Nationalmannschaft

aus Wikipedia, der freien Enzyklopdie
Wechseln zu:Navigation, Suche

Eine Nationalmannschaft ist eine Auswahlmannschaft, die bei internationalen Sportwettkämpfen eine Nation repräsentiert. Der Begriff wird sowohl für Mannschaften in Mannschaftssportarten verwendet, die gemeinsam an einem Länderspiel teilnehmen, als auch für solche in Individualsportarten, bei denen die einzelnen Mitglieder der Mannschaft – zum Teil sogar gegeneinander – an einem Länderkampf teilnehmen, wie z. B. in der Leichtathletik.

Eine besondere Form der Nationalmannschaft ist die Olympiamannschaft, die zu Olympischen Spielen entsandt wird und aus Sportlern verschiedener Sportarten besteht.



Inhaltsverzeichnis



Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste offizielle Länderspiel in der Geschichte des Fußballs fand am 30. November 1872 zwischen einer schottischen und einer von Cuthbert Ottaway angeführten englischen Auswahl statt. Noch im 19. Jahrhundert bestritten die walisische, die irische, die amerikanische und die kanadische Fußballnationalmannschaft ihre ersten Spiele, die nicht immer offiziellen Charakter hatten und teilweise gegen Vereinsmannschaften stattfanden. In Südamerika kam es 1902 zu einem ersten Vergleich der Nationalmannschaften von Uruguay und Argentinien. Im gleichen Jahr debütierte Österreich gegen Ungarn. In Ozeanien spielte die neuseeländische Fußballnationalmannschaft erstmals gegen eine Auswahl von New South Wales. Die Schweiz und Deutschland traten 1908 erstmals mit Nationalmannschaften in Erscheinung. Das erste Länderspiel zweier asiatischer Nationalmannschaften wurde 1913 zwischen den Philippinen und China ausgetragen. Als erste afrikanische Nationalmannschaft trat Ägypten 1920 zu den Olympischen Spielen in Antwerpen zusammen.

Als erste Frauennationalmannschaft im Fußball spielte Frankreich 1920 gegen eine englische Auswahl. In Deutschland, wo das Fußballspielen mit Damenmannschaften 1955 vom DFB noch verboten worden war, kam es erst 1982 zur Bildung einer offiziellen Nationalmannschaft.

Bei den Olympischen Sommerspielen 1900 in Paris wurden erstmals auch Mannschaftssportarten in das Programm aufgenommen (Fußball, Pelota, Polo, Rugby, Wasserball). Dies forcierte die Bildung von Nationalmannschaften. 1904 in St. Louis gab es Wettbewerbe in Baseball, Lacrosse, Basketball, College Football, Wasserball und Fußball.

Das erste Länderspiel in der Handballgeschichte trugen am 13. September 1925 Deutschland und Österreich als Feldhandballspiel aus. Bereits 1930 wurde das erste deutsche Länderspiel der Frauen ausgetragen, ebenfalls zwischen Deutschland und Österreich ausgetragen.



Berufung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nationalmannschaft wird in der Regel vom nationalen Mitgliedsverband des jeweiligen internationalen Sportverbandes entsandt , in einigen Staaten auch vom für Sport zuständigen Ministerium. In Individualsportarten gibt es in der Regel objektive Nominierungskriterien (z. B. das Erreichen bestimmter Normen oder der Erfolg in einem Qualifikationswettkampf), in Spielsportarten werden die Mitglieder der Nationalmannschaft aufgrund individueller Leistungsbeurteilung durch den zuständigen Nationaltrainer in den Kader berufen.

Olympiamannschaften werden durch die Nationalen Olympisches Komitees bestimmt. In Deutschland durch den Deutschen Olympischen Sportbund. Das Mitglied einer Nationalmannschaft wird in Spielsportarten als Nationalspieler bezeichnet.

