Richter

Ein Richter (Lehnübersetzung aus lat.rector „Leiter“, „Führer“) ist der Inhaber eines öffentlichen Amtes bei einem Gericht, der Aufgaben der Judikatur (Rechtsprechung) wahrnimmt. Abhängig von Ort und Zeit in der Geschichte ist das Amt des Richters mit unterschiedlichsten Anforderungen, Rechten, Pflichten und Privilegien verbunden.



Geschichte




Als Ausdruck der Vertretung staatlicher Gewalt ist das Amt des Richters verknüpft mit dem Begriff des Staates an sich. Bereits seit Urzeiten wird es Menschen gegeben haben, die aufgrund einer ihnen zugeschriebenen Autorität Streit zwischen anderen Menschen geschlichtet haben. Erst mit der Entwicklung einer organisierten Staatsstruktur ergab sich indessen die Tätigkeit des Richters als Amt.Eines der ersten Zeugnisse eines solchen Richteramts stammt – in Form des Codex Hammurapi – aus dem 18. Jahrhundert v. Chr. und Babylon. Der Codex, eine in Stein gemeißelte Gesetzessammlung, beauftragt zu seiner Durchsetzung Richter und auferlegt ihnen detaillierte Anweisungen zur Rechtsprechung. Das Amt des Richters wurde durch den Statthalter oder den König selbst wahrgenommen. Im Römischen Reich gehörte die Praetur, deren Inhaber für die Gerichtsbarkeit in Rom zuständig waren, zum Cursus honorum, also zur traditionellen Ämterlaufbahn römischer Politiker.Der Richter war über Jahrhunderte zumeist auch Inhaber anderweitiger Gewalt, sei es faktischer Natur (in der Person des Befehlshabers eines Heeres, wie bei der Prätur) oder in der Kombination mit Befugnissen der Rechtssetzung oder -durchsetzung. Selbst bei Richtern, die im Sinne der Arbeitsteilung ausschließlich Recht sprachen, lag die oberste Richtergewalt in der Despotie bzw. im Absolutismus von Gesetzes wegen beim Staatsoberhaupt. Er oder sie konnte alle Urteile umstoßen. Die niedere Gerichtsbarkeit wurde dennoch an lokale Verwalter (in Westeuropa zum Beispiel in der Form von Schultheiß, Vogt oder Meier) übertragen. Auch ihnen kam damit Richterstatus zu.Erst mit dem Gedanken der Gewaltenteilung, wie er von John Locke und Montesquieu formuliert wurde, entstand die Einsicht, dass Macht zu ihrer Kontrolle geteilt werden muss. Die hiermit verbundene Unabhängigkeit der Judikative von Exekutive und Legislative führte dazu, dass das Amt des Richters unabhängig von Amtsträgern der anderen Gewalten wurde.

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Erfolge, Titel, Orden & Ehrungen

2006

Preisträger:
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Christopher Weeramantry, Richter in Sri Lanka, für sein Lebenswerk zugunsten einer Kultur des Friedens; spezielle Erwähnung: Fundación para la Reconciliación (Kolumbien) (UNESCO-Preis für Friedenserziehung)

Tagesgeschehen

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Palästina: Der Machtkampf zwischen Hamas und Fatah im Gaza-Streifen verschärft sich nach einem intermediären Waffenstillstand wieder. Fast täglich kommen Politiker oder Angehörige ums Leben, zuletzt ein Richter. (dpa)
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Rom/Italien: Im Auffanglager der von tausenden afrikanischer Flüchtlinge angesteuerten italienischen Insel Lampedusa gibt es laut einem Pressebericht Schikanen und Misshandlungen der Insassen. So hätten Aufseher illegalen Einwanderern befohlen, sich vor anderen nackt auszuziehen, berichtete das Magazin „L'Espresso“. Moslems seien von Wachen gezwungen worden, sich Pornos auf einem Mobiltelefon anzusehen. Die Hygiene-Bedingungen in dem Lager seien unzureichend. Keiner der Lagerinsassen sei zudem einem Richter vorgeführt worden, was nach dem italienischen Recht verpflichtend wäre.
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Bogotá/Kolumbien: Die kolumbianische Regierung will mit der Einführung der Quickie-Scheidung die Gerichte des Landes entlasten. Trennungswillige Paare könnten sich künftig innerhalb von 30 Minuten auf dem Standesamt scheiden lassen, ohne dass ein Richter eingeschaltet werden müsse, teilten die Behörden am Sonntag mit. Dies gelte aber nur, wenn die Paare keine kleinen Kinder haben und wenn die Partner im Einvernehmen auseinandergehen wollen. Die Prozedur kostet umgerechnet etwa zwölf Euro.
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Hamburg/Deutschland. Der am 19. Februar 2003 vom Hamburger Oberlandesgericht zu 15 Jahren Haft verurteilte Mounir al-Motassadeq kommt unter Auflagen auf freien Fuß. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Urteil wegen mangelhafter Beweiswürdigung aufgehoben und verwies es zur Revisionsverhandlung nach Hamburg zurück. Dort setzen die Richter den Haftbefehl nach dreitägigen Beratungen vorläufig außer Vollzug. Der 30-jährige Marokkaner saß seit November 2001 in Untersuchungshaft.

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