Luftangriff bei Kunduz

Beim Luftangriff bei Kundus (auch: Kunduz) am 4. September 2009 gegen 2:00 Uhr Ortszeit wurden etwa fünfzehn Kilometer südlich der Stadt Kundus im Norden Afghanistans zwei von Taliban entführte Tanklastwagen und die sich in nächster Nähe befindlichen Menschen bombardiert. Georg Klein, damals Oberst einer bei Kundus stationierten Bundeswehreinheit, forderte den Bombenabwurf mit teilweise unwissentlich falschen Angaben an; er wurde von zwei US-amerikanischen Flugzeugen ausgeführt.

Durch den Angriff wurden wahrscheinlich (die Opferzahlen variieren je nach Quelle) um die 100 Menschen, darunter auch Kinder, getötet oder verletzt, was die bisher mit Abstand größte Zahl von Opfern bei einem Einsatz sowohl in der Geschichte der Bundeswehr als auch durch Kräfte der ISAF bedeutet. Der Angriff und die folgenden Reaktionen der Bundeswehrführung wurden sowohl aus dem Inland wie aus dem Ausland stark kritisiert. Als deutlich wurde, dass der damalige Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung Parlament und Öffentlichkeit verspätet, unvollständig oder falsch über die Tötung von Zivilisten informiert hatte, trat er am 27. November 2009 als Bundesarbeitsminister zurück. Sein Nachfolger als Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte am Vortag den Generalinspekteur der Bundeswehr Wolfgang Schneiderhan und den Staatssekretär Peter Wichert mit der Begründung, sie hätten ihm Informationen zu dem Angriff vorenthalten, ihrer Ämter enthoben. Seit dem 21. Januar 2010 versuchte der Verteidigungsausschuss, die Vorgänge als parlamentarischer Untersuchungsausschuss aufzuklären. Der Abschlussbericht wurde am 25. Oktober 2011 dem Deutschen Bundestag vorgelegt und am 1. Dezember 2011 im Plenum abschließend debattiert. Am 19. April 2010 gab die Bundesanwaltschaft bekannt, dass sie das Ermittlungsverfahren wegen des Luftangriffs eingestellt habe, weil weder die Vorschriften des Völkerstrafgesetzbuches noch die Bestimmungen des Strafgesetzbuches verletzt worden seien. Die Klage eines der beiden Lastwagenfahrer, der die Feststellung der Rechtswidrigkeit des Befehls von Oberst Klein begehrt hatte, wurde vom Verwaltungsgericht Köln abgewiesen.

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Geboren & Gestorben

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Geboren: Georg Klein (Offizier) wird in Bendorf geboren. Georg Klein ist ein deutscher Offizier der Bundeswehr im Dienstgrad Brigadegeneral. Klein wurde einer breiten Öffentlichkeit als Befehlshaber des Luftangriffs bei Kunduz im Jahr 2009 bekannt, beim dem im Rahmen der Bombardierung eines Tanklastzuges dutzende Zivilisten und Taliban starben. Zu dieser Zeit war er Oberst und kommandierte das Feldlager Kunduz in Afghanistan.

1957

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Geboren: Karim Popal wird geboren. Karim Popal ist ein aus Afghanistan stammender Rechtsanwalt in Bremen. Er wurde bekannt, weil er die Opfer des von der Bundeswehr befohlenen Luftangriffs von Kundus vertritt.

Politik & Weltgeschehen

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Bei einem von der deutschen Bundeswehr angeordneten Luftangriff bei Kunduz in Afghanistan auf zwei von Taliban entführte Tanklastzüge sterben bis zu 142 Menschen, darunter auch Zivilisten. In der Folge kommt es zu einer politischen Affäre in Deutschland.

Tagesgeschehen

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Berlin/Deutschland: Im Zuge der Affäre um den Bundeswehrangriff auf zwei Tanklastzüge bei Kunduz tritt Bundesarbeitsminister Franz Josef Jung (CDU) von seinem Amt zurück. Zum Zeitpunkt des Angriffs war Jung noch Bundesverteidigungsminister gewesen Nach seinem Rücktritt steht mit Ursula von der Leyen eine Nachfolgerin fest, die von Kristina Köhler abgelöst wird
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Berlin/Deutschland: Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, wird von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg von seinen Aufgaben entbunden. Er reagiert damit auf die Vorwürfe, dass das Verteidigungsministerium Informationen über zivile Opfer bei dem Luftangriff auf zwei Tanklastwagen bei Kunduz verheimlicht habe. Staatssekretär Peter Wichert wird ebenfalls vom Dienst entbunden

Kunst & Kultur

2013

Kunst und TV-Dokumentationen:
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"Eine mörderische Entscheidung" NDR, Erstausstrahlung im August

2010

Kunst und TV-Dokumentationen:
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Tim Trantenroth, Der Kunduz-Zyklus , neun 30x40cm-große Ölgemälde

Erfolge, Titel, Orden & Ehrungen

2011

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Ehrung: erhielt Fichtner zusammen mit zehn weiteren Redakteuren des Spiegel den Henri Nannen Preis in der Kategorie "Besonders verständliche Berichterstattung (beste Dokumentation)" für das Stück „Ein deutsches Verbrechen“ über den Luftangriff bei Kunduz. (Ullrich Fichtner)

2011

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Auszeichnungen: erhielt Gutsch zusammen mit zehn weiteren Redakteuren des Spiegel den Henri-Nannen-Preis in der Kategorie "Besonders verständliche Berichterstattung (beste Dokumentation)" für das Stück „Ein deutsches Verbrechen“ über den Luftangriff bei Kunduz. (Jochen-Martin Gutsch)

2011

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Ehrung: erhielt Feldenkirchen zusammen mit zehn weiteren Redakteuren des Spiegel den Henri Nannen Preis in der Kategorie "Besonders verständliche Berichterstattung (beste Dokumentation)" für das Stück „Ein deutsches Verbrechen“ über den Luftangriff bei Kunduz. (Markus Feldenkirchen)

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