Senioratsprinzip

Als Senioratsprinzip (ukrainischРодове право, wiss. Transliteration: Rodove pravo, russischЛествичное право, wiss. Transliteration: Lestvičnoe pravo) bezeichnet man die mittelalterliche Erbregelung zahlreicher osteuropäischer Fürsten- und Königshäuser. Anders als in Westeuropa wurde weder ein Alleinerbe eingesetzt noch das Land unter allen Erben in unabhängige Herrschaftsgebiete geteilt. Zwar fand ebenfalls eine grundsätzliche Aufteilung statt, die neuen Fürstentümer wurden den Söhnen des verstorbenen Herrschers jedoch nicht fest zugesprochen, sondern lediglich auf Zeit. Starb ein Inhaber eines Fürstentitels, rückten die übrigen Erbberechtigten auf. Im Regelfall existierte ein besonders hervorgehobenes und mächtiges Fürstentum, das meist an den ältesten Sohn fiel. Dieser hatte dann zumindest pro forma auch die Oberherrschaft über die Gebiete seiner Brüder inne, so dass der Reichsverband erhalten bleiben sollte.

Das Senioratsprinzip weist zwei große Mängel auf: Erstens starben die älteren Erbberechtigten meist zuerst, was ein Aufrücken aller übrigen auf den "nächsthöheren" Fürstentitel bedeutete. Das hatte zur Folge, dass kaum einer der Beteiligten seine Herrschaft in einem Gebiet stabilisieren konnte oder wollte, weil ja jederzeit das Aufrücken in eine bessere Position zu erwarten war. Zweitens stieg die Anzahl der Teilnehmer an diesem "Erb-Karussell" rapide an, da nicht nur die Brüder der ersten Erbengeneration, sondern bald auch ihre Söhne in das Senioratsprinzip einbezogen waren. Dies hatte eine weitere Aufsplitterung der Territorien und verschärfte Konflikte zwischen Brüdern, Onkeln und Neffen zur Folge.

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Geboren & Gestorben

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Gestorben: Maximilian vom Berge und Herrendorff stirbt in Herrndorf. Maximilian vom Berge und Herrendorff war ein preußischer Offizier, zuletzt Oberst und Senioratsherr auf Ober-Herrendorf bei Glogau.
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Geboren: Maximilian vom Berge und Herrendorff wird in Dresden geboren. Maximilian vom Berge und Herrendorff war ein preußischer Offizier, zuletzt Oberst und Senioratsherr auf Ober-Herrendorf bei Glogau.
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Gestorben: Heinrich VIII. von Ortenburg stirbt bei Fleurus, Belgien. Graf Heinrich VIII. war der Jüngste von drei Söhnen des Reichsgrafen Heinrich VII. von Ortenburg und dessen zweiter Gemahlin Johannetta, Freiin von Winneberg. Heinrich stammte aus dem bayerischen Adelshaus Ortenburg. Da er nicht erstgeborener Sohn war und im Grafengeschlecht die Senioratsnachfolge gesetzlich galt, war sein ältester Bruder Friedrich Casimir als erster Nachfolger Georgs IV. als Reichsgraf von Ortenburg erbberechtigt. Aus diesem Grund widmete sich Heinrich VIII. der Kriegskunst.
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Geboren: Heinrich VIII. von Ortenburg wird auf Burg Waldeck bei Tirschenreuth geboren. Graf Heinrich VIII. war der Jüngste von drei Söhnen des Reichsgrafen Heinrich VII. von Ortenburg und dessen zweiter Gemahlin Johannetta, Freiin von Winneberg. Heinrich stammte aus dem bayerischen Adelshaus Ortenburg. Da er nicht erstgeborener Sohn war und im Grafengeschlecht die Senioratsnachfolge gesetzlich galt, war sein ältester Bruder Friedrich Casimir als erster Nachfolger Georgs IV. als Reichsgraf von Ortenburg erbberechtigt. Aus diesem Grund widmete sich Heinrich VIII. der Kriegskunst.

Politik & Weltgeschehen

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Nach dem Tod vom Spytihněv II. wird sein jüngerer Bruder Vratislav II. nach dem Senioratsprinzip Herzog von Böhmen.

1057

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Andreas I. lässt seinen fünfjährigen Sohn Salomon zum König von Ungarn krönen. Er verstösst damit gegen das Senioratsprinzip und bringt seinen Bruder Béla gegen sich auf.

Europa

1097

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Auf dem Fürstenrat von Ljubetsch wird das Senioratsprinzip der Kiewer Rus durch die Primogenitur ersetzt.

Polen

1138

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Im Rahmen des Senioratsprinzips erfolgt die Teilung Polens unter den Söhnen Bolesław III. Schiefmund in vier Teile.

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