Murmelfell

Als Murmelfell wird das Fell der Murmeltiere bezeichnet. Dieser Artikel behandelt das Murmeltierfell im Zusammenhang mit dem Rauchwarenhandel und der Verarbeitung zu Pelzen. Außer dem Fell wurde vor allem in der Vergangenheit auch das Fett und das Fleisch genutzt.

Murmeltiere sind über Europa, Nordamerika und Asien verbreitet, sie unterscheiden sich in typischen Merkmalen je nach Lebensraum. Die in den Handel kommenden Felle stammen zum allergrößten Teil vom Steppenmurmel.



Geschichte




2006 fanden russische zusammen mit deutschen Archäologen bei Ausgrabungen im Altaj (Mongolei) die Eismumie eines Skythenkriegers aus der Pazyrik-Kultur (5.-3. Jh.). Den „blonden Prinzen“ aus den Bergen wärmte ein prächtiger Pelzmantel aus Fehfell, Zobelfell und Murmel. Die Felle waren blau und rot gefärbt mit indischem Indigo und wohl aus Persien importiertem Kermes. Vom Altaj kamen auch in der Neuzeit noch die besten mongolischen Murmelfellqualitäten.Auch Marco Polo erwähnt im 13. Jahrhundert die Murmeltierjagd durch die Mongolen. Bereits im frühen Mittelalter sollen Murmelfelle von Polen nach Deutschland gekommen sein. Jedoch erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde es für lange Zeit zu einem Massenartikel der Rauchwarenwirtschaft.Der deutsche Naturwissenschaftler Georg Wilhelm Steller bereiste mit der „Großen Russischen Expedition“ zur Erforschung Sibiriens von 1741 bis 1744 die Halbinsel Kamtschatka. In seiner „Beschreibung von dem Lande Kamtschatka“ schreibt er, „daß die ‚Tapargannen oder Murmelthiere‘ auf der kleinen Insel Lopatka an der Südspitze Kamtschatkas sowie am Tigil-Fluss im Innern der Halbinsel vorkommen, die Bewohner sich aber nicht besonders um ihren Fang bemühen; sie schätzen mehr das Fleisch als das schlechte Fell.“Ein amerikanischer Naturwissenschaftler, Waldemar Jochelson, beobachtete ca. 1921 Tarbaganer Murmel in der Jakuten-Provinz, „eines vom Altai her im Flussgebiet der Lena weit nach Nordosten vorgedrungenen türkischen Reitervolkes“ (s. auch vorstehend). „Daß dieser Volksstamm zur Anfertigung von Pelzen Murmeltierfelle bevorzugt, führt Jochelson darauf zurück, daß sie in früheren, weit südlicheren Wohngebiet diese Pelzträger bereits kannten und schätzten....

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Das (asiatische) Steppenmurmeltier

1998

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Der Anfall von rohverbrannten Fellen (durch Verwesung hart im Leder) und Ausschuss ist bei mittelasiatischen Sorten sehr hoch, da die Felle mit Aas verkauft werden, im Gegensatz zu den Altaiern und Semipalatinskern, die ohne Aas angeliefert werden.

1909

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brach unter den mongolischen Murmeln eine schwere Seuche aus, die fast zehn Jahre lang durch die entstandene Materialknappheit zu hohen Fellpreisen führte. Die Murmelpest griff auch auf den Menschen über: Alles was mit den Tieren oder Fellen in Berührung kam verfiel der Krankheit. Sie forderte etwa 100.000 Menschenleben.

Zahlen, Fakten

1987

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soll für die damalige Sowjetunion der Jahresanfall um bei 200.000 bis 300.000 Fellen gelegen haben.

1971

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war der Ertrag in der Mongolei pro Jahr auf etwa 1,1 Millionen zurückgegangen. Als unkontrollierbar wurde die Zahl der nicht genutzten Felle angesehen, die dadurch verloren gehen, dass die Tiere wegen des Fleisches geschossen und nach Landessitte meist im Fell gebraten werden.

1943

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betrug die Jagdstrecke im Schweizer Kanton Graubünden 9000, im Wallis 2200 Tiere. Während des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) betrug der jährliche Anfall durchschnittlich 14.000 Felle, während in Friedenszeiten bis dahin kaum 2000 bis 3000 Felle an den Markt gelangten.

1925

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bietet der Rauchwarengroßhändler Jonni Wende an: Murmel: Nerzfarbig 9 bis 12 Reichsmark; zobelfarbig 8 bis 12 Reichsmark; Mindel (kleine) 5 bis 8 Reichsmark.

1801

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schreibt Buse über den Handel und die Preise: „Das Murmelthierfell kommt meistens aus Polen, doch liefert Rußland auch eine ziemliche Menge. Das Fell wird meistens schwarz gefärbt und kostet dann in Rußland 6 Kop. Auch im amerikanischen Pelzhandel kommen die Murmelthierfelle mit vor. Der Preis ist in Kjachta: von gemeinen oder geschwärzten 1 St. 15-25 Kop. - in London: Kanadische 1 ½ - 2 ½ Schelling.“

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