Kokain

Kokain (auch Cocain) ist ein starkes Stimulans und Arzneimittel. Es findet weltweit Anwendung als Rauschdroge mit hohem psychischen aber keinem physischen Abhängigkeitspotenzial. Chemisch-strukturell gehört es zu den Tropan-Alkaloiden und ist ein Derivat von Ecgonin. Verwendet wird oft das – im Gegensatz zur wenig wasserlöslichen freien Base – besser lösliche Hydrochlorid.



Geschichte




Die ersten Cocasträucher kamen 1750 aus Südamerika nach Europa. Im Winter 1859/60 isolierte Albert Niemann im Laboratorium von Friedrich Wöhler in Göttingen die aktiven Komponenten des Cocastrauches. Er gab dem Alkaloid den Namen Kokain. Es ist allerdings umstritten, ob Niemann tatsächlich als Erstem die Isolierung von Kokain gelungen ist. Diese Leistung wird auch dem deutschen Chemiker Friedrich Gaedcke zugeschrieben, der schon 1855 einen Stoff, den er Erythroxylin nannte, aus dem Cocastrauch isoliert haben soll. Auch dem an der Universität Pavia lehrenden Neurologen und Pathologen Paolo Mantegazza soll dies bereits im Jahre 1858 (nach anderen Quellen im Jahr 1859) gelungen sein.Ab 1879 wurde Kokain verwendet, um Morphinabhängigkeit zu behandeln, so im Sanatorium Bellevue unter Robert Binswanger. Im selben Jahr entdeckte Vassili von Anrep (1852–1927) an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg die schmerzstillende Wirkung des Kokains. Um 1884 kam es als lokales Anästhetikum in Deutschland in klinischen Gebrauch, ungefähr zur selben Zeit, als Sigmund Freud über dessen Wirkungen in seinem Werk Über Coca schrieb:Der Augenarzt Carl Koller nutzte um das Jahr 1884 die lokalanästhetische Wirkung in der Augenheilkunde. Koller gilt damit als Begründer der Lokalanästhesie an den Augen.Die Fachpresse vermeldete in der Zeit laufend neue Therapieanwendungen für Kokain, so etwa der Lancet 1885: Das Mittel sei von einem renommierten Arzt des Westminister Hospital erfolgreich gegen seinen Heuschnupfen eingesetzt worden. Das Bellevue Hospital Medical College habe gute Erfahrung bei der Therapie von spastischem Asthma durch direktes Einbringen des Kokains in die Nase gemacht. Etwas später im selben Jahr titelte die New York Times erstmals Kritisches über Kokain: Poisoned by Cocaine. der amerikanische Chemiker Robert Ogden Doremus berichtete am 18. November 1885 der Medico-Legal Society von einer Frau, die Kokain gegen Zahnschmerzen eingesetzt habe und daran verstorben sei. Sein Kollege Holcourt riet, das Kokain in den Drug Stores eindeutig als Gift zu kennzeichnen. Außerdem war bei der Veranstaltung von einer an einer Überdosis „innerhalb von 12 Minuten verstorbenen“ Katze die Rede....

