Schauprozess

Als Schauprozesse werden im Allgemeinen öffentliche Gerichtsverfahren bezeichnet, bei denen die Verurteilung des Beklagten bereits im Vorhinein feststeht. Der Prozess wird somit nur zur Wahrung des Anscheins einer gewissen Rechtsstaatlichkeit oder auch aus politischen Gründen durchgeführt, wozu propagandistische Zwecke oder die öffentliche Herabwürdigung und Demütigung eines Angeklagten gehören können. Schauprozesse werden unter anderem als Mittel zur Verfolgung politischer Gegner oder anderer unerwünschter Personen eingesetzt und sind ein Merkmal undemokratischer Regierungsformen. Ein verwandtes Phänomen ist der Geheimprozess.

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Geboren & Gestorben

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Gestorben: Hermann Wohlgethan stirbt in Potsdam. Hermann Wohlgethan war ein ehemaliger Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, der in der DDR Vorsitzender Richter am Landgericht Potsdam und Oberrichter des Bezirksgerichtes Potsdam war und dem die Führung von Schauprozessen in den 1950er Jahren in der DDR vorgeworfen wird.
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Gestorben: Rudolf Pernický stirbt in Prag. Rudolf Pernický war ein tschechoslowakischer Fremdenlegionär, Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besatzungsmacht und die Machtübernahme der Kommunisten, Opfer eines Schauprozesses und Generalmajor i.R..
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Gestorben: Ken Saro-Wiwa stirbt in Port Harcourt, hingerichtet. Kenule Beeson Saro-Wiwa, genannt Ken Saro-Wiwa war ein nigerianischer Bürgerrechtler, Schriftsteller und Fernsehproduzent. Er gründete die Movement for the Survival of the Ogoni People (MOSOP) und war Träger des Right Livelihood Awards („Alternativer Nobelpreis“). Am 31. Oktober 1995 wurde er in einem Schauprozess mit acht weiteren Bürgerrechtlern zum Tode verurteilt und zehn Tage später hingerichtet.
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Gestorben: Hilde Benjamin stirbt in Ost-Berlin. Hilde Benjamin, geb. Lange, war eine deutsche Rechtsanwältin und nach dem Zweiten Weltkrieg in der DDR Justizministerin und Vorsitzende Richterin in einer Reihe von politischen Schauprozessen während des Kalten Krieges in den 1950er Jahren.
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Gestorben: Wolfgang Diewerge stirbt in Essen. Wolfgang Diewerge war ein nationalsozialistischer Propagandist in Joseph Goebbels’ Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda. Sein Spezialgebiet war die antisemitische Öffentlichkeitsarbeit, vor allem im Zusammenhang mit Prozessen im Ausland, die sich propagandistisch verwerten ließen. Er spielte auch eine wesentliche Rolle bei der Vorbereitung eines Schauprozesses gegen Herschel Grynszpan, dessen Attentat auf einen deutschen Botschaftsmitarbeiter in Paris von den Nationalsozialisten als Auslöser der Novemberpogrome 1938 genutzt worden war. In Millionenauflage erschienen 1941 seine Pamphlete zum so genannten Kaufman-Plan und zur Sowjetunion. Nach dem Krieg gelang Diewerge über die FDP Nordrhein-Westfalen ein erneuter Einstieg in die Politik. Durch das Eingreifen der britischen Besatzungsbehörden sowie einer Kommission des Bundesvorstandes der FDP wurde dieses Intermezzo jedoch abrupt beendet. 1966 wurde Diewerge aufgrund seiner unter Eid getätigten Aussagen über den von den Nationalsozialisten geplanten Grynszpan-Prozess wegen Meineids verurteilt. Schließlich war er als Geschäftsführer zweier Vereine in die Flick-Spendenaffäre verwickelt.

Europa

1804

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15. März: Auf Befehl Napoleon Bonapartes wird der französische Herzog Louis Antoine Henri de Bourbon-Condé, duc d'Enghien aus dem badischen Ettenheim in einem Kommandounternehmen nach Frankreich entführt. Um ein Exempel an den Bourbonen zu statuieren, wird der Herzog nach einem Schauprozess wegen angeblichen Hochverrats sechs Tage später hingerichtet.