Die Zugehörigkeit eines Sportlers zu einer Nationalmannschaft ist zumeist an die Staatsangehörigkeit des jeweiligen Landes oder an einen dortigen Wohnsitz gekoppelt. Ein Wechsel von einer Nationalmannschaft in eine andere ist meist mit bestimmten Fristen und Auflagen (z. B. Zustimmung des abgebenden Sportverbandes) verbunden, sofern er überhaupt möglich ist. Regelungen hierzu werden vom jeweiligen internationalen Sportverband aufgestellt.



Staat, Nation und Nationalmannschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Regel hat jeder Staat in jeder Sportart nur eine Nationalmannschaft. Da nicht alle Staaten Nationalstaaten sind, gibt es jedoch einige Ausnahmen, die meist historisch, politisch oder geografisch begründet sind. So gehören beispielsweise dem Fußballweltverband 208 Mitgliedsverbände an, obwohl es nur 194 souveräne Staaten gibt und einige Staaten nicht Mitglied der FIFA sind.

In Großbritannien bestehen vier Fußballnationalmannschaften, die von England, Schottland, Wales und Nordirland. Auch in anderen Sportarten wie etwa Cricket, Curling, Hockey oder Rugby gibt es im Vereinigten Königreich eine solche oder zumindest ähnliche Aufteilung. Die Fußballnationalmannschaften von Hongkong und von Macau bestehen auch nach der Rückkehr von Hongkong und Macau nach China fort.

Für Nationen ohne Staatsgebiet oder für nationale Minderheiten haben Auswahlmannschaften oft eine wichtige symbolische Funktion, vor allem dann, wenn es starke sezessionistische Bestrebungen gibt. So warb die Fußballauswahl des FLN im Auftrag der algerischen Unabhängigkeitsbewegung Front de Libération Nationale (FLN) als Botschafter der algerischen Nation während des Algerienkrieges zwischen 1958 und 1962 für die Selbständigkeit der französischen Kolonie Algerien und für internationale Unterstützung. Viele nicht souveräne Gebiete streben danach, dass ihre Auswahlmannschaften als Nationalmannschaften von den internationalen Sportverbänden anerkannt werden. Dies gilt zum Beispiel für die Palästinensische Fußballnationalmannschaft, die seit 1998 an offiziellen Wettbewerben der FIFA teilnehmen kann. Besonders Spiele der tibetischen Fußballauswahl sind ein Politikum und werden von Protesten Chinas begleitet. Häufig stellen autonome oder halbautonome abhängige Gebiete, die weit vom eigentlichen Staatsgebiet entfernt liegen, eigene Nationalmannschaften. Von der FIFA sind unter anderem die Fußballnationalmannschaften der Färöer und von Neukaledonien anerkannt. In solchen Fällen entscheiden die internationalen Sportfachverbände nicht immer einheitlich, so ist die grönländische Handballnationalmannschaft bei offiziellen Wettbewerben startberechtigt, die Fußballnationalmannschaft dagegen nicht.

Es gibt auch Nationalmannschaften mit Spielern aus mehr als nur einem Staat, wie beispielsweise die West Indies im Cricket oder Irland im Cricket, Rugby und International Rules Football (Mischung aus Australian Football und Gaelic Football). Die Iroquois Nationals repräsentieren das indigene nordamerikanische Volk der Irokesen in ihrem Nationalsport Lacrosse. Die Irokesen leben heute in Kanada und in den Vereinigten Staaten, bei Mannschaftsreisen ins Ausland benutzen die Spieler jedoch eigene Pässe der Iroquois Confederacy.

Teilweise sind Nationalmannschaften auf besondere Bevölkerungsgruppen beschränkt. So nehmen an der Makkabiade nur jüdische Sportler teil.

