Petrikirche (Riga)

Petrikirche und Mariendom
Bild: Diliff

Die Petrikirche (lett. Svētā Pētera baznīca) befindet sich im Zentrum der Rigaer Altstadt, an der Pēterbaznīcas iela. Die Petrikirche war im Mittelalter die Pfarrkirche Rigas. Es handelt sich aus architektonischer Sicht um eine große, dreischiffige Basilika, errichtet im Stil der Backsteingotik.



Inhaltsverzeichnis



Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche wurde 1209 erstmals erwähnt und diente der Gemeinde, bestehend aus Hansekaufleuten und den Handwerkerzünften, als Gotteshaus und Versammlungsort. Beim Aufstand der Stadtbevölkerung gegen den Livländischen Orden von 1297 wurde das Gebäude kurzzeitig als Waffenlager und Wachturm genutzt. Die heute ältesten erhaltenen Bauteile befinden sich im Hochchor. Dieser Bereich wurde zwischen 1406 und 1409 nach dem damaligen Zeitgeschmack auf 30 Meter Höhe (Mittelschiff) vergrößert. Die Umbauten im gotischen Stil wurden vom Rostocker Baumeister Johann Rumeschottel vorgenommen. Er fügte auch, um dem Bauwerk Stabilität zu verleihen, einen Kranz aus fünf Kapellen um den Chor hinzu. Die Rigaer Bürgerschaft befand sich in ständigem Streit mit den Rigaer Erzbischöfen um die Machtausübung in der Stadt. Dies hatte auch Einfluss auf diesen Kirchenumbau, aus politischen Gründen musste der Baubetrieb bis 1456 eingestellt werden. Erst 1473 konnte der Altarraum vollendet werden. In Konkurrenz zum Dom (Sitz des Erzbischofs) sollte hier eine bei weitem prächtigere Kirche entstehen. Der weitere Ausbau der Petrikirche wurde mit dem Turm im Jahr 1491 vollendet.

Die Petrikirche seit der Reformation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Einführung der Reformation in Riga endete dieser eigenartige Wettkampf um die prachtvollste Kirche in der Stadt. Ein erneuter Umbau erfolgte gegen Ende des 17. Jahrhunderts, als die Westfassade und die Portale im Barockstil erneuert wurden. Zugleich erneuerte man die Kirchturmspitze, sie wurde auf eine Gesamthöhe von 64,5 Meter vergrößert. Im Laufe der Zeit wurde der Turm insgesamt dreimal schwer beschädigt: er stürzte 1666 ein, wurde wiederaufgebaut, doch schon 1677 vernichtete ein Stadtbrand diesen Neubau, und zuletzt trafen am 29. Juni 1941 Artilleriegeschosse die Kirche, wodurch diese ausbrannte und der Turm erneut einstürzte.

Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wiederaufbau begann 1973. Dabei wurde ein elektrischer Aufzug eingebaut, der Besucher auf die zweite Galerie des Turmes in 72 Metern Höhe bringt. Heute ist der Dachstuhl des Turmes zur Vermeidung weiterer Brände aus Eisen gefertigt. Der Kirchturm ähnelt dem der Deutschen Kirche (Tilsit), der Marienkirche (Zwickau) und der Hauptkirche Sankt Katharinen (Hamburg).

Beim Neubau wurde in 51 Meter Höhe wieder eine Turmuhr eingebaut. Sie gleicht dem Vorgängerwerk von 1746 und spielt alle drei Stunden eine lettische Volksweise.

Seit 2011 wird die Rekonstruktion der barocken Kloosen-Orgel von 1734 als deutsch-lettisches Gemeinschaftsprojekt geplant.



Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der an der Westseite des Kirchenschiffs aufragende Turm grenzt unmittelbar an die Herrenstraße (lett. Kungu iela) und den anschließenden Rathausplatz mit dem Schwarzhäupterhaus und der Rolandsstatue. Die östliche Seite grenzt an den Konventhof, eines der ältesten Gebäude von Alt-Riga.



Mae[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Turmhhe: 120.7 m (frher 130 m)
  • Gesamtlnge: 78.8 m
  • Grte Breite: 34.9 m
  • Innenhhe des Mittelschiffs: etwa 30 m
  • Innenhhe der Seitenschiffe: 15 m


berliefertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei jedem Wiederaufbau wurde ein Glas von der Turmspitze geworfen. Die Anzahl der Scherben, in die das Glas zerbricht, soll die Jahrhunderte symbolisieren, die der Turm stehen bleiben wird. Beim zweiten Wiederaufbau fiel das Glas in einen Strohhaufen und zerbrach in nur zwei Teile. Beim letzten Wiederaufbau 1973 zerfiel das Glas in unzählige Teile. Man sagt deshalb, dass die Petrikirche nun bis in alle Ewigkeit stehen wird.



Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jochen Knnecke, Vladislav Rubzov: Lettland. In: DuMont Kunstreisefhrer. DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2005, ISBN 3-7701-6386-9, Riga, S.77.
  • Marianne Mehling (Hrsg.): Knaurs Kulturfhrer in Farbe. Estland, Lettland, Litauen. Droemer Knaur, Mnchen 1993, ISBN 3-426-26608-3, Riga, Kirchen, S.129.
  • Eva Gerberding, Ilze Gul?nz, Eva Kuhn: Baltikum. Litauen, Lettland, Estland. In: DuMont Kunstreisefhrer. DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2005, ISBN 3-7701-3368-4, Riga, S.167.
  • Baltikum. Litauen, Lettland, Estland. In: Karl-Baedeker-Verlag (Hrsg.): Allianz Reisefhrer Baedeker. Baltikum. Karl Baedeker, Ostfildern 2005, ISBN 3-8297-1052-6, Riga, S.296.


Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]



Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ?Eine Orgel fr Riga, abgerufen am 1. Juli 2017.

56.947524.109333333333Koordinaten: 56° 56′ 51″ N, 24° 6′ 34″ O

Die Petrikirche (lett. Svētā Pētera baznīca) befindet sich im Zentrum der Rigaer Altstadt, an der Pēterbaznīcas iela. Die Petrikirche war im Mittelalter die Pfarrkirche Rigas. Es handelt sich aus architektonischer Sicht um eine große, dreischiffige Basilika, errichtet im Stil der Backsteingotik.

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Kunst & Kultur

1209

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Erstmalige Erwähnung der RigaerPetrikirche

Geboren & Gestorben

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Leonhard von Berckholtz wird in Riga, getauft in der Rigaer St.-Petri-Kirche geboren. Gabriel Leonhard von Berckholtz war ein baltischer Edelmann und reicher Kaufmann in Riga.

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