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Geboren & Gestorben

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Gestorben: Griselda Blanco stirbt in Medellín. Griselda Blanco, auch genannt die „Großmutter des Kokains“, „die Patin“, „Ma Baker“ der Cocaine Cowboys, „Viuda Negra“, „Black Widow“ oder „La Madrina“, war während der 1970er und 1980er Jahre eine der „unbarmherzigsten und grausamsten“ Führungspersönlichkeiten des kolumbianischen Medellín-Kartells in den USA. Sie galt als eine der „Pioniere“ des Medellín-Kartells in Miami und gründete ihre eigene Organisation. Blanco war dreimal verheiratet und wurde Mutter von vier Söhnen mit den Namen Dixon, Uber, Osvaldo und Michael Corleone Sepulveda.
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Gestorben: Kevin DuBrow stirbt. Kevin Mark DuBrow war ein US-amerikanischer Rock- und Metal-Sänger. Am besten bekannt war er als Lead-Sänger der Heavy-Metal-Band Quiet Riot, bei der er von 1975 bis zu seinem Tod im Jahr 2007 sang. Am 10. Dezember 2007 berichteten die Medien, dass DuBrow tot in seinem Haus aufgefunden wurde. Es wurde berichtet, dass die Todesursache eine Überdosis Kokain war.
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Gestorben: Curt Hennig stirbt. Curtis Michael „Curt“ Hennig, auch bekannt unter seinem Ringnamen Mr. Perfect, war ein US-amerikanischer Wrestler. Während seiner aktiven Zeit trat er für die größten Wrestlingorganisationen weltweit auf und war regelmäßig in deren TV-Formaten zu sehen. Hennig galt als einer der besten Akteure im Wrestlinggeschäft, durfte jedoch niemals den höchsten Titel einer marktführenden Organisation halten. 2003 verstarb Hennig an einer Überdosis Kokain.
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Gestorben: Len Bias stirbt in College Park, Maryland. Leonard Kevin Bias war ein US-amerikanischer Basketballspieler. Er galt als sehr talentierter Spieler und besuchte die University of Maryland, wo er als All-American und ACC Spieler des Jahres ausgezeichnet wurde und Vergleiche mit Michael Jordan auf sich zog. Bias wurde beim NBA Draft 1986 an zweiter Stelle vom damaligen NBA-Meister Boston Celtics ausgewählt. Diese gaben vor dem Draft Gerald Henderson an die Seattle Supersonics ab, um Bias im Draft auswählen zu können. Knapp zwei Tage später starb er an einer Überdosis Kokain.
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Gestorben: Barry Seal (Drogenschmuggler) stirbt in Baton Rouge, Louisiana. Adler Berriman Seal, bekannter als Barry Seal war ein CIA-Agent und Drogenschmuggler, der nach eigener Aussage seit Ende der 1970er Jahre Kokain im Auftrag mittel- und südamerikanischer Drogenhändler in die USA flog. Er gilt als einer der größten und erfolgreichsten Drogenschmuggler in der Geschichte, der Straßenverkaufswert der von ihm importierten Drogen wird offiziell auf drei bis fünf Milliarden US-Dollar geschätzt.

Geschichte

1884

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der Wiener Ophthalmologe Carl Koller führt eine schmerzfreie Augenoperation mit Kokain durch (Lokalanästhetikum)

Ereignisse > Wirtschaft

1975

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An der Westküste Frankreichs wird die Saint-Nazaire-Brücke für den Straßenverkehr freigegeben. Die Schrägseilbrücke verfügt über eine der weltweit größten Stützweiten. (18. Oktober)

Ereignisse

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Knapp zwei Tage nach der NBA Draft stirbt Len Bias, Draftpick der Boston Celtics, an einer Überdosis Kokain.

Gründungen, Ersturkundliche Erwähnungen & Auflösungen

1991

Gründung:
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Abuela Coca (spanisch: Koks-Oma) ist eine 1991 gegründete Band aus Montevideo in Uruguay. Ihr Musikstil ist durch eine Mischung aus Rock, Reggae, Rap und afrikanisch-lateinischen Rhythmen geprägt. Die Bands La Vela Puerca und No Te Va Gustar sagen, dass sie von Abuela Coca inspiriert und maßgeblich beeinflusst wurden.

Rundfunk, Film & Fernsehen

1986

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Film: Jo Jo Dancer -Dein Leben ruft (Originaltitel: Jo Jo Dancer, Your Life Is Calling) ist eine US-amerikanische Filmbiographie aus dem Jahr 1986 von Richard Pryor. Pryors Regiedebüt zeigt semi-biographisch die Lebensgeschichte der fiktiven Figur des Jo Jo Dancer, die sehr stark an das Leben Pryors und dessen berühmten Unfall, bei dem er sich im Kokain-Rausch selbst anzündete, angelehnt ist.

