Nationalstaat

Ein Nationalstaat ist ein Staatsmodell, das auf der Idee und Souveränität der Nation beruht. Im Begriff Nationalstaat fällt das Staatsgebilde mit dem Begriff der Nation zusammen. Sprachliche, kulturelle oder ethnische Homogenität werden im Diskurs um die Nation oft als Voraussetzung und Ziel des Nationalstaates benannt. Die Ideen der Nation und des Nationalstaats werden auch als Konstrukte bezeichnet.



Geschichte




Wenn man von vormodernen Vorläufern wie dem Assyrischen, dem Römischen oder dem chinesischen Reich absieht, und Eretz Israel als Nation in idealer Gemeinschaft nicht beachtet, ist der Nationalismus eine Entwicklung der europäischen Neuzeit. Deren Vorläufer im europäischen Mittelalter waren Personalverbände, die aufgrund ihrer Orientierung und Abhängigkeit auf einen Herrscher, eine Dynastie oder einen genossenschaftlich organisierten Herrschaftsverband auf die Kriterien, die einen Staat ausmachen, weitgehend verzichten konnten. Sie stabilisierten sich über die persönliche Bindung zwischen Herrschenden und Untertanen. Frühe Formen eines Nationalbewusstseins entwickelten sich in der Zeit der Kreuzzüge, insbesondere in Frankreich unter Ludwig VI. (1081–1137) und seit dem Albigenserkreuzzug unter einer vorherrschenden Nationalreligion. Eine Ebene internationaler Diplomatie und eine frühe Form nationalstaatlichen Handelns bildete der Westfälische Friede von 1648, in dem sich mit dem Konzept des Westfälischen Systems Staaten als souveräne Subjekte des Völkerrechts zu etablieren begannen.Die Idee des Nationalstaates rückte ab dem 18. Jahrhundert vollends in das Zentrum der Politik, als sich infolge großer Staatsverschuldung, hoher Steuern (Absolutismus, Merkantilismus) und heftiger Kriege (Österreichischer Erbfolgekrieg, Siebenjähriger Krieg) die Situation der Bevölkerung stark verschlechtert hatte. In diesem Kontext fanden Ideen breiten Zulauf, die die Vorstellung von einer Nation als Gemeinschaft im Sinne eines idealisierten Selbstbildes betonten und sich vermischten (Demokratie, Patriotismus, Nationalismus, Sozialismus, Liberalismus). Für die schlechteren Lebensverhältnisse wurden im Sinne eines Feindbildes häufig ethnische oder kulturelle Minderheiten kollektiv verantwortlich gemacht. Kurz nach der Französischen Revolution kam es daher zu Terrorherrschaft und den Koalitionskriegen....

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Geboren & Gestorben

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Gestorben: Mykola Michnowskyj stirbt in Kiew. Mykola Michnowskyj war ein ukrainischer Politiker und Begründer des radikalen ukrainischen Nationalismus. Michnowskyj gilt als Chefideologe der ukrainischen Staatlichkeit. Die 1902 von ihm gegründete Ukrainische Volkspartei war die erste politische Partei, die in ihrem Programm Gründung eines ukrainischen Nationalstaates forderte.
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Gestorben: Constantin Frantz stirbt in Blasewitz. Constantin Frantz war ein deutscher Philosoph, Publizist, Mathematiker und Politiker. Er stand zeitweise im diplomatischen Dienst Preußens. Bekannt wurde er als politischer Schriftsteller mit Bezug zum Junghegelianismus und zur Romantik. Frantz war Vordenker eines vom Heiligen Römischen Reich inspirierten mitteleuropäischen Staatenbundes und Gegner des von Bismarcknationalstaatlich verfassten Deutschen Reiches. Er galt zeitlebens als Außenseiter, wurde später als vermeintlicher Vorläufer des Dritten Reiches gedeutet und ist in seiner Aussage und Bedeutung umstritten.
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Gestorben: Pasquale Stanislao Mancini stirbt in Rom. Pasquale Stanislao Mancini, selten auch Pascal Mancini, war ein italienischer Jurist, Journalist und Politiker, der dem in Neapel ansässigen Zweig der italienischen Adelsfamilie Mancini entstammte. Er wirkte als Professor an den Universitäten Turin und Rom und gehörte mehreren italienischen Regierungen als Minister für verschiedene Geschäftsbereiche an. Darüber hinaus war er Mitbegründer des Institut de Droit international sowie dessen erster Präsident. Er trug damit zur Entstehung des modernen Völkerrechts bei und gilt außerdem als wichtige politische Persönlichkeit des Risorgimento, der Bewegung für einen unabhängigen und vereinten italienischen Nationalstaat im 19.? Jahrhundert.
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Geboren: Mykola Michnowskyj wird in Turiwzi bei Pryluky, Gouvernement Poltawa, heute Ukraine geboren. Mykola Michnowskyj war ein ukrainischer Politiker und Begründer des radikalen ukrainischen Nationalismus. Michnowskyj gilt als Chefideologe der ukrainischen Staatlichkeit. Die 1902 von ihm gegründete Ukrainische Volkspartei war die erste politische Partei, die in ihrem Programm Gründung eines ukrainischen Nationalstaates forderte.
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Gestorben: Friedrich Daniel Bassermann stirbt in Mannheim, Großherzogtum Baden. Friedrich Daniel Bassermann war ein deutscher Unternehmer und liberaler Politiker. Er war einer der populärsten Abgeordneten in der Zweiten Kammer der Ständeversammlung des Großherzogtums Baden und maßgeblich an der Schaffung des ersten frei gewählten Parlaments für einen deutschen Nationalstaat, der Frankfurter Nationalversammlung, beteiligt. Als Vorsitzender des Verfassungsausschusses und Unterstaatssekretär im Innenministerium der Provisorischen Zentralgewalt trug er wesentlich zur Reichsverfassung der Nationalversammlung bei. Als Verleger gründete er mit der Deutschen Zeitung eine der einflussreichsten Zeitungen im Vorfeld der Märzrevolution von 1848/49.

1000–1300

1179

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Papst Alexander III. erkennt mit der BulleManifestis probatum“, der „Geburtsurkunde Portugals“, die portugiesische Unabhängigkeit an. Portugal ist damit heute der älteste Nationalstaat Europas. (Zeittafel Portugal)

Arbeit, Werdegang, Werke & Leben

1998

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Werke und Forschungsschwerpunkt: Regieren jenseits des Nationalstaats , in dem er sich der Frage widmet, ob das Regieren jenseits des Nationalstaates notwendig und wünschenswert ist und inwieweit es überhaupt möglich ist. Zürn beschreibt, von einem historischen Rückblick auf die Entstehung des Nationalstaates ausgehend, das Ausmaß der bereits vorhandenen Denationalisierung und deren Folgen für den Staat und die Gesellschaft. Er zeigt im letzten Teil seines Werkes Perspektiven für ein Projekt Komplexes Weltregieren auf, was vonnöten sei, um die Globalisierung beziehungsweise Denationalisierung nicht als Gefahr, sondern als Chance begreifen zu können. (Michael Zürn (Politikwissenschaftler))

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