Völkermord in Ruanda

Als Völkermord in Ruanda werden umfangreiche Gewalttaten in Ruanda bezeichnet, die am 6. April 1994 begannen und bis Mitte Juli 1994 andauerten. Sie kosteten circa 800.000 bis 1.000.000 Menschen das Leben, die niedrigsten Schätzungen gehen von mindestens 500.000 Toten aus. In annähernd 100 Tagen töteten Angehörige der Hutu-Mehrheit etwa 75 Prozent der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit sowie moderate Hutu, die sