Orientalisierende Architektur

Ein Berliner Wahrzeichen im „maurischen“ Stil: Die Neue Synagoge (1866 eingeweiht, teilweise 1938 zerstört)
Bild: Andreas Praefcke

Als orientalisierende Architektur werden Bauwerke bezeichnet, die in Form und Dekor orientalische Bauformen imitieren oder zitieren. Es handelt sich dabei um eine Variante des Historismus, die in Zusammenhang mit dem Orientalismus in der Kunst zu sehen ist.

Motive orientalischer Architektur treten bereits als Versatzstücke in zahlreichen Schlossgärten des 18. Jahrhunderts auf. Beispiele sind etwa die „Moschee“ im Park von Schloss Schwetzingen, entsprechende Bauten in Eisgrub (Lednice) oder Kew. Aus dieser Zeit stammen auch zahlreiche „Pagoden“. Auch das um die Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Dampfmaschinenhaus in Form einer Moschee zählt zu dieser Art von exotischer Staffage. Das maurische Andalusien, der Nahe und Ferne Osten sowie die Mogularchitektur Indiens dienten als bevorzugte Vorbilder. Wie bei der durch Napoléons Ägyptenfeldzug stimulierten Ägyptenmode spielten auch militärische und Handelsverbindungen eine Rolle. Dabei löste die militärische Überlegenheit der europäischen Mächte und, speziell in Mitteleuropa, der Wegfall der jahrhundertelangen Bedrohung durch die Türkenkriege einen freieren und zum Teil romantisierenden Umgang mit Stilelementen der östlichen Kulturkreise aus. Orientalisierende Palastarchitektur schufen John Nash in Brighton mit seinem Royal Pavilion (1815–1822), und wenig später der britische Architekt Edward Blore mit dem Palast des Michail Semjonowitsch Woronzow in Alupka auf der Krim. Im ausgehenden 19. Jahrhundert tritt dazu noch das Motiv der wachsenden handelmäßigen Verknüpfung und die Verwendung exotischer Architekturen als Element der Reklame, so bei der Yenidze-Zigarettenfabrik in Dresden, bei der orientalisierenden Zacherlfabrik in Wien (der Rohstoff des Zacherl’schen Mottenpulvers stammte aus dem vorderen Orient), und bei der Villa Crespi eines Baumwollindustriellen mit intensiven Handelskontakten in den arabischen Raum.

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Geboren & Gestorben

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Gestorben: Wilhelm Stiassny stirbt in Bad Ischl. Wilhelm Stiassny war ein in Wien tätiger jüdischer Architekt, Mitbegründer der Wiener Bauhütte, Wiener Gemeinde- und Stadtrat sowie aktives Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde. Sein Hauptwerk sind Wohn- und Geschäftshäuser und soziale Bauten, besonders bekannt sind seine im maurischen Stil erbauten Synagogen.
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Geboren: Wilhelm Stiassny wird in Preßburg geboren. Wilhelm Stiassny war ein in Wien tätiger jüdischer Architekt, Mitbegründer der Wiener Bauhütte, Wiener Gemeinde- und Stadtrat sowie aktives Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde. Sein Hauptwerk sind Wohn- und Geschäftshäuser und soziale Bauten, besonders bekannt sind seine im maurischen Stil erbauten Synagogen.

Beispiele im Bild

1928

1910

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Teppichverkaufsraum im Warenhaus Tietz, Düsseldorf, um 1910

1909

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Das ehemalige Fabrikgebäude der Zigarettenfabrik Yenidze gehört zu den architektonischen Sehenswürdigkeiten der Stadt Dresden.

1909

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Die Synagoge in Sofia, ein eindrucksvoller orientalisierender Sakralbau, erbaut

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