Bei Olympischen Spielen gab es zunächst eine eigene olympische Geografie, da Coubertin Teilstaaten wie Finnland, ein Großherzogtum innerhalb Russlands, und Böhmen innerhalb Österreich-Ungarns eigenständige Mannschaften gestattete, nicht aber Irland innerhalb Großbritanniens. Mit dem Olympischen Kongress 1914 wurden diese Sonderregelungen beendet und das strikte Nationalstaats-Prinzip vom IOC beschlossen. Wiederholt wurden später jedoch gemischte Mannschaften mit Staatsangehörigen mehrerer unabhängiger Staaten, etwa die gesamtdeutsche Mannschaft 1956, 1960 und 1964 oder das Vereinte Team der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten 1992 zugelassen, um dem Anspruch des IOC All Games -- All Nations gerecht zu werden. 1992 nahmen Sportler aus Jugoslawien, das unter Sanktionen der Vereinten Nationen stand, und 2000 solche aus Osttimor, das noch unter Verwaltung der UNO stand, als Unabhängige Olympiateilnehmer teil.



Einteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In vielen Sportarten gibt es nach Altersklassen abgestufte Nationalmannschaften. So wird im Fußball unter anderem eine U-21-Nationalmannschaft für Spieler unter 21 Jahren gebildet, in vielen Sportarten gibt es Mannschaften für Junioren (U19) und Junge Erwachsene (U23). Im allgemeinen Sprachgebrauch wird als Nationalmannschaft in der Regel die erste Auswahlmannschaft der Erwachsenen (auch A-Auswahl) ohne Altersbeschränkung bezeichnet.



Kleidung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nationalmannschaften haben eine einheitliche Sportbekleidung, das so genannte Nationaltrikot mit den (zumeist) Hoheitszeichen ihres Staates und oftmals auch in den Farben der Nationalflagge gehalten ist. Die Farben der Nationaltrikots der Sportmannschaften der Bundesrepublik Deutschland besteht traditionell in vielen Sportarten aus schwarzer Hose und weißem Hemd mit rotem Brustring, Bundesadler sowie einem Schriftzug des entsendenden Sportverbandes, z. B. Deutscher Fußball-Bund (DFB). Diese Schwarz-weiß-Kombination bezieht sich auf die schwarz-weiß-rote Fahne des deutschen Kaiserreiches von 1871. Die Nationalmannschaften der DDR traten zumeist in blauen Trikots an. Häufig enthält das Nationaltrikot auch das Abzeichen des entsendenden Sportverbandes, und vereinzelt noch das Logo eines Sponsors.



Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Nationalmannschaften? Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ?Knaur: Das deutsche Wrterbuch, Lexikografisches Institut Mnchen, 1985, Seite 691
  2. ?Karl-Heinz Huba: Fussball Weltgeschichte: Bilder, Daten, Fakten von 1846 bis heute, Stiebner Verlag GmbH, 2007, ISBN 3-7679-0958-8, Seite 632
  3. ?Karl-Heinz Huba: Fussball Weltgeschichte: Bilder, Daten, Fakten von 1846 bis heute, Stiebner Verlag GmbH, 2007, ISBN 3-7679-0958-8, Seite 626
  4. ?Arnd Krger: Forgotten decisions. The IOC at the eve of World War I. Olympika 6(1997), 85-98; (Digitalisat, PDF; 292 kB)

Eine Nationalmannschaft ist eine Auswahlmannschaft, die bei internationalen Sportwettkämpfen eine Nation repräsentiert. Der Begriff wird sowohl für Mannschaften in Mannschaftssportarten verwendet, die gemeinsam an einem Länderspiel teilnehmen, als auch für solche in Individualsportarten, bei denen die einzelnen Mitglieder der Mannschaft – zum Teil sogar gegeneinander – an einem Länderkampf teilnehmen, wie z. B. in der Leichtathletik.

