Manhattan-Projekt

Das Manhattan-Projekt (nach der Tarnbezeichnung Manhattan Engineer District) war ein militärisches Forschungsprojekt, in dem ab 1942 alle Tätigkeiten der Vereinigten Staaten während des Zweiten Weltkrieges zur Entwicklung und zum Bau einer Atombombe unter der militärischen Leitung von General Leslie R. Groves ausgeführt wurden. Die Forschungsarbeiten im Rahmen des Manhattan-Projekts wurden von dem Physiker J. Robert Oppenheimer geleitet. Mehr als 150.000 Menschen arbeiteten unter höchster Geheimhaltung, direkt oder indirekt für das Projekt. Bis Ende 1945 beliefen sich die Kosten auf 1,9 Mrd. US-Dollar. Britische und kanadische Wissenschaftler, die unter dem Codenamen Tube Alloys ein eigenes Kernwaffenprojekt verfolgten, kooperierten ab 1943 (Vereinbarung von Quebec) mit den US-Forschern.

Vergleichbare Forschungsanstrengungen wurden in der Sowjetunion von Igor Kurtschatow innerhalb des sowjetischen Atombombenprojektes unternommen. In Deutschland arbeitete eine Gruppe von Physikern um Werner Heisenberg im Uranprojekt an der militärischen Nutzbarmachung der am 17. Dezember 1938 von Otto Hahn und Fritz Straßmann entdeckten Kernspaltung des Urans. Das japanische Nuklearwaffenprogramm unter der Leitung von Yoshio Nishina kam seinem Ziel während des Krieges deutlich näher als das deutsche. Dazu zählt der Bau eines lauffähigen Atomkraftwerks in Tokio. Dieses Kraftwerk wurde allerdings 1945 kurz vor der geplanten Inbetriebnahme bei einem Luftangriff zerstört.



Geschichte




In den Jahren zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg stieg in den Vereinigten Staaten die wissenschaftliche Überlegenheit auf dem Gebiet der Kernphysik. Dazu trugen neben amerikanischen Physikern auch die Arbeiten von europäischen Immigranten bei. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges entwickelten sie mit dem Zyklotron, dem Van-de-Graaff-Beschleuniger und der künstlichen Herstellung von Radioisotopen die Grundlagen der Nuklearphysik.Einer der wichtigsten Wissenschaftler, Enrico Fermi, erinnert sich an die Anfänge des Projektes in einer Rede, die er 1954 hielt:Die geflüchteten ungarischen Wissenschaftler Leó Szilárd, Edward Teller und Eugene Wigner waren der Ansicht, dass die Kernspaltung von den Deutschen zum Bau von Bomben genutzt werden könnte. Sie überzeugten deshalb Deutschlands bekanntesten Physiker, Albert Einstein, US-Präsident Franklin D. Roosevelt in einem Brief zu warnen. Angesichts der Geheimdienstberichte um die deutschen Anstrengungen und eventuell auch aufgrund Einsteins Schreiben vom 2. August 1939 wurde beschlossen, die Entwicklung einer Atombombe zu forcieren.Unter der Aufsicht von Lyman Briggs, dem Leiter des National Bureau of Standards, begann 1939 am Naval Research Laboratory in Washington ein kleines Forschungsprogramm. Der Physiker Philip Abelson arbeitete dort an der Isotopentrennung von Uran. Aus ersten Forschungsgeldern in Höhe von 6000 US-Dollar baute der italienische Kernphysiker Enrico Fermi an der Columbia University den Prototyp eines Kernreaktors, zu dem er verschiedene Kombinationen von Graphit und Uran einsetzte.Erst 1940 wurde auf Initiative von Vannevar Bush, dem Direktor der Carnegie Institution of Washington, begonnen, die wissenschaftlichen Ressourcen der Vereinigten Staaten zur Unterstützung der Kriegsanstrengungen zu bündeln. Es entstanden neue Laboratorien, darunter das Strahlungslabor am Massachusetts Institute of Technology, das bei der Entwicklung des Radars eine bedeutende Rolle spielte, und das Unterwasser-Tonlabor in San Diego, an dem das Sonar weiterentwickelt wurde.Das nationale Gremium zur Verteidigungsforschung (National Defense Research Council) übernahm das Uranprojekt, wie Briggs' Forschungsprogramm bis dahin genannt wurde. 1940 schufen Bush und Roosevelt das Büro für wissenschaftliche Forschung und Entwicklung (Office of Scientific Research and Development), um die Forschung zu forcieren.

