Päpstliche Bulle

Bulle Julius’ II. von 1505
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Benedikt XVI. Magni aestimamus: Errichtung eines Militärordinariats in Bosnien und Herzegovina, 1. Februar 2011
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Päpstliche Bulle oder kurz Bulle ist die Bezeichnung für Urkunden, die wichtige Rechtsakte des Papstes verkünden. Sie wurden in der päpstlichen Kanzlei in feierlicher Form ausgefertigt und besiegelt. Kennzeichnend ist der Ersatz der Salutatio durch die Formel ad perpetuam rei memoriam („zum immerwährenden Gedächtnis der Sache“).

Der offizielle lateinische Name ist litteræ apostolicæ oder litteræ apostolicæ sub plumbo, was vereinfacht übersetzt „apostolische Briefe“ bzw. „apostolische Briefe unter Blei“ bedeutet, wenn man sie von den Privilegien, Breven oder den normalen litterae abgrenzen will. Die Bulle trägt ihren Namen vom lat. bulla ('Blase'). Die Papsturkunden des Mittelalters und der Frühen Neuzeit waren regelmäßig mit Blei besiegelt.

Diese Mischung aus den älteren Privilegien und den litterae ist seit der Mitte des 13. Jahrhunderts und besonders seit dem 15. Jahrhundert in Gebrauch. Ab dem 20. Jahrhundert wurden nur noch sehr selten päpstliche Bullen erlassen, so etwa zur Inkraftsetzung des Kodex des Kirchenrechts (Codex Iuris Canonici) 1917 und zur Einberufung eines Heiligen Jahres. Für lehrhafte Akte des Papstes wird seit 1740 häufiger die Form der Enzyklika gewählt (Rundschreiben an die Bischöfe), für Rechtsakte die Apostolische Konstitution (etwa Universi Dominici Gregis von Johannes Paul II.) oder das Motu proprio.

Die Bezeichnung der Bullen richtet sich nach den Anfangsworten der Arenga. Jede Bulle beginnt mit: <Papstname> episcopus, servus servorum Dei …



Kontroverse ppstliche Bullen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 18. Juni 1452 legitimierte Nikolaus V. mit der Bulle Dum diversas den Sklavenhandel, indem er damit den portugiesischen König ermächtigte, "die Länder der Ungläubigen zu erobern, ihre Bewohner zu vertreiben, zu unterjochen und in die ewige Knechtschaft zu zwingen".

Am 5. Dezember 1484 veröffentlichte Innozenz VIII. den Erlass Summis desiderantes affectibus, auch Hexenbulle genannt, mit der der Papst die Obrigkeit aufforderte zwei Inquisitoren bei der Hexenjagt zu unterstützen. Diese Hexenbulle des Papstes hat den Weg in eine der dunkelsten Epochen Europas, der Hexenverfolgung gebahnt.

Am 14. Juli 1555 erließ Paul IV. die päpstliche Bulle Cum nimis absurdum, mit der die Juden im Kirchenstaat, die er als Christusmörder bezeichnete, angewiesen wurden: ihren Besitz zu verkaufen, in bestimmte, für sie errichtete Ghettos zu ziehen, bestimmte, sie als Juden kennzeichnende Kleidung zu tragen, nicht mit Christen zu spielen, essen oder zu fraternisieren, keinen Handel außer dem Lumpensammeln zu betreiben, etc.

Siehe auch: Liste päpstlicher Bullen



Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael F. Feldkamp: Bullen von Nuntien und Legaten: Zum Sprachgebrauch des TerminusBullein der frhen Neuzeit. In: Rmische Historische Mitteilungen 34/35 (1992/1993), S.133?138.
  • Thomas Frenz: Papsturkunden des Mittelalters und der Neuzeit (= Historische Grundwissenschaften in Einzeldarstellungen Band 2). 2., aktualisierte Auflage. Steiner, Stuttgart 2000, ISBN 3-515-07788-X


Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]



Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ?Gerhard Kbler: Deutsches Etymologisches Wrterbuch. 1995, S. 65.; duden.de: Bulle; Die Bulle im Wrterbuch der Gebrder Grimm; Friedrich Kluge (Begr.), Elmar Seebold (Bearb.): Etymologisches Wrterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Berlin/New York, 2001, S. 161.
  2. ?18.06.1452: Ppstliche Bulle erlaubt Sklavenhandel Martina Meissner, WDR, abgerufen am 19. August 2017.
  3. ?Die Hexenjger Deutschlandfunk, 5. Dezember 2009, abgerufen am 19. August 2017.
  4. ?Text: Bull Cum Nimis Absurdum (englisch) Abgerufen am 19. August 2017.

