worten: „Möge Ludwig in eine Fallgrube geraten, die er nicht sieht … Der Herr schlage ihn mit Wahnsinn, Blindheit und Raserei … Die Erde öffne sich und verschlinge ihn lebendig.“

Politik & Weltgeschehen

Italienische Kriege / Liga von Cambrai:
thumbnail
Der zur Liga von Cambrai gehörende Papst Julius II. verhängt über die Republik Venedig ein Interdikt.
thumbnail
Ludwig IV. verfügt, dass die Pfründen von Geistlichen, die dem von Johannes XXII. verhängten Interdikt gehorchen, „Bürgermeistern und Ratsherren der Bürgerschaft“ zufallen.

Europa

thumbnail
Papst Paul III. bannt König Heinrich VIII. wegen dessen Scheidung von Katharina von Aragón und verhängt das Interdikt über ganz England.

Kunst & Kultur

1957

Erste deutsche Museumsausstellungen:
thumbnail
Städtische Galerie im Lenbachpalais München: aktiv-abstrakt. Neue Malerei in Deutschland (11. Oktober bis 15. November 1957). (Informelle Kunst)

1279

Religion & Kultur:
thumbnail
Erfurt: Erzbischöfliche Amtsträger werden misshandelt und aus der Stadt verjagt. Der Erzbischof von Mainz antwortet mit dem Bann. Das verhängte Interdikt lastet zweieinhalb Jahre auf der Stadt.

1203

Religion & Kultur:
thumbnail
Papst Innozenz III. spricht den Kirchenbann gegen England aus und verhängt das Interdikt.

"Interdikt (Kirchenrecht)" in den Nachrichten