Nationalsozialistischer Untergrund

Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) war eine neonazistische terroristische Vereinigung in Deutschland, die um 1999 zur Ermordung von Mitbürgern ausländischer Herkunft aus rassistischen und fremdenfeindlichen Motiven gebildet wurde und bis 2011 bestand. Die Haupttäter Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe stammten aus Jena und lebten ab 1998 untergetaucht in Chemnitz und Zwickau. Sie ermordeten zwischen 2000 und 2007 neun Migranten und eine Polizistin, verübten drei Sprengstoffanschläge (Nürnberg 1999, Köln 2001 und 2004) und 15 Raubüberfälle. Die Zahl ihrer Unterstützer wird auf 100 bis 200 geschätzt, darunter V-Personen und Funktionäre rechtsextremer Parteien.

Der NSU wurde erst durch den Suizid von Mundlos und Böhnhardt am 4. November 2011, das Abbrennen ihrer Zwickauer Wohnung und das Versenden von Bekennervideos durch Zschäpe bekannt. Bis dahin hatten die Ermittler der Polizei rechtsextreme Hintergründe der Mordserie weitgehend ausgeschlossen und die Täter im Umfeld der Opfer gesucht. Verfassungsschutzämter und der Militärische Abschirmdienst (MAD) hatten die rechtsextreme Szene jahrelang beobachtet und durch bezahlte V-Leute im NSU-Umfeld indirekt finanziell gefördert. Ihr Versagen führte zu einer tiefen Krise der deutschen Sicherheitspolitik. Einige Verfassungsschutzmitarbeiter vernichteten nach Bekanntwerden des NSU relevante Akten, weshalb der Leiter des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) und die obersten Verfassungsschützer Thüringens, Sachsens und Berlins zurücktraten. NSU-Untersuchungsausschüsse im Bundestag und in sieben Landesparlamenten untersuchten den Einsatz von V-Personen, Ermittlungspannen und organisatorische Defizite.

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Geboren & Gestorben

2014

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Gestorben: Corelli (V-Mann) stirbt. Der V-Mann Corelli alias Thomas Richter war einer der wesentlichen Akteure im Umfeld der rechten Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Er hatte als V-Mann für das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) 18 Jahre lang als „Top-Quelle“ in der rechtsextremen Szene gedient. Das Bundesinnenministerium verweigerte dem NSU-Untersuchungsausschuss Auskünfte über den V-Mann Corelli, woraufhin der Ausschuss in Erwägung zog, das Ministerium auf die Herausgabe von Informationen zu verklagen.

2014

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Gestorben: Corelli (V-Mann) stirbt. Der V-Mann Corelli alias Thomas Richter war einer der wesentlichen Akteure im Umfeld der neonazistischen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Er hatte als V-Mann für das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) 18 Jahre lang als „Top-Quelle“ in der rechtsextremen Szene gedient. Das Bundesinnenministerium verweigerte dem NSU-Untersuchungsausschuss Auskünfte über den V-Mann Corelli, woraufhin der Ausschuss in Erwägung zog, das Ministerium auf die Herausgabe von Informationen zu verklagen.
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Gestorben: Uwe Böhnhardt stirbt in Eisenach. Uwe Böhnhardt war ein deutscher Neonazi, Terrorist und mutmaßlicher Mörder. Mit Uwe Mundlos und Beate Zschäpe bildete er nach den Ermittlungsergebnissen der Bundesanwaltschaft den Nationalsozialistischen Untergrund, der mindestens zwischen 2000 und 2010 bestand und unter anderem für die Ermordung von zehn Menschen verantwortlich war. Böhnhardt wurde 2011 mutmaßlich von seinem Mittäter Mundlos erschossen, bevor dieser Suizid beging.
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Gestorben: Halit Yozgat stirbt in Kassel. Halit Yozgat war das neunte und damit mutmaßlich letzte und jüngste Todesopfer der Mordserie, die in den Jahren 2000 bis 2006 in deutschen Großstädten mutmaßlich durch die rechtsextreme Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) verübt wurde. Halit Yozgat wurde in seinem Internetcafé im Kasseler Stadtteil Nord-Holland durch zwei gezielte Pistolenschüsse in den Kopf ermordet. Zur Tatzeit war Andreas Temme, ein Mitarbeiter des Landesamtes für Verfassungsschutz Hessen, anwesend, der zeitweise als Mordverdächtiger galt und festgenommen wurde, und dessen Telefon daher von der Polizei überwacht wurde. Trotz der Ermittlungen gegen Temme, mehrfacher Vernehmungen von ihm als Zeugen im Münchener NSU-Prozess und in verschiedenen parlamentarischen Untersuchungsausschüssen, dem Eintreffen von Yozgats Vater kurz nach der Tat und der sekundengenauen Rekonstruktion der Todeszeitpunkts durch die Polizei ist der Anschlag bis heute nicht geklärt.
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Gestorben: Theodoros Boulgarides stirbt in Schwanthalerhöhe, München. Theodoros Boulgarides war ein griechischstämmiger Einzelhändler in München. Er wurde am 15. Juni 2005 durch die Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) ermordet und war das siebte Todesopfer ihrer deutschlandweiten Mordserie an Migranten. Die Ermittlungsbehörden verdächtigten ihn, seine Familie und sein Umfeld monatelang krimineller Machenschaften; erst nach der Selbstenttarnung des NSU Ende 2011 führten die Ermittlungen zu den mutmaßlich Verantwortlichen.

Tagesgeschehen

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Erfurt/Deutschland: Nach Fehlern im Zusammenhang mit den Ermittlungen zur Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund wird Thüringens Verfassungsschutz-Präsident Thomas Sippel in den einstweiligen Ruhestand versetzt.
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Köln/Deutschland: Nach Fehlern im Zusammenhang mit den Ermittlungen zur Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund tritt der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, zurück.
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Mühlenfließ/Deutschland: Der mutmaßliche Filmer des Nationalsozialistischen Untergrundes wird in Potsdam-Mittelmark von der GSG 9 aufgespürt und verhaftet. Der 32-jährige Sachse soll die Videos der Gruppierung, in denen deren Taten verherrlicht werden, erstellt haben.

Prominente Inhaftierte

2013

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Beate Zschäpe, Mitglied des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), seit März (Justizvollzugsanstalt München)

Rundfunk, Film & Fernsehen

2014

Filme/Dokumentationen:
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Der Nationalsozialistische Untergrund. Was wusste der Staat vom braunen Terror? Buch und Regie Reiner Fromm. ZDF

2013

Filme/Dokumentationen:
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Die Nazi-Morde. Film von Anke Hunold und Anna Orth, Christian Fuchs John Goetz. Ausgestrahlt in der Sendung "45min" im NDR. NDR

2012

Filme/Dokumentationen:
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NSU - Terror von rechts. Film von Ulrich Stoll. ZDF

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