Osmanische Verfassung

Die Osmanische Verfassung (osmanisch قانون اساسی, İAḲānūn-ı Esāsī, „Grundgesetz“) vom 23. Dezember 1876 war die erste und zusammen mit dem Verfassungsgesetz von 1921 („Doppelverfassungsperiode“) die letzte schriftlich fixierte Verfassung des Osmanischen Reiches. Kern des im Zuge des Konstitutionalismus des 19. Jahrhunderts entstandenen Grundgesetzes war die Einführung eines Zweikammernparlaments und damit der Weg in die konstitutionelle Monarchie. Der Sultan gab die alleinige Wahrnehmung gewisser Rechte auf („freiwillige Selbstbeschränkung“), bestimmte aber weiterhin über Gesetzgebung und besonders durch sein unbeschränktes Verbannungsrecht aus Art. 113 Satz 3 über das Schicksal seiner Untertanen.

Durch die Schließung des Parlaments im Februar 1878 setzte Sultan Abdülhamid II. die Verfassung faktisch außer Kraft und herrschte – über dreißig Jahre lang – bis zur erzwungenen Einberufung des Parlaments im Juli 1908 als absoluter Monarch. Mit der Verfassungsänderung vom August 1908 entwickelte sich das System der Verfassung zu einer parlamentarischen Monarchie. Zwischen den Jahren 1921 und 1923 wurde die Verfassung durch das von der Großen Nationalversammlung unter Vorsitz Mustafa Kemal Paschas verabschiedete Verfassungsgesetz samt Anhang und Abänderungen schrittweise außer Kraft gesetzt. Nach der Gründung der Republik Türkei trat schließlich am 24. Mai 1924 die Verfassung vom 20. April 1924 in Kraft, womit das Osmanische Grundgesetz aufgehoben wurde.

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Geboren & Gestorben

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Geboren: Cavid Bey wird in Ankara geboren. Cavid Bey oder Dschawid Bey war ein osmanisch-jüdischer Ökonom, Zeitungsverleger und führender Politiker der zweiten Verfassungsära. Als Sabbatianer und Mitglied des Komitees für Einheit und Fortschritt (KEF) war er Teil der Jungtürken und hatte verschiedene Positionen in der Regierung inne, nachdem die Osmanische Verfassung wieder in Kraft gesetzt wurde. Wegen eines Attentatsversuches am türkischen Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk wurde er unter der Regierung der Republikanischen Volkspartei gehängt.
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Gestorben: Midhat Pascha stirbt , in Taif, heute Saudi-Arabien. Ahmed Şefik Midhat Pascha war ein prowestlicher, aufgeklärter türkischer Reformer und Staatsmann und Großwesir des osmanischen Reiches. Er gilt als der Vater der Osmanischen Verfassung von 1876. Weiterhin war er Autor der Provinzialverordnung (Vilâyet nizâmnâmesi) von 1863/67 und Begründer des ländlichen Kreditwesens sowie der Einrichtung von Gewerbeschulen in Anatolien. 1881 zum Tod verurteilt, letztlich in das arabische Taif verbannt und 1884 unter ungeklärten Umständen, wahrscheinlich durch Schergen des Sultans ermordet.
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Geboren: Midhat Pascha wird in Istanbul geboren. Ahmed Şefik Midhat Pascha war ein prowestlicher, aufgeklärter türkischer Reformer und Staatsmann und Großwesir des osmanischen Reiches. Er gilt als der Vater der Osmanischen Verfassung von 1876. Weiterhin war er Autor der Provinzialverordnung (Vilâyet nizâmnâmesi) von 1863/67 und Begründer des ländlichen Kreditwesens sowie der Einrichtung von Gewerbeschulen in Anatolien. 1881 zum Tod verurteilt, letztlich in das arabische Taif verbannt und 1884 unter ungeklärten Umständen, wahrscheinlich durch Schergen des Sultans ermordet.

Europa

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Auf Druck der Jungtürken setzt der osmanische Sultan Abdülhamid II. die liberale Osmanische Verfassung von 1876 wieder in Kraft.
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Die Osmanische Verfassung tritt in Kraft.

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1961

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Osmanische Verfassung, Türkische Verfassung von 1921, Türkische Verfassung von 1924, Türkische Verfassung von

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