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Geboren & Gestorben

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Gestorben: Joan Hinton stirbt. Joan Chase Hinton war eine US-amerikanische Kernphysikerin und eine der wenigen Frauen, die am Manhattan-Projekt in Los Alamos mitarbeitete. Unter anderem war sie am Bau der ersten Kernreaktoren unter Leitung von Enrico Fermi beteiligt und war Augenzeugin des Trinity Test. Nach dem militärischen Einsatz der Atombombe in Japan wurde sie eine entschiedene Gegnerin der Kernwaffen. Ab 1949 lebte sie als überzeugte Maoistin in der Volksrepublik China, wo sie und ihr Ehemann Erwin Engst in der sozialistischen Landwirtschaft Chinas arbeiteten. Dort entwickelte sie auch landwirtschaftliche Maschinen wie eine automatische Melkmaschine. Sie lebte auf einer Farm nördlich von Peking bis zu ihrem Tod am 8. Juni 2010.
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Gestorben: Theodore Alvin Hall stirbt in Cambridge. Theodore Alvin Hall war Physiker und Mitarbeiter am Manhattan-Projekt in Los Alamos (New Mexico) zur Entwicklung der ersten Atombombe in den USA. Er wurde erst 1995 als Informant und Spion für die Sowjetunion enttarnt.
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Gestorben: Pawel Anatoljewitsch Sudoplatow stirbt. Pawel Anatoljewitsch Sudoplatow, war ein hochrangiger Mitarbeiter des sowjetischen Geheimdienstes NKWD, bei dem er zuletzt den Rang eines Generalleutnants innehatte. Zu den Operationen, an denen er beteiligt war, gehören unter anderem die Morde an Leo Trotzki und den ukrainischen Nationalisten Jewhen Konowalez und Roman Schuchewytsch sowie die Beschaffung von Informationen über das Atomprogramm der USA, das Manhattan Project.
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Gestorben: Emilio Segrè stirbt in Lafayette, Kalifornien. Emilio Gino Segrè war ein amerikanischer Physiker italienischer Herkunft. Segrè gelang 1937 der erste unumstrittene Nachweis des Elements Technetium und er arbeitete im Zweiten Weltkrieg am Manhattan-Projekt zur Entwicklung der Atombombe in Los Alamos mit. Er erhielt 1959 zusammen mit Owen Chamberlain den Physik-Nobelpreis „für ihre Entdeckung des Antiprotons“.
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Gestorben: Henry De Wolf Smyth stirbt. Henry De Wolf Smyth war ein US-amerikanischer Physiker, Diplomat und Verwaltungsfachmann, der einige wichtige Aufgaben in der frühen Entwicklung der Kernenergie wahrnahm. Im Wesentlichen dürfte er als Verfasser und Herausgeber des nach ihm benannten und am 12. August 1945 veröffentlichten Smyth-Reports bekannt geworden sein. In diesem offiziellen, auf Anregung von Leslie R. Groves entstandenen, Regierungsbericht wurde erstmals die Geschichte von Entwicklung und Produktion der ersten im Rahmen des Manhattan-Projektes entstandenen Kernwaffen dargestellt, Der Bericht erschien bis 1948 allein bei Princeton University Press in acht Auflagen, die Erstauflage von 60.000 Exemplaren war innerhalb eines Tages ausverkauft.