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Benedikt XVI. Magni aestimamus: Errichtung eines Militärordinariats in Bosnien und Herzegovina, 1. Februar 2011Lizenz: CC-PD-Mark
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Päpstliche Bulle oder kurz Bulle ist die Bezeichnung für Urkunden, die wichtige Rechtsakte des Papstes verkünden. Sie wurden in der päpstlichen Kanzlei in feierlicher Form ausgefertigt und besiegelt. Kennzeichnend ist der Ersatz der Salutatio durch die Formel ad perpetuam rei memoriam („zum immerwährenden Gedächtnis der Sache“).

Der offizielle lateinische Name ist litteræ apostolicæ oder litteræ apostolicæ sub plumbo, was vereinfacht übersetzt „apostolische Briefe“ bzw. „apostolische Briefe unter Blei“ bedeutet, wenn man sie von den Privilegien, Breven oder den normalen litterae abgrenzen will. Die Bulle trägt ihren Namen vom lat. bulla ('Blase'). Die Papsturkunden des Mittelalters und der Frühen Neuzeit waren regelmäßig mit Blei besiegelt.

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Kunst & Kultur

Religion & Kultur:
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Papst Innozenz II. unterzeichnet in Pisa die BulleEx commisso nobis, in der er Bistumsangelegenheiten auf polnischem Gebiet regelt. Mit dem Erwähnen von fast 400 polnischen Namen und Ortschaften ist diese Bulle von Gnesen der älteste Beleg zur polnischen Sprache und Schrift.

1000–1300

1179

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Papst Alexander III. erkennt mit der BulleManifestis probatum“, der „Geburtsurkunde Portugals“, die portugiesische Unabhängigkeit an. Portugal ist damit heute der älteste Nationalstaat Europas. (Zeittafel Portugal)

Kreuzzüge

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In der BulleAudita tremendi ruft Papst Gregor VIII. die weltlichen Herrscher zur Rückeroberung Jerusalems auf. Folge ist der Dritte Kreuzzug.

Vorgeschichte an der Pariser Universität

1231

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verbot Papst Gregor IX. in einer Bulle die Physik des Aristoteles, bis sie geprüft und von allem Verdacht des Irrtums gereinigt sei. (Pariser Verurteilungen)

Mittelalter

1302

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Bonifatius VIII. formuliert die BulleUnam Sanctam, in der er den Anspruch auf die universelle Vorherrschaft des Papstes geltend macht.

1300–1500

1455

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Mit der päpstlichen Bulle Romanus Pontifex erhalten König Alfons V. und Heinrich der Seefahrer das Handelsmonopol für die neue Ländereien in Afrika und Asien. (Zeittafel Portugal)

Ereignisse

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Papst Pius V. verleiht in einer BulleCosimo I. de’ Medici den Titel eines Großherzogs der Toskana und setzt sich dabei über kaiserlichen Widerstand hinweg.
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Papst Sixtus IV. bestätigt in der BulleAeterni regis den Vertrag von Alcáçovas. Die Kanarischen Inseln bleiben damit kastilischer Besitz.
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In einer Bulle genehmigt Papst Alexander V. die Errichtung der Universität Leipzig.

