Memelland

Als Memelland oder Memelgebiet (litauischKlaipėdos kraštas) wird im deutschen Sprachraum jener in der Zwischenkriegszeit von Deutschland abgetrennte Landesteil Ostpreußens bezeichnet, der nördlich der Memel bzw. ihres Deltaarms Skierwieth (Skirvytė) gelegen ist, sowie der entsprechende Teil der Kurischen Nehrung.

Das Memelland wurde nach Artikel 99 des Versailler Vertrags von 1919 ohne Volksabstimmung mit Wirkung 10. Januar 1920 an die alliierten Mächte abgetreten. Von Anfang 1920 bis Anfang 1923 wurde es von Frankreich als deren Vertreter verwaltet.



Geschichte




Vor der Zugehörigkeit des späteren Memellandes zu einem Staat waren die baltischen Stämme der Schalauer, Kuren und Karschauer dort sesshaft. Die Kuren (der Name bedeutet „schnell zur See“) galten als die versiertesten Seefahrer der Ostsee und werden in den Island-Sagas erwähnt. Dänische Überlieferungen bezeugen, dass sie als Piraten gefürchtet waren. Es gab jedoch auch Handels- und Heiratsbeziehungen der Schalauer mit Dänemark. Die Schalauerburg Ruß an der Memel galt als Ausgangspunkt dieser Beziehungen. Darüber hinaus gab es Beziehungen zu den übrigen Balten im Norden und Osten und zu den Slawen im Süden.Nach der Eroberung durch den Schwertbrüderorden ab 1200 und dem Bau der Festung Memelburg bzw. der Stadt Memel ab 1250 durch den Deutschen Orden wurde das Memelland ab 1328 dem Ordensstaat zugeteilt. Im Vertrag von Melnosee erfolgte 1422 eine Grenzziehung zu Litauen, die 500 Jahre Bestand hatte. Sie war nach der Pyrenäengrenze die älteste in Europa.In der Eroberungszeit war die einheimische Bevölkerung aus den Randgebieten des damaligen Preußens dezimiert und teilweise in besser kontrollierbare Gebiete umgesiedelt worden. Als der Zustrom von Siedlern aus Deutschland wegen dortiger Bevölkerungsverluste durch die Pest versiegte, wurden Ende des 15. Jahrhunderts und im 16. Jahrhundert Siedler aus Litauen in den Nordosten Preußens beiderseits der Memel und nördlich des Kurischen Haffs geholt.Nach der Reformation wurde das Deutschordensland 1525 zum protestantischen Herzogtum Preußen, das seit 1618 in Personalunion von den Kurfürsten von Brandenburg regiert wurde. 1701 erhob Kurfürst Friedrich III. es zum „Königreich Preußen“ und sich selbst zum König. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Königreich zur namensgebenden Provinz des brandenburgisch-preußischen Staates. Sie befand sich, nun „Ostpreußen“ genannt, bis 1871, abgesehen von der Zeit der Frankfurter Nationalversammlung 1848–1851, außerhalb der Grenzen des Heiligen Römischen Reiches bzw. des Deutschen Bundes. Mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs wurde Ostpreußen zum nördlichsten Territorium Deutschlands. Die Grenze zwischen dem ostpreußischen Landesteil um die Memel und Litauen, das ab dem 16. Jahrhundert unter polnischer, ab 1795 unter russischer Herrschaft stand, blieb von 1422 bis 1920 weitgehend unverändert.

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Geboren & Gestorben

1962

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Gestorben: Dominique Odry stirbt. Dominique-Joseph Odry war ein französischer Divisionsgeneral und Oberkommissar des Memellandes (1920–1921).
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Geboren: Horst Zwengel wird in Clausmühlen/Memelland geboren. Horst Zwengel ist ein Hamburger Politiker (Partei Rechtsstaatlicher Offensive, Pro DM).
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Geboren: Oskar Brüsewitz wird in Willkischken, Memelland geboren. Oskar Brüsewitz war ein evangelischer Pfarrer, der mit seiner öffentlichen Selbstverbrennung 1976 in Zeitz bedeutsamen Einfluss auf die Kirche und spätere Opposition in der DDR nahm.
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Geboren: Mascha Rolnikaitė wird in Klaipėda, Memelland geboren. Mascha Rolnikaitė (jiddisch: Mascha Rolnik; russisch: Marija Grigorjewna Rolnikaitė) ist eine litauische Buchautorin und Holocaust-Überlebende. Ihr Tagebuch Ich muss erzählen erschien in verschiedenen Sprachen.
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Gestorben: Wilhelm von Schlenther stirbt auf Gut Baubeln, Landkreis Pogegen, Memelland, Ostpreußen. Johann August Wilhelm Schlenther, ab 1913 von Schlenther war Gutsbesitzer, königlich preußischer Landrat und Politiker.

Europa

1939

Europa vor dem Krieg:
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22. März: Litauen tritt das Memelland an Deutschland ab.

Politik & Weltgeschehen

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Ereignisse > Politik und Weltgeschehen: Auf massiven Druck der Nationalsozialisten tritt Litauen das Memelland an das Deutsche Reich ab. Truppen der deutschen Wehrmacht besetzen am gleichen Tag die Hauptstadt Memel. (22. März)

1939

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Politik > Landesdirektoren: Sziegaud, Herbert Böttcher, Monien

1939

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Politik > Landespräsidenten: Wilhelm Bartuleit, litauisiert Vilius Bartulaitas

1939

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Zweiter Weltkrieg > Sowjetische Besatzung: ?Memelland: nach dem Vertrag von Versailles unter die Verwaltung des Völkerbundes gestellt; durch Litauen im Januar 1923 annektiert; Anschluss an das Deutsche Reich nach einem Ultimatum, 22. März (Geschichte Litauens)

1934

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Politik > Landespräsidenten: Martin Reisgys, litauisiert Martinas Reizgys

Arbeit, Werdegang, Werke & Leben

1989

Werk > Film:
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Memelland“ (Ulla Lachauer)

1936

Werk:
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Ullmann, Richard und Pregel, Reinhold: Die Memelfrage heute. Berlin (Richard Karl Ullmann)

1928

Werk:
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Gnadenwunder: Geschichte der Ersten Ostpreussischen Baptistengemeinde in Memel und ihrer Missionsfelder in Ostpreussen und Russland. 1841-, Memel (Otto Ekelmann)

"Memelland" in den Nachrichten