Urbanisierung

Unter Urbanisierung (lateinischurbs „Stadt“) oder Verstädterung versteht man die Ausbreitung städtischer Lebensformen. Diese kann sich einerseits im Wachstum von Städten ausdrücken (physische Urbanisierung), andererseits durch verändertes Verhalten der Bewohner von ländlichen Gebieten (funktionale Urbanisierung). Der Prozess der physischen Urbanisierung ist seit Jahrhunderten zu beobachten (in Europa vor allem im 19. Jahrhundert) und hat in den letzten Jahrzehnten in den Schwellen- und Entwicklungsländern bisher unbekannte Ausmaße angenommen. In den Industrieländern wurde die physische Urbanisierung weitgehend von der funktionalen Urbanisierung abgelöst, das heißt von der Ausbreitung städtischer Lebensformen in benachbarte, bisher ländliche Räume (Suburbanisierung).

Historisch gesehen ist eine Zunahme des Anteils der Stadtbevölkerung festzustellen. Im Jahr 2008 lebten weltweit erstmals in der Menschheitsgeschichte mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen rechnet mit 5 Milliarden Städtern im Jahr 2030. In Zukunft wird sich die Urbanisierung am stärksten in Afrika und Asien vollziehen.



Geschichte




Um 1800 lebten nur etwa 25 % der deutschen Bevölkerung in Städten und rund 75 % auf dem Land, doch dort waren die Lebensbedingungen nicht immer einfach. Durch einen enormen Bevölkerungsanstieg – ausgelöst durch sinkende Sterberaten – wurde es zunehmend schwerer, sich zu ernähren, weil es einfach nicht genügend Land für alle gab. In der Hoffnung auf bessere Lebensverhältnisse führte dies u. a. dazu, dass die Menschen zu Beginn der Industrialisierung (Anfang 19. Jahrhundert) vom ländlich geprägten Raum in die umliegenden Kleinstädte zogen, die sich dadurch schnell vergrößerten und zu massenhafter Armut führte („Pauperismus“). Während es im Jahr 1800 nur rund 80.000 Manufaktur­arbeiter gab, stieg diese Zahl von 1800 bis 1910 auf das 100-fache (8 Millionen). Das Bevölkerungswachstum der Städte des späteren Deutschen Reiches entwickelte sich dabei erst nach 1850 überdurchschnittlich – vorgängig war schon seit den 1740er Jahren die Bevölkerungsvermehrung auf dem Lande gewesen.Dieser einer Völkerwanderung ähnliche Prozess brachte viele Folgen mit sich. Unter den Menschen, die in den großen Städten ihr Glück suchten, waren viele landlose Arbeiter und verarmte Kleinbauern. Diese beiden Gruppen bildeten zusammen die neue soziale Klasse des Industrieproletariats. Obwohl sie rechtlich frei waren, verfügten sie jedoch nicht über eigene Produktionsmittel (Maschinen, Geräte etc.), daher mussten sie als Lohnarbeiter versuchen, ihre Familie zu ernähren, was jedoch angesichts der niedrigen Löhne schier unmöglich war. Diese schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen führten kurz darauf zur „sozialen Frage“.In weiten Teilen Südeuropas erreichte die Landbevölkerung erst im ausgehenden 19. oder in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Hier waren es vor allem die Reblaus­krise im Weinbau sowie die zunehmende Mechanisierung der Landwirtschaft und der daraus resultierende Verlust an Arbeitsplätzen, welche die Abwanderung der Menschen in die Städte oder die Auswanderung nach Amerika bzw. nach Australien auslösten.

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Geboren & Gestorben

1948

Geboren:
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Omar Akbar wird in Kabul geboren. Omar Akbar ist Professor für Architekturtheorie. Nach dem Tod der Mutter kam seine Familie 1960 nach Deutschland; sein Vater promovierte in Stuttgart. Omar Akbar studierte an der TU Berlin Architektur und Stadtplanung/Urbanistik. Seine Diplomarbeit 1976 behandelte den Prozess der Urbanisierung in Entwicklungsländern am Beispiel von Indien. In seiner Doktorarbeit 1981 untersuchte Akbar islamische Wohnviertel.

Arbeit, Werdegang, Werke & Leben

1990

Werk:
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Verelendung und Urbanisierung in der Dritten Welt. Der Fall Lima/Peru, Breitenbach, Saarbrücken (Gerhard Stapelfeldt)

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