Lautpoesie

Lautpoesie (auch akustische oder phonetische Poesie bzw. Dichtung) ist eine Gattung der modernen Lyrik, die auf sprachlichen Sinn ganz oder zu einem erheblichen Teil verzichtet. Analog zur abstrakten Malerei versucht die Lautpoesie, die Sprache nicht in abbildender beziehungsweise inhaltlich-bezeichnender Funktion, sondern rein formal als Lautmaterial anzuwenden. Die Lyrik nähert sich dadurch konsequent − in dem Maße, in dem Semantik verschwindet und der Klang in den Vordergrund tritt − stark der Musik an.



Geschichte




Vorläufer der Lautpoesie lassen sich schon in der Literatur der römischen Antike, des Mittelalters und dann vor allem des Barocks (z.B. Johann Klaj, s.u.) finden. Allen diesen Vorläufern ist jedoch gemein, dass sie den sprachlichen Klang gegen den nach wie vor erkennbaren Wortsinn entweder ausspielen (um so parodistische oder rein komische Effekte zu erzeugen), oder dass sie vereinzelte Stilübungen sind (gerade in der Literatur des späten Mittelalters), in denen ein Dichter anhand eines weitgehend sinnentleerten Musterstücks vorführt, wie virtuos er die formalen Register der Dichtung beherrscht.Radikalisiert wurden Ende des 19. Jahrhunderts diese Vorläufer durch den Symbolismus, dessen Dichter, sprachspielerisch und auf Wohlklang abzielend, nicht selten in ihren Gedichten zwar noch einen ahnbaren Wortsinn hinterließen, der jedoch häufig so hermetisch oder auch banal war, dass der manieristische Form- und Lautwert in den Vordergrund trat.Der Übergang zur eigentlichen Lautpoesie fand in der deutschen Literatur statt durch Christian Morgenstern – in Gedichten wie Das große Lalula, Lunovis (Das Mondschaf) oder Der Rabe Ralf (wobei Morgenstern mit Fisches Nachtgesang gleichzeitig auch schon eines der ersten Beispiele Konkreter Poesie verfasste). Dem folgten die Dichter des Dada, beispielsweise Hugo Ball mit Karawane, oder Johannes Theodor Baargeld mit Bimmelresonnanz II. Die bedeutendsten Lautgedichte dieser Zeit stammen von Raoul Hausmann und Kurt Schwitters, allen voran die Ursonate, die über mehrere Sätze hinweg aus keinem Wort, sondern nur aus Silben aufgebaut ist.Ende der 1950er Jahre begannen deutschsprachige Schriftsteller der zweiten Avantgarde solche Stilmittel wiederzuentdecken. Zu den wichtigsten Vertretern der Lautpoesie dieser Zeit gehörten Franz Mon, Gerhard Rühm, Oskar Pastior und Ernst Jandl.Außerhalb des deutschsprachigen Raumes formierte sich ab 1958 eine internationale Szene an experimentellen Lautpoeten, die sich zunehmend von der Verschriftlichung der vokalen Klänge lösen wollten. Ab 1964 gab der französische Dichter Henri Chopin das Schallplattenmagazins "revue OU" heraus, das vor allem den Innovatoren der elektronischen Lautpoesie gewidmet war. Außer Chopins radikalen Tonbandstücken kamen Poeten wie François Dufrêne, Bernard Heidsieck, Bob Cobbing, William S. Burroughs, Paul de Vree, Charles Amirkhanian und Raoul Hausmann zur Veröffentlichung....

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Geboren & Gestorben

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Gestorben: Bernard Heidsieck stirbt in Paris. Bernard Heidsieck war einer der ersten französischen Lautdichter. Er stand dem Beat, Fluxus und Minimalismus nahe.
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Gestorben: Sten Hanson stirbt in Stockholm. Sten Hanson war ein schwedischer Musiker, Lautdichter und Performancekünstler.
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Gestorben: Francesco Conz stirbt in Verona. Francesco Conz war ein Sammler und Verleger des Wiener Aktionismus, der Fluxusbewegung, der konkreten, Visuellen- und Lautpoesie.
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Gestorben: Henri Chopin stirbt in Dereham, Norfolk. Henri Chopin war ein französisch- englischer Vertreter der Konkreten Poesie, der Lautpoesie und ein Herausgeber.
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Gestorben: Jackson Mac Low stirbt in New York City. Jackson Mac Low war ein US-amerikanischer Lyriker, Komponist und Vertreter von Fluxus, Lautpoesie und Konkreter Poesie.

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