Politik & Weltgeschehen

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In der Tschechoslowakei kommt es zu Schauprozessen gegen parteiinterne Gegner von Ministerpräsident Gottwald. Es kommt zu elf Todesurteilen u.a. gegen Rudolf Slánský.

1793

Ereignisse > Politik und Weltgeschehen:
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In Paris werden 21 Girondisten, nach einem Schauprozess vor dem Revolutionstribunal eine Woche zuvor, durch die Guillotine hingerichtet. (31. Oktober)

Rundfunk, Film & Fernsehen

1956

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Film: Der Teufelskreis ist ein deutscher Spielfilm der DEFA von Carl Balhaus aus dem Jahr 1956. Er behandelt den Reichstagsbrand und anschließenden Schauprozess im Jahr 1933.

Stab:
Regie: Carl Balhaus
Drehbuch: Carl Balhaus
Produktion: DEFA
Musik: Günter Klück
Kamera: Hans Hauptmann
Schnitt: Ursula Kahlbaum

Besetzung: Jochen Brockmann, Kurt Steingraf, Erika Dunkelmann, Horst Naumann, Irma Münch, Fred Delmare, Paul-Joachim Schneider, Hans-Peter Thielen, Horst Koch, Albert Garbe, Peter Herden, Harry Hindemith, Herbert Köfer, Gerry Wolff, Ernst Kahler, Siegfried Weiß, Rolf Ludwig, Wolf Goette, Heinz Kögel, Heinrich Gies, Günther Grabbert, Günther Ballier, Hermann Staudt

Arbeit, Werdegang, Werke & Leben

1977

Werk:
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? Fritz Keller, Emmy Rosdolsky: 40 Jahre Trotzkistenprozesse in Wien. In: Gruppe Revolutionäre Marxisten (Hrsg.): rotfront. Nr. 8–9, Wien (Emily Rosdolsky)

1954

Politische Karriere:
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Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KSČ), hier dann Mitglied einer Kommission, welche die politischen Schauprozesse überprüfen sollte (Michal Bakuľa)

Tagesgeschehen

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Bagdad/Irak: Der frühere Diktator Saddam Hussein muss sich zweieinhalb Jahre nach seinem Sturz vor einem Sonder-Tribunal für mutmaßliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Mit ihm sind sieben führende Mitglieder der Baath-Partei angeklagt. Erster Anklagepunkt ist ein Massaker in der Stadt Dedscheel. Dort waren 1982 nach einem missglückten Attentat auf Saddam 143 Männer und Jungen hingerichtet worden. Weitere zwölf Anklagen reichen vom Giftgasangriff in der kurdischen Stadt Halabdscha (1988) bis hin zum Massenmord an zehntausenden Schiiten nach deren Aufstand 1991. Die irakische Öffentlichkeit beachtet den unter strengster Geheimhaltung abgehaltenen Prozess relativ wenig, da man ihn als Schauprozess der USA interpretiert. Größer ist das Interesse hingegen in den Nachbarländern.

1988

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Tagesgeschehen > Mittwoch, 19. Oktober: Bagdad/Irak: Der frühere Diktator Saddam Hussein muss sich zweieinhalb Jahre nach seinem Sturz vor einem Sonder-Tribunal für mutmaßliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Mit ihm sind sieben führende Mitglieder der Baath-Partei angeklagt. Erster Anklagepunkt ist ein Massaker in der Stadt Dedscheel. Dort waren 1982 nach einem missglückten Attentat auf Saddam 143 Männer und Jungen hingerichtet worden. Weitere zwölf Anklagen reichen vom Giftgasangriff in der kurdischen Stadt Halabdscha bis hin zum Massenmord an zehntausenden Schiiten nach deren Aufstand 1991. Die irakische Öffentlichkeit beachtet den unter strengster Geheimhaltung abgehaltenen Prozess relativ wenig, da man ihn als Schauprozess der USA interpretiert. Größer ist das Interesse hingegen in den Nachbarländern. (Oktober 2005)

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