Bemerkenswertes

Exponierte Ereignisse:
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Im Rahmen des Manhattan-Projekts gelingt unter der Leitung des Physikers Enrico Fermi im Kernreaktor Chicago Pile 1 die erste kontrollierte kritische Kernspaltungs-Kettenreaktion.

Wissenschaft & Technik

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Der amerikanische Präsident Harry S. Truman gibt die Veröffentlichung des Smyth-Reports frei, die Geschichte der Entwicklung der amerikanischen Kernwaffen (Manhattan-Projekt).

1945

Ereignisse > Wissenschaft und Technik:
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Der US-amerikanische Präsident Harry S. Truman gibt den Smyth-Report zur Veröffentlichung frei, die Geschichte der Entwicklung der amerikanischen Kernwaffen . (11. August)

Europa

1950

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1. März: In London wird Klaus Fuchs, vormals am Manhattan-Projekt beteiligt, wegen Geheimnisverrat an die Sowjetunion verurteilt.

Politik & Weltgeschehen

Ereignisse > Politik und Weltgeschehen:
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In London wird Klaus Fuchs, vormals am Manhattan-Projekt beteiligt, wegen Geheimnisverrat an die Sowjetunion verurteilt. Das Strafmaß wird am nächsten Tag mit 14 Jahren festgelegt. (1. März)
Weitere Ereignisse weltweit:
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In der Wüste von New Mexico (USA) wird im Rahmen des Manhattan-Projekts mit dem „Trinity“-Atombombentest erstmals eine Atombombe gezündet.

Rundfunk, Film & Fernsehen

1989

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Film: Die Schattenmacher (Originaltitel: Fat Man and Little Boy) ist ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 1989 von Roland Joffé, das die geheime Entwicklung der ersten Atombomben durch die Alliierten im Rahmen des Manhattan-Projekts in Los Alamos nacherzählt. Der Film kulminiert im Trinity-Test, der ersten Kernwaffenexplosion.

Stab:
Regie: Roland Joffé
Drehbuch: Roland Joffé, Bruce Robinson
Produktion: Tony Garnett
Musik: Ennio Morricone
Kamera: Vilmos Zsigmond
Schnitt: Françoise Bonnot

Besetzung: Paul Newman, Dwight Schultz, Bonnie Bedelia, John Cusack, Laura Dern, Ron Frazier, John C. McGinley, Natasha Richardson, James Eckhouse, Ed Lauter

"Manhattan-Projekt" in den Nachrichten

Weiterführende Informationen

Literatur

  • Stephane Groueff: Projekt ohne Gnade – das Abenteuer der amerikanischen Atomindustrie. Bertelsmann, Gütersloh 1968.
  • Leslie R. Groves: Now it can be told – The story of the Manhattan Project. Introduction by Edward Teller. Da Capo Press, New York 1962, 1983. ISBN 0-306-80189-2.
  • Ruth H. Howes; Caroline L. Herzenberg: Their Day in the Sun: Women of the Manhattan Project. Temple University Press, Philadelphia, Pennsylvania 1999.
  • Robert Jungk: Heller als tausend Sonnen. Das Schicksal der Atomforscher. Scherz & Goverts, Stuttgart 1956, Rowohlt, Reinbek 1986, ISBN 3-499-16629-1.
  • William L. Laurence: Die Geschichte der Atombombe: Dämmerung über Punkt Null. List, München 1952.
  • Robert S. Norris: Racing for the bomb. General Leslie R. Groves, The Manhattan projects indispensable men. Steerforth Press, South Royalton 2002, ISBN 1-58642-039-9.
  • Richard Rhodes: Die Atombombe oder Die Geschichte des 8. Schöpfungstages. Greno, Nördlingen, 1988; Volk und Welt, Berlin, 1990, ISBN 3-353-00717-2.
  • Cay Rademacher: Angriff auf Asien-Hiroshima Geo Epoche (Ausgabe Nr. 17) 04/05 Kriegsende 1945-Finale des Weltenbrandes S. 112–130.

Weblinks