Stab:
Regie: Richard Pryor
Drehbuch: Richard Pryor, Paul Mooney, Rocco Urbisci
Produktion: Richard Pryor
Musik: Herbie Hancock
Kamera: John A. Alonzo
Schnitt: Donn Cambern

Besetzung: Richard Pryor, Debbie Allen, Art Evans, Fay Hauser, Barbara Williams, Carmen McRae, Wings Hauser, Paula Kelly, Michael Ironside, Billy Eckstine, Dennis Farina, Beau Starr, Ken Foree, E'Lon Cox, Dennis Hayden, Sam Hennings, Diahnne Abbott

Arbeit, Werdegang, Werke & Leben

1995

Kokain als Thematik in Liedtexten:
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Mutter, der Mann mit dem Koks ist da, Falco

Sport

2009

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Doping: Dem libanesischen Ski-Rennläufer Georges Salameh wird bei den Weltmeisterschaften in Val d'Isere Spuren von Kokain nachgewiesen.
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Ereignisse > Sport: In einem Dopingtest wird bei dem Fußballer Diego Maradona der Gebrauch von Kokain festgestellt. Sein Vertrag mit dem SSC Neapel wird beendet und ihm wird eine 15 Monate dauernde Sperre auferlegt. (17. März)

1991

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17. März: In einem Dopingtest wird bei Diego Maradona, einen beim SSC Neapel unter Vertrag stehenden Fußballspieler, der Gebrauch von Kokain festgestellt. In der Folge kommt es zum Vertragsende und dem Spieler wird eine 15 Monate dauernde Sperre auferlegt.

Kontroversen

1997

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setzt Gallagher in einem Fernseh-Interview Drogen mit Teetrinken gleich („taking drugs is like drinking a cup of tea in the morning“) und behauptet, die meisten britischen Parlamentarier würden Heroin oder Kokain konsumieren. Auslöser ist sein Missfallen über Sänger Brian Harveys Entlassung aus der Boygroup East? 17 aufgrund dessen Zugeständnis von sowie positiver Äußerung zum Ecstasy-Konsum. Es erfolgt ein medialer Aufschrei und Tony Blair kündigt seine „Freundschaft“ zu den Gallaghers. Später tut Gallagher seine Aussage mit einem Lachen ab und räumt ein, in besagtem Interview selbst unter Kokaineinfluss gestanden zu haben. (Noel Gallagher)

1997

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setzt Gallagher in einem Fernseh-Interview Drogen mit Teetrinken gleich ("taking drugs is like drinking a cup of tea in the morning") und behauptet, die meisten britischen Parlamentarier würden Heroin oder Kokain konsumieren. Auslöser ist sein Missfallen über Sänger Brian Harveys Entlassung aus der Boygroup East? 17 aufgrund dessen Zugeständnis von sowie positiver Äußerung zum Ecstasy-Konsum. Es erfolgt ein medialer Aufschrei und Tony Blair kündigt seine „Freundschaft“ zu den Gallaghers. Später tut Gallagher seine Aussage mit einem Lachen ab und räumt ein, in besagtem Interview selbst unter Kokaineinfluss gestanden zu haben. (Noel Gallagher)

Hintergrund

2002

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wurde in Panorama der Verdacht geäußert, der damalige Hamburger Innensenator und Zweite Bürgermeister Ronald Schill habe Kokain zu sich genommen. Dies wurde allein durch die Aussage eines anonym gehaltenen Zeugen belegt, welcher sich wenig später als psychisch krank herausstellte. Das Magazin sendete dabei nur ein stummes Bewegtbild des Zeugen, dessen Aussage von einem NDR-Mitarbeiter nachgesprochen wurde. Schill erklärte eidesstattlich, er habe nie gekokst und konnte vor Gericht erwirken, dass der Panorama-Beitrag nicht mehr gesendet und die Behauptung, er habe gekokst, nicht mehr wiederholt werden durfte. Eine Haarprobe konnte er später als negativ präsentieren. Das in Kabaretts und Boulevard-Zeitungen noch oft erwähnte Koks-Gerücht konnte trotz der kritisierten mangelnden Sorgfalt in den ursprünglichen Recherchen von Panorama vier Jahre später belegt werden. (Panorama (Magazin))