Wissenschaft & Technik

1542

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Ereignisse > Wissenschaft und Technik: König Ferdinand I. von Sizilien, ein unehelicher Sohn von König Alfons V. von Aragonien, ersucht am 13. Dezember Papst Sixtus IV., eine seit dem 12. Jahrhundert in Saragossa bestehende Klosterhochschule per päpstlicher Bulle als Universität anzuerkennen, was dieser im Jahr 1476 tut. Trotzdem erfolgt die formale Gründung der Universität Saragossa erst am 10. September (1474)

1474

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König Ferdinand I. von Sizilien, ein unehelicher Sohn von König Alfons V. von Aragonien, ersucht am 13. Dezember Papst Sixtus IV., eine seit dem 12. Jahrhundert in Saragossa bestehende Klosterhochschule per päpstlicher Bulle als Universität anzuerkennen, was dieser im Jahr 1476 tut. Trotzdem erfolgt die formale Gründung der Universität Saragossa erst am 10. September 1542.
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Die Universität Löwen wird durch eine Bulle von Papst Martin V. gegründet.

Politik & Weltgeschehen

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Ereignisse > Politik und Weltgeschehen: In Rom wird für Juden ein Ghetto geschaffen. Grundlage dafür ist die päpstliche Bulle Cum nimis absurdum, die sich gegen den Ausdruck sozialer Überlegenheit von Juden über Christen wendet. Viele Juden flüchten in der Folge aus dem Kirchenstaat. (14. Juli)
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Spanische & Portugiesische Kolonialpolitik: Alexander VI. legt in der BulleInter caetera“ die Demarkationslinie zwischen spanischen und portugiesischen Gebieten in der Neuen Welt fest.
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In der Päpstlichen BulleDum diversas gestattet Papst Nikolaus V. dem portugiesischen König Alfons V. das Erobern von Ländern der Ungläubigen in Westafrika. Der Papst duldet das Versklaven von dunkelhäutigen Menschen.
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Ereignisse > Politik und Weltgeschehen: In der Päpstlichen Bulle Dum diversas gestattet Papst Nikolaus V. dem portugiesischen König Alfons V. das Erobern von Ländern der Ungläubigen in Westafrika. Der Papst duldet das Versklaven von Schwarzafrikanern. (18. Juni)

1420

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Hussitenkriege: 1. März: Papst Martin V. ruft in einer Bulle zum Kreuzzug gegen die Hussiten auf.

Europa

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Mit der BulleRegnans in Excelsis exkommuniziert Papst Pius V. Englands Königin Elisabeth I.
Weitere Ereignisse in Europa:
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In Rom wird für Juden ein Ghetto geschaffen. Anlass ist die päpstliche BulleCum nimis absurdum, in der Papst Paul IV. Juden die Schuld am Tode Jesus von Nazarets zuweist. Von Gott seien sie dafür zu ewigen Sklaven verdammt. Viele Juden flüchten in der Folge aus dem Kirchenstaat.

Gregorianische Kalenderreform

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Gregor XIII. unterschreibt die Päpstliche BulleInter gravissimas zur Einführung des Gregorianischen Kalenders. Die Bulle dekretiert, dass die Tage vom 5. bis 14. Oktober 1582 zu entfallen haben und der 15. in diesem Jahr direkt auf Donnerstag, den 4. Oktober folgt. Auf diese Weise werde erreicht, dass im Jahre 1583 das Frühjahrsäquinoktium wieder auf den 21. März fällt. Zum anderen legte die Bulle fest, dass das Jahr 1600 wie üblich ein Schaltjahr ist, die Säkularjahre 1700, 1800 und 1900 jedoch nicht, dafür aber das Jahr 2000 wieder, und so weiter. So werde erreicht, dass es in den folgenden Jahrhunderten zu keiner weiteren systematischen Verschiebung des Frühjahrsäquinoktiums kommt. Der Kalenderstreit mit den Protestanten beginnt.

Ereignisse > Religion

1653

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Mit der BulleCum occasione verdammt Papst Innozenz X. fünf Sätze des Jansenismus. (31. Mai)
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Die Bulle von Gegenpapst Alexander V. wird in Prag bekannt, welche die Auslieferung der Schriften John Wyclifs und den Widerruf seiner Lehren fordert. Jan Hus lässt sich davon nicht beeindrucken und predigt weiter in der Bethlehemskapelle auch über kirchliche Missstände. (9. März)
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In der BulleIn agro dominico verurteilt Papst Johannes XXII. 28 Lehrsätze von Meister Eckhart als häretisch oder als teils häresieverdächtig (irrig, nicht mit der Rechtgläubigkeit vereinbar). Damit endet das Inquisitionsverfahren gegen Eckhart, der vor Veröffentlichung der Bulle gestorben ist. (27. März)
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Mit der Päpstlichen Bulle Quia nonnunquam hebt Papst Johannes XXII. das von seinem Vorgänger Nikolaus III. angeordnete Diskussionsverbot auf und eröffnet damit einen neuen Streit über das Armutsideal der Franziskaner. Außerdem wendet er sich gegen die „Häresie der Spiritualen“. (26. März)

