Leben
Am 30. Oktober 1960 heiratete der deutsche Schauspieler und Rezitator
Klaus Kinski in zweiter Ehe in Berlin die zwanzigjährige Ruth Brigitte Tocki. Ruth Tocki trat in den 1950er Jahren in der beliebten
Dahlemer Jazz-Kneipe
Eierschale als
„Brigitte Bardot von Berlin“[3] auf. Nastassja Nakszynski war das einzige Kind aus dieser Ehe. Bedingt durch die unterschiedlichen Drehorte ihres Vaters wuchs sie abwechselnd in Berlin,
München und
Rom auf. Nach der Trennung der Eltern im Jahr 1968 verließ sie mit ihrer Mutter Italien und lebte bis 1971 in München, dann für kurze Zeit in
Caracas (
Venezuela) und ab 1972 erneut in München – diesmal zusammen mit ihrer Mutter in einer
Kommune. Den Besuch des Münchner Willi-Graf-Gymnasiums schloss sie 1977 vorzeitig mit der Mittleren Reife ab. Ihre Halbgeschwister
Pola Kinski (* 23. März 1952), aus der ersten Ehe ihres Vaters, und
Nikolai Kinski (* 30. Juli 1976), aus der dritten Ehe, sowie ihre Cousine
Lara Naszinsky (* 21. März 1967) sind ebenfalls Schauspieler.
Lisa Kreuzer, eine wichtige Darstellerin des
Neuen Deutschen Films der 1970er Jahre, entdeckte Kinskis darstellerisches Talent und vermittelte der Dreizehnjährigen 1974 die Rolle der stummen Mignon in
Wim Wenders’ Film
Falsche Bewegung. Als Schauspielerin zog sie in Deutschland erstmals große Aufmerksamkeit auf sich in dem 1976 von
Wolfgang Petersen gedrehten Fernsehkrimi
Reifezeugnis (Teil der
Tatort-Reihe; Erstausstrahlung am 27. März 1977 in der
ARD). Fotos, die der Regisseur
Roman Polański von Nastassja im selben Jahr für das französische Modeblatt
Vogue aufnahm, stießen in der internationalen Filmwelt auf Interesse. 1977 erhielt Kinski in
New York Schauspielunterricht bei
Lee Strasberg. Polanski inszenierte 1979 ihre erste größere Filmrolle
Tess, für deren Darstellung Nastassja Kinski den
Golden Globe Award als
Beste Nachwuchsdarstellerin erhielt. Der
Stern titelte damals „Nastassja Kinski – unser Weltstar in Hollywood“ und zeigte sie auf dem Cover, fotografiert von
Richard Avedon. Es folgten weitere Filme in Hollywood; u. a. drehte sie 1982 mit Francis Ford Coppola
Einer mit Herz (
One from the Heart) und übernahm die Hauptrolle in
Paul Schraders Katzenmenschen.
Andy Warhol erwähnt Nastassja Kinski in seinen Tagebüchern. Mit Wim Wenders drehte sie 1984 den preisgekrönten Film
Paris, Texas. Trotz ihrer von vielen bewunderten Schönheit flaute ihre Karriere Mitte der 1980er Jahre ab, erst recht nach dem Misserfolg des aufwendig inszenierten Historienfilms
Revolution (1985), in dem sie an der Seite von
Al Pacino spielte. In manchem
Filmabspann taucht sie auch unter den Namen
Anastasiya Kinski,
Nastassia Kinski oder
Nastasha Kinski auf.Neben ihrer Arbeit als Filmschauspielerin war Nastassja Kinski häufig als begehrtes
Fotomodell auf Titelseiten von Modezeitschriften wie
Vogue,
Marie Claire oder
Elle sowie Film- und Fernsehzeitschriften,
illustrierten Boulevardblättern und
Männermagazinen zu sehen.Am 10. September 1984 heiratete Nastassja Kinski den Produzenten
Ibrahim Moussa (1946–2012), mit dem sie zwei gemeinsame Kinder (Sohn Aljoscha und Tochter Sonja, die mittlerweile als Model tätig ist) hat. Die Ehe wurde 1992 geschieden, Moussa starb Anfang Juli 2012 in Los Angeles an einem Herzstillstand.
[4] Von 1991 bis 1997 lebte sie mit dem
Komponisten Quincy Jones zusammen. Aus dieser Beziehung stammt eine Tochter.Kinski dreht weiterhin regelmäßig Filme, doch erstklassige Rollen sind seit den 1990er Jahren selten geworden. Sie lebt seit Jahren in
Los Angeles. Außer Deutsch spricht sie Englisch, Französisch, Italienisch und Russisch. Sie ist
Vegetarierin und unterstützt das
Internationale Rote Kreuz.Am 18. Juni 2011 gab die
Academy of Motion Picture Arts and Sciences in Beverly Hills bekannt, dass Nastassja Kinski als eines von rund 180 neuen Mitgliedern in die US-Filmakademie
[5] (die insgesamt ca. 6.000 Filmschaffende zählt) aufgenommen wird.