Tagesgeschehen

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Rom/Italien: Luftmessungen in der italienischen Hauptstadt ergeben erhöhte Konzentrationen von Kokain und Haschisch. Die Werte liegen mit 0,1 Nanogramm pro Kubikmeter Luft fünfmal höher als der zulässige Höchstwert für toxische Substanzen.
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Washington, D.C./USA. US-Fahnder beschlagnahmen 27 Tonnen Kokain vor Mexiko und den Galápagos-Inseln. Es gab 18 Festnahmen.
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Frankfurt am Main/Deutschland. Michel Friedman lässt seine Talkshows vorläufig aus den Programm nehmen. In den zwei Tage zuvor in seiner Wohnung bzw. Kanzlei gefundenen Päckchen war tatsächlich Kokain enthalten, die sichergestellte Menge war jedoch zu gering, um den Wirkstoffgehalt zu ermitteln. Das Ergebnis der Haaranalyse steht noch aus.
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Frankfurt am Main/Deutschland. Bei der Durchsuchung der Kanzlei und Wohnräume des Anwalts und Politikers Michel Friedman werden drei „Szenetypische Päckchen“ gefunden, die möglicherweise Kokain enthalten. Friedman muss der Staatsanwaltschaft eine Haarprobe abgeben.

"Kokain" in den Nachrichten

Weiterführende Informationen

Literatur

  • Christian Rätsch, Jonathan Ott: Coca und Kokain. AT-Verlag, Aarau/Schweiz 2004, ISBN 3-85502-707-2.
  • Christian Rätsch: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. AT-Verlag, Aarau/Schweiz 2004, ISBN 3-85502-570-3.
  • Henry Hobhouse: Sechs Pflanzen verändern die Welt. Chinarinde, Zuckerrohr, Tee, Baumwolle, Kartoffel, Kokastrauch. 4. Auflage. Klett-Cotta, Hamburg 2001, ISBN 3-608-91024-7.
  • Steven B. Karch: A Brief History of Cocaine. Taylor & Francis, 2005, ISBN 0-8493-9775-8.
  • Katrin Steinke, Elena Jose, Hans-Ullrich Siehl, Klaus-Peter Zeller, Stefan Berger: Kokain. In: Chemie in unserer Zeit. 47, 2013, S. 56–60, doi:10.1002/ciuz.201300614.
  • H. Stöver, M. Prinzleve (Hrsg.): Kokain und Crack. Pharmakodynamiken, Verbreitung und Hilfeangebote. Lambertus, Freiburg 2004, ISBN 3-7841-1494-6.
  • C. D. Kaplan, D. Korf, C. Sterk: Estimating Cocaine Prevalence and Incidence in Three European Community Cities. Commission of the European Communities, Luxemburg 1987.
  • N. Stone, M. Fromme, D. Kagan: Leistungsdroge Kokain.ISBN 3-407-55735-3.
  • Uwe E. Kemmesies, Bernd Werse: Zwischen Rausch und Realität. Drogenkonsum im bürgerlichen Milieu. VS Verlag, 2004, ISBN 3-531-14187-2.
  • Günter Amendt: Die Droge, der Staat, der Tod. Rowohlt, Reinbek 1996, ISBN 3-499-19942-4.
  • Günter Amendt: No Drugs. No Future. Drogen im Zeitalter der Globalisierung. Europa-Verlag, 2004, ISBN 3-203-75013-9.
  • Robert Lessmann: Kokapolitik und Drogenkontrolle. In: Ders.: Das neue Bolivien. Evo Morales und seine demokratische Revolution. Zürich 2010, ISBN 978-3-85869-403-4, S. 182–197.
  • Robert Lessmann: Zum Beispiel Kokain. Göttingen 2001, ISBN 3-88977-605-1.
  • Robert Lessmann: Drogenökonomie und internationale Politik. Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-89354-241-8.
  • Jan Lohse: Die Kokain-Industrie. Entwicklung, Globale Konsequenzen, Lösungsansätze. Vdm, 2006, ISBN 3-86550-166-4.
  • Peter Dale Scott, Jonathan Marshall: Cocaine Politics. Drugs, Armies, and the CIA in Central America. University of California Press, 1998, ISBN 0-520-21449-8.
  • Gary Webb: Dark Alliance: The CIA, the Contras, and the Crack Cocaine Explosion. Seven Stories Press, 1999, ISBN 1-888363-93-2.

Weblinks