Religion

1744

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Papst Benedikt XIV. promulgiert die Päpstliche BulleOmnium solicitudinum. In der direkt an die Vorgängerbulle Ex quo singulari anschließenden Bulle fasst er alle bisher geleisteten Missionstätigkeiten zusammen und unterstreicht deren Bedeutung. Gleichzeitig ruft er die Missionare, vorrangig die Jesuiten, zum Gehorsam auf.
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In der päpstlichen BulleIn eminenti apostolatus specula rechnet Clemens XII. mit der Freimaurerei ab und spricht ein Verbot aus. Die Entwicklung dieser vermeintlichen „Geheimbünde“ müsse unterbunden werden, um die katholische Welt vor den damit verbundenen Risiken oder gar ihrer Zerstörung zu bewahren. Anstoß nimmt Clemens unter anderem an der religiösen Toleranz der „Sekte“.
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Antonio Pignatelli wird als Kompromisskandidat zweier starker Fraktionen Papst. Er wählt für die Dauer seines Pontifikats den Namen Innozenz XII. Sein Pontifikat beginnt Innozenz mit verschiedenen Reformen: So reformiert er mit der Bulle Romanum decet Pontificem den Kirchenstaat, indem er die Ausstattung von päpstlichen Verwandten mit Ämtern einschränkt. Ausserdem legt er den letzten Tag eines Jahres auf den 31.Dezember -benannt nach Papst Silvester I. -und den ersten Tag eines Jahres auf den 1. Januar -als Neujahrstag -verbindlich fest. Bis zu diesem Zeitpunkt galt der 6. Januar als Jahresbeginn und der 24. Dezember als Jahresende, die „Zeit zwischen den Jahren“ war eine „tote Zeit“.
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Papst Innozenz X. legt mit der BulleZelo domus Dei Protest gegen die religionsrechtlichen Bestimmungen des Westfälischen Friedens ein. Er bleibt wirkungslos.
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Mit der Bulle Copiosus in misericordia Deus bestätigt Papst Gregor XIII. die von Philipp Neri gegründete Kongregation des Oratoriums.

Geschichte

1801

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Erneute kirchliche Reorganisation im Zuge der französischen Revolution: Auflösung der bisherigen Suffraganbistümer Antwerpen, Brügge und Ypern. Unterstellung der Bistümer Tournai und Namur - vormals zum Erzbistum Cambrai gehörend und des linksrheinischen Rests des ehemaligen Erzbistums Mainz. Am 29. November bestätigte der Papst die Neueinteilung der Bistümer in der Bulle „Qui Christi Domini“. Diese Einteilung hatte Bestand, bis 1821 die neue Oberrheinische Kirchenprovinz mit Metropolitansitz in Freiburg gegründet wurde, der das neue Bistum Mainz gemäß Zirkumskriptionsbulle Provida solersque zugeschlagen wurde. (Erzbistum Mecheln-Brüssel)

Italien

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Papst Pius IX. verbietet in der BulleNon expedit den italienischen Katholiken aktiv oder passiv an Wahlen teilzunehmen.

Arbeit, Werdegang, Werke & Leben

1976

Werk:
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Einer schreit: Nicht! Geschichten und Gedichte. Wagenbach, Berlin (Elke Erb)

Erfolge, Titel, Orden & Ehrungen

1983

Ehrung:
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Mitgliedschaft in der National Academy of Sciences (Joan A. Steitz)

Widmungen, Jahrestage & zukünftige Ereignisse

2012

Jahreswidmungen:
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700. Jahre Päpstliche BulleVox in excelso, Verbots des Templerordens durch Papst Clemens V. am 22. März

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