Mithraismus

Der Mithraismus oder Mithraskult war ein seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. im ganzen Römischen Reich verbreiteter Mysterienkult, in dessen Zentrum die Gestalt des Mithras stand. Ob diese Gestalt mit dem iranischen Gott oder Heros Mithra identifiziert oder aus ihr abgeleitet werden kann, wie bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts noch allgemein angenommen wurde, ist ungewiss, denn der römische Mithraskult weist in seiner Mythologie und religiösen Praxis deutliche Unterschiede zur indisch-iranischen Mithra-Verehrung auf. Somit ist heute umstritten, ob sich der römische Mithraskult aus einer Seitenströmung des Zarathustrismus oder eigenständig entwickelt hat.

Während die Göttergestalt Mithra in Kleinasien seit dem 14. Jahrhundert v. Chr. belegt ist, wird der römische Mithraismus erstmals vom römischen Dichter Statius († 96) erwähnt. Die ältesten Mithräen stammen aus der Mitte des 2. Jahrhunderts, die spätesten aus der Mitte des 5. Jahrhunderts. Seinen Höhepunkt erreichte der Kult Ende des 2. Jahrhunderts und im 3. Jahrhundert, nachdem sich Kaiser Commodus (180–192) ihm angeschlossen hatte. Die Verbindung zum Sonnengott Sol wurde dabei im Laufe der Zeit immer enger, bis Mithras und Sol schließlich oft verschmolzen. Als Sol Invictus Mithras wurde der Gott so besonders seit Aurelian von zahlreichen Kaisern verehrt, so auch noch vom jungen Konstantin I. (306–337). Mit der Durchsetzung des Christentums im Römischen Reich verschwand der Mithraismus jedoch innerhalb weniger Generationen und geriet in fast vollständige Vergessenheit, bis er in der Neuzeit durch archäologische Funde wiederentdeckt wurde.

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Geboren & Gestorben

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Gestorben: Ingeborg Huld-Zetsche stirbt in Oberursel. Ingeborg Huld-Zetsche war eine deutsche Provinzialrömische Archäologin. Sie war langjährige Kustodin der römischen Abteilung im Archäologischen Museum Frankfurt. Schwerpunkte ihrer Forschung waren die römische Keramik, die Römerstadt Nida-Heddernheim und der Mithraskult.
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Gestorben: Franz Cumont stirbt in Woluwe-Saint-Pierre bei Brüssel. Franz-Valéry-Marie Cumont war ein belgischer Klassischer Archäologe und Religionshistoriker, Philologe und Epigraphiker, der diese Spezialdisziplinen für die Erforschung der synkretistischen Mysterienreligionen der Spätantike, vor allem des Mithraskultes, vereinte.
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Geboren: Ingeborg Huld-Zetsche wird in Berlin geboren. Ingeborg Huld-Zetsche ist eine deutsche Provinzialrömische Archäologin. Bis zu ihrem Ruhestand war sie langjährige Kustodin der römischen Abteilung im Archäologischen Museum Frankfurt. Schwerpunkte ihrer Forschung sind die römische Keramik, die Römerstadt Nida-Heddernheim und der Mithraskult.
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Geboren: Franz Cumont wird in Aalst, Belgien geboren. Franz-Valéry-Marie Cumont war ein belgischer Klassischer Archäologe und Religionshistoriker, Philologe und Epigraphiker, der diese oft isolierten Spezialdisziplinen für die Erforschung der synkretistischen Mysterienreligionen der Spätantike, vor allem des Mithraskultes, vereinte.

Religion

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Kaiser Aurelian weiht in Rom einen Tempel des Sol. Drei Tage nach der Sonnenwende feiern die Römer das Fest des „unbesiegten Sonnengotts“. Der Sonnenkult sowie der ähnliche Mithraismus sind im Römischen Reich weit verbreitet.

Ereignisse

321 n. Chr.

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7. März: Kaiser Konstantin der Große bestimmt den Sonntag, den heiligen Tag des Christentums und des Mithraskultes, zum gesetzlichen Ruhetag im Römischen Reich. Einzig landwirtschaftliche Arbeiten bleiben sonntags erlaubt. Das Dekret tritt am 3. Juli in Kraft.

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