Ludwig IV. (HRR)

Ludwig IV. (bekannt als Ludwig der Bayer; * 1282 oder 1286 in München; † 11. Oktober 1347 in Puch bei Fürstenfeldbruck) aus dem Haus Wittelsbach war ab 1314 römisch-deutscher König und ab 1328 Kaiser im Heiligen Römischen Reich.

Nach dem Tod Kaiser Heinrichs VII. wurden im römisch-deutschen Reich im Jahre 1314 mit dem Wittelsbacher Ludwig und dem Habsburger Friedrich zwei Könige gewählt und gekrönt. Der Thronstreit dauerte mehrere Jahre an und fand in der Schlacht bei Mühldorf 1322 eine Vorentscheidung für die wittelsbachische Seite. Durch den Münchner Vertrag von 1325 wurde für kurze Zeit ein für das mittelalterliche Reich bislang völlig unbekanntes Doppelkönigtum festgelegt und der Thronstreit beigelegt. Ludwigs Eingreifen in Norditalien entfachte einen Konflikt mit dem Papsttum, der von 1323/24 bis zu seinem Tod 1347, fast seine gesamte Herrschaftszeit, andauerte. Der Wittelsbacher verfiel 1324 der Exkommunikation und blieb bis zu seinem Tod im Kirchenbann. Während des Konfliktes mit der Kurie entwickelte sich die Reichsverfassung in eine säkulare Richtung. Im Jahre 1328 fand eine „papstfreie“ Kaiserkrönung statt, indem Ludwig die Kaiserkrone vom römischen Volk empfing. Ludwig war der erste Wittelsbacher als römisch-deutscher Kaiser. Im 14. Jahrhundert wurde er von kurialen und papstnahen Quellen in gezielter Herabsetzung mit dem Beinamen „der Bayer“ (Bavarus) belegt. Seit den 1330er Jahren verfolgte Ludwig eine intensivere Hausmachtpolitik und erwarb mit Niederbayern und Tirol große Gebiete. Der Herrschaftsausbau gefährdete aber auch die Konsensherrschaft mit den Fürsten als wesentliches Herrschaftsmuster des 14. Jahrhunderts. Diese Spannungen im Gleichgewicht zwischen Fürsten und Kaiser führten 1346 zur Wahl Karls IV. als Gegenkönig. Ludwig starb 1347 im Kirchenbann.

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Politik & Weltgeschehen

1343

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Papst Clemens VI. leitet ein Verfahren gegen Ludwig den Bayern ein. Anklagepunkt: Begünstigung der Ketzerei
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Pierre Roger de Beaufort wird Papst Clemens VI. Wie seine beiden Vorgänger erkennt er Ludwig IV., den Bayer weder als König noch Kaiser an und belegt ihn mit dem Kirchenbann.
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Kaiser Ludwig IV. der Bayer verfügt in den Reichsgesetzen Fidem catholicam und Licet iuris, dass die Kaiserwahl allein aus der Wahl zum römisch-deutschen König abzuleiten sei. Es bedürfe keiner Zustimmung des Papstes.
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Jacques Fournier, der als Gutachter im Eckhart-Prozess tätig gewesen ist, wird Papst Benedikt XII. Er wird wie Johannes XXII. Ludwig den Bayern nicht als König anerkennen und in Avignon einen Papstpalast bauen lassen.
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Ludwig der Bayer schließt ein Bündnis mit Johann von Böhmen.

Geboren & Gestorben

Gestorben:
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Ludwig IV. (HRR) stirbt in Puch bei Fürstenfeldbruck. Ludwig IV. aus dem Haus Wittelsbach war ab 1314 römisch-deutscher König und ab 1328 Kaiser im Heiligen Römischen Reich.

1282

Geboren:
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Ludwig IV. (HRR) wird oder 1286 in München geboren. Ludwig IV. aus dem Haus Wittelsbach war ab 1314 römisch-deutscher König und ab 1328 Kaiser im Heiligen Römischen Reich.

Europa

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Ludwig IV., der Bayer gibt das Bündnis mit Eduard III. von England auf, wodurch es zu einem Bruch mit dem Kurverein von Rhense kommt und schließt einen Freundschaftsvertrag mit Philipp VI. von Frankreich, von dem er sich eine Vermittlung mit der Kurie in Avignon erhofft.

1337

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Ludwig der Bayer schließt ein Bündnis mit Eduard III. von England gegen Philipp VI. von Frankreich und Papst Benedikt XII.
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Kaiser Ludwig IV. schickt eine Gesandtschaft zum Papst. Seinem „Bündnisangebot“ ist kein Erfolg beschieden.

1325

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13. März: Ludwig IV. lässt Friedrich den Schönen frei und kommt mit ihm später überein, die Regierung des Reiches gemeinsam zu führen.
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Der römisch-deutsche Kaiser Heinrich VII. stirbt in Buonconvento. Johann von Böhmen wird sein Nachfolger als Graf von Luxemburg. Johann bemüht sich auch um die deutsche Königswürde. Sein Gegner ist Ludwig der Bayer. Im nächsten Jahr kommt es zu einer Doppelwahl.

Antike

1347

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Heiliges Römisches Reich: Nach dem Tode Ludwig des Bayern im Oktober ist Karl IV. definitiv deutscher König, zunächst ohne Gegenkönig.
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Heiliges Römisches Reich: Papst Clemens VI. verhängt nochmals Bann und Interdikt über Ludwig IV. mit den Worten: „Möge Ludwig in eine Fallgrube geraten, die er nicht sieht … Der Herr schlage ihn mit Wahnsinn, Blindheit und Raserei … Die Erde öffne sich und verschlinge ihn lebendig.“

1346

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Heiliges Römisches Reich: Ludwig der Bayer bereitet sich mit der Unterstützung der deutschen Städte auf die Verteidigung seiner Ansprüche vor.
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Heiliges Römisches Reich: In der Schlacht bei Mühldorf (die als letzte Ritterschlacht ohne Feuerwaffen gilt) gelingt es Ludwig dem Bayern, Friedrich den Schönen gefangen zu nehmen. Gegen Thronverzicht wird dieser freigelassen.
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Heiliges Römisches Reich: Friedrich der Schöne aus dem Hause Habsburg wird im Münster zu Bonn von der Minderheit der Kurfürsten zum König gewählt. Am 20. Oktober wird von der Mehrheit Ludwig der Bayer gewählt. Da das Mehrheitsprinzip noch nicht gilt, und für den am 20. April verstorbenen Papst Clemens V., der das letzte Wort gehabt hätte, noch kein Nachfolger gewählt worden ist, werden beide gekrönt.

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