Thomas von Aquin

Thomas von Aquin (postumes Gemälde von Carlo Crivelli, 1476)
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Thomas von Aquin (* um 1225 auf Schloss Roccasecca bei Aquino in Italien; † 7. März 1274 in Fossanova; auch Thomas Aquinas oder der Aquinat; italienischTommaso d’Aquino) war Dominikaner und einer der einflussreichsten Philosophen und Theologen der Geschichte. Er gehört zu den bedeutendsten Kirchenlehrern der römisch-katholischen Kirche und ist als solcher unter verschiedenen Beinamen wie etwa Doctor Angelicus bekannt. Seiner Wirkungsgeschichte in der Philosophie des hohen Mittelalters nach zählt er zu den Hauptvertretern der Scholastik. Er hinterließ ein sehr umfangreiches Werk, das etwa im Neuthomismus und der Neuscholastik bis in die heutige Zeit nachwirkt. In der römisch-katholischen Kirche wird er als Heiliger verehrt.



Leben




Thomas von Aquin, auch „der Aquinat“ bzw. nur „Thomas“ genannt, wurde kurz vor oder kurz nach Neujahr 1225 im Schloss Roccasecca, von Aquino 9 km entfernt, als siebtes Kind des Grafen Landulf von Aquino und Donna Theodora, Gräfin von Teate, geboren. Mit fünf Jahren wurde er als Oblate in das Benediktinerkloster Montecassino geschickt, wo Sinibald, der Bruder seines Vaters, als Abt wirkte. Thomas’ Familie folgte damit der Tradition, den jüngsten Sohn der Familie in ein geistliches Amt zu geben. Es lag im Interesse der Familie, dass Thomas seinem Onkel nachfolgte. Von 1239 bis 1244 studierte er im Studium Generale der Universität Neapel. 1244 trat er gegen den Willen seiner Verwandten bei den Dominikanern ein, die 1215 als Bettelorden gegründet worden waren. Um Thomas dem Einfluss seiner Eltern zu entziehen, sandte der Orden ihn zunächst nach Rom und dann nach Bologna. Auf dem Weg dorthin wurde er jedoch von seinen im Auftrag der Mutter handelnden Brüdern überfallen und für kurze Zeit auf die Burg Monte San Giovanni Campano und anschließend nach Roccasecca gebracht. Von Mai 1244 bis Herbst 1245 hielt ihn seine Familie fest. Da Thomas fest in seinem Entschluss blieb, Dominikaner zu bleiben, gab die Familie nach und ließ ihn in den Dominikanerkonvent von Neapel zurückkehren.An der Universität Paris studierte er von 1245 bis 1248 bei Albertus Magnus, dem er dann nach Köln folgte. Von 1248 bis 1252 war er dort Student und Assistent des Albertus. Ab 1252 war er wieder in Paris, wo er von 1252 bis 1256 als Sentenzenbakkalareus erste eigene Lehrveranstaltungen über die Sentenzen des Petrus Lombardus hielt. Von 1256 bis 1259 lehrte er in Paris als Magister der Theologie. 1259 kehrte er nach Italien zurück und lehrte zunächst in Neapel (was allerdings nicht gesichert ist) und dann 1261 bis 1265 als Konventslektor des Dominikanerkonvents in Orvieto. Von 1265 bis 1268 war er Magister in Rom, wo er mit der Abfassung der Summa Theologiae begann. Von 1268 bis 1272 lehrte er zum zweiten Mal als Magister in Paris. In dieser Zeit entstanden besonders viele seiner Schriften, unter anderem der größte Teil der Summa Theologiae und die meisten seiner Aristoteles-Kommentare. Im Frühjahr 1272 verließ er Paris. Von Mitte 1272 bis Ende 1273 unterrichtete er als Magister in Neapel....

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Wissenschaft & Technik

1255

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Um 1255 entsteht De ente et essentia, eines der Frühwerke des Thomas von Aquin.

Kunst & Kultur

1320

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Kultur & Religion: Um die Heiligsprechung des Thomas von Aquin auch finanziell voranzutreiben, fordert das Generalkapitel der Dominikaner in Rouen alle Provinziale auf, zur nächsten Versammlung für jeden Ordensbruder einen Gulden mitzubringen.

1286

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Religion & Kultur: Pfingsten, Generalkapitel der Dominikaner in Paris: Die Verbindlichkeit des Thomismus für die Ordensmitglieder wird erhöht; sie sollen die Lehre des Thomas von Aquin verbreiten, sosehr sie können, und sie sollen ihn gegen Angriffe verteidigen.

1272

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Religion, Wissenschaft & Kultur: Thomas von Aquin verlässt den Lehrstuhl in Paris und begibt sich nach Neapel, wo er ab dem Wintersemester lehrt.

1270

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Religion & Kultur: Oktober: Thomas von Aquin wehrt sich mit der Schrift Contra doctrinam retrahentium a religione gegen persönliche und polemische Angriffe seitens Nikolaus von Lisieux, eines Schülers von Wilhelm von Saint Amour und Freund des Gerhard von Abbeville (siehe 1269).

Religion

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Das Generalkapitel der Dominikaner in Sisteron schwört die angehenden Theologiestudenten auf die Lehre des Thomas von Aquin ein.

1277

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7. März: Étienne Tempier, Bischof von Paris, verbietet insgesamt 219 das Naturgeschehen determinierende oder Bibelaussagen direkt widersprechende Lehren von Aristoteles, Averroes und (1325 widerrufen) Thomas von Aquin. Dieses Verbot gilt bald für ganz Europa nördlich der Alpen; Hochburg des Averroismus wird daraufhin Padua (s. Pariser Verurteilungen).

1273

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Thomas von Aquin beendet in Neapel seine „Summa theologica“ (begonnen 1266).

1269

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Thomas von Aquin erhält eine zweite Berufung auf einen der beiden Lehrstühle für Nichtfranzosen an der Universität Paris (bis 1272). Zu seinen Schülern gehören u. a. Petrus von Dacien (s. 1268), der das Studium generale am Konvent der Dominikaner in Köln verlässt und für ein Studienjahr nach Paris kommt, sowie der Augustiner-Eremit Aegidius Romanus (ebenfalls bis 1272). Aufgrund der im Jahr zuvor (1267) von Gerhard von Abbeville veröffentlichten Streitschrift gegen die Bettelorden schreiben Thomas von dominikanischer und Bonaventura und Johannes Peckham von franziskanischer Seite Widerlegungen, auf die Gerhard wiederum mit Repliken antwortet, was sich bis 1271 hinziehen wird.

1266

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Thomas von Aquin beginnt mit seinem Hauptwerk, der Summa theologica (bis 1273), das den Höhepunkt der Scholastik darstellt.

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