Monophysitismus

Der Monophysitismus (von altgriechischμόνοςmonos ‚einzig‘ und φύσιςphysisNatur‘) oder Miaphysitismus (von μίαmia ‚eine‘) ist die christologische Lehre, dass Jesus Christus nach der Vereinigung des Göttlichen und Menschlichen in der Inkarnation nur eine einzige, göttliche Natur habe. Dies steht im Gegensatz zur Zweinaturenlehre, nach der göttliche und menschliche Natur Christi „unvermischt und ungetrennt“ nebeneinander stehen. Auf dem Konzil von Chalcedon 451 wurde die Zweinaturenlehre angenommen und der Monophysitismus verworfen, allerdings in einigen orientalisch-orthodoxen Kirchen weiterhin vertreten.

Die Antichalcedonier selbst wenden sich von jeher gegen die Benennung als „Monophysiten“, die in den Quellen ohnehin erst im 7. Jahrhundert erscheint (und zudem meist in verunglimpfender Absicht), und bevorzugen die Bezeichnung Miaphysiten. Die griechische Wurzel mia bedeutet eins. Dieses Wort betont eher die Einheit als die Einzahl und reflektiert besser die Position, dass in Christus das Göttliche und das Menschliche eine Natur bilden, vereint „ohne Vermischung, ohne Trennung, ohne Durcheinander und ohne Wechsel“, wie eine seit der Spätantike übliche theologische Formel lautet. In ihrer eigenen Wahrnehmung lehnen die Mono- bzw. Miaphysiten die Zweinaturenlehre also nicht prinzipiell ab und gehen durchaus davon aus, Jesus Christus sei Gott und Mensch gewesen – sie nehmen dabei allerdings an, dass sich die beiden Naturen Christi vermischt hätten, wobei die göttliche dominiert habe.

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Ereignisse

564 n. Chr.

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Jakob Baradai, Begründer der monophysitischensyrisch-orthodoxen Kirche weiht Paulos zum Patriarchen von Antiochia.

482 n. Chr.

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Der oströmische Kaiser Zenon erlässt das Henotikon, ein Edikt, das die Streitigkeiten zwischen Orthodoxen und Monophysiten beilegen soll. Wenig später wird es allerdings Anlass für das akakianische Schisma.

Geboren & Gestorben

845 n. Chr.

Gestorben:
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Dionysius von Tell Mahre stirbt. Dionysius von Tell Mahre bzw. Dionysius Telmaharensis war von 818 an monophysitischerPatriarch der Syrisch-Jakobitischen Kirche und ein Chronist der östlichen Christenheit.

773 n. Chr.

Geboren:
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Dionysius von Tell Mahre wird geboren. Dionysius von Tell Mahre bzw. Dionysius Telmaharensis war von 818 an monophysitischerPatriarch der Syrisch-Jakobitischen Kirche und ein Chronist der östlichen Christenheit.

Politik & Weltgeschehen

543 n. Chr.

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(um): Das christliche (monophysitische) Königreich Makuria im Sudan wird begründet. Es existiert bis 1314.

537 n. Chr.

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29. März: Der oströmische Kaiser Justinian I. setzt Vigilius als Gegenpapst gegen den ostgotenfreundlichen Papst Silverius ein; er erhofft sich von diesem die Anerkennung der monophysitischen Lehre.

519 n. Chr.

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Justin I., oströmischer Kaiser, schließt Frieden mit Papst Hormisdas, indem er dessen Formel (Glaubensbekenntnis) übernimmt, das gegen die Monophysiten gerichtet ist; Ende des akakianischen Schismas.

513 n. Chr.

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Im Oströmischen Reich bricht der Aufstand des Heermeisters Vitalian gegen Kaiser Anastasios I. aus. Das Volk ist mit der zunehmend dem Monophysitismus zugeneigen Religionspolitik des Kaisers unzufrieden.

512 n. Chr.

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Politik & Religion: Der oströmische Kaiser Anastasios I. führt eine zunehmend monophysitische Religionspolitik durch. Der Patriarch von Antiochia, Flavius II., wird mit Unterstützung des Theologen Philoxenos von Mabbug abgesetzt und durch Severus ersetzt.

Religion

571 n. Chr.

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Nachdem der Patriarch von Konstantinopel, Johannes Scholastikos, versucht hat, Chalkedonenser und Monophysiten miteinander zu versöhnen, lehnen die Monophysiten erneut die Beschlüsse des Konzils von Chalkedon ab.

544 n. Chr.

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Kaiser Justinian I. zitiert Papst Vigilius nach Konstantinopel, um diesen für seine monophysiten-freundliche Politik zu gewinnen. Justinians Ziel ist dabei insbesondere die Verurteilung der drei Theologen Ibas von Edessa, Theodoret von Kyrrhos und Theodor von Mopsuestia (siehe: Dreikapitelstreit).

540 n. Chr.

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Papst Vigilius spricht sich in Briefen an Kaiser Justinian und den Patriarchen von Konstantinopel, Mennas, vehement gegen die monophysitische Lehre aus.

536 n. Chr.

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Vor 13. März: Während seines Aufenthalts in Konstantinopel gelingt es Papst Agapitus I., Kaiser Justinian I. gegen den monophysitischen Patriarchen der Stadt, Anthimus I., einzunehmen, der abgesetzt und durch Menas ersetzt wird.

535 n. Chr.

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Neuer Patriarch von Konstantinopel nach dem Tod von Epiphanios am 5. Juni wird Anthimos I., ein Monophysit, der von Kaiserin Theodora unterstützt, aber vom katholischen Klerus abgelehnt wird.

"Monophysitismus" in den Nachrichten