Eine besondere Form der Nationalmannschaft ist die Olympiamannschaft, die zu Olympischen Spielen entsandt wird und aus Sportlern verschiedener Sportarten besteht.

mehr zu "Nationalmannschaft" in der Wikipedia: Nationalmannschaft

Geboren & Gestorben

thumbnail
Gestorben: Boško Vuksanović stirbt in Belgrad, Serbien. Boško Vuksanović war ein jugoslawischer Wasserballspieler und -trainer, der als Spieler mit der Wasserball-Nationalmannschaft die Silbermedaille bei den Olympischen Sommerspielen 1952 in Helsinki sowie 1956 in Melbourne sowie als Trainer die Silbermedaille bei den Olympischen Sommerspielen 1964 in Tokio gewann.
thumbnail
Gestorben: Franco Ballerini stirbt in Pistoia. Franco Ballerini war ein italienischer Profi-Radsportler und seit 2001 Leiter der italienischen Rad-Nationalmannschaft bis zu seinem tragischen Unfalltod 2010. Ballerini hatte seine Profikarriere 1986 begonnen und beendete sie am 15. April 2001 mit dem Rennen Paris–Roubaix.
thumbnail
Geboren: Oliver Scheuner wird geboren. Oliver Scheuner ist ein Schweizer Handballspieler. Zurzeit spielt er bei Pfadi Winterthur. Nach einer längeren Pause gab zu Beginn des Jahres 2010 sein Comeback in der SchweizerNationalmannschaft und gehört mittlerweile zum Stammkader.
thumbnail
Geboren: Thomas Höllbacher wird in Salzburg geboren. Thomas Höllbacher ist ein österreichischer Judoka. Er kämpft für den Judoclub ASV-ÖGJ Judo Salzburg in der Bundesliga. Wegen Ludwig Paischer war er nur im erweiterten Kader der österreichischen Nationalmannschaft. 2000 wurde er österreichischer Meister in der Gewichtsklasse bis 60 kg. Sein größter Erfolg war der dritte Platz beim Weltcupturnier in Basel 1996.
thumbnail
Geboren: Marc Berenbeck wird geboren. Marc Berenbeck ist ein ehemaliger Rollhockeyspieler und gegenwärtig Trainer des RSC Cronenberg sowie der deutschen Rollhockey-Nationalmannschaft.

Persönlichkeiten > Persönlichkeiten, die in Rodgau gewirkt haben

1988

thumbnail
Carmen Giese, Luftgewehrschützin im deutschen Nationalteam der Sportschützen bei den Olympischen Spielen in Seoul (Rodgau)

Sport

American Football:
thumbnail
Die deutschteNationalmannschaft gewinnt das Endspiel der World Games 2005 in der Duisburger MSV-Arena mit 20:6 gegen Schweden.
American Football:
thumbnail
Die NationalmannschaftDeutschlands gewinnt in Hanau gegen Finnland mit 19-7 die Europameisterschaft.

Zahlen und Fakten

2007

thumbnail
Cheftrainer der ThailändischenNationalmannschaft. (Martin Wördehoff)

2006

thumbnail
Fachwart MTB und Cyclo-Cross im allgemeinen deutschen hochschulsport und Co-Trainer der Deutschen Studentennationalmannschaft. (Martin Wördehoff)

Rundfunk, Film & Fernsehen

2009

thumbnail
Film: Der Film Goal III -Das Finale ist der dritte und somit letzte Teil der Fußballfilm-Trilogie Goal, in dem es um drei befreundete Fußballprofis geht, die ihren letzten Traum -die Teilnahme mit ihren Nationalmannschaften bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland -erfüllen wollen. Regie führt Andrew Morahn.

Stab:
Regie: Andrew Morahan
Drehbuch: Mike Jefferies Piers Ashworth
Produktion: Matt Barrelle
Mike Jefferies
Peter Heslop
Musik: Mark Thomas
Kamera: George Tiffin
Schnitt: Giles Bury

Besetzung: Kuno Becker, JJ Feild, Leo Gregory, Nick Morana, Kasia Smutniak, Anya Lahiri, Tamer Hassan, Craig Heaney, Jack McBride, Christopher Fairbank, Mike Elliot, Antonia Bernath, Gary Lewis, John Salthouse, Tereza Srbova, Melissa White, Margo Stilley

"Nationalmannschaft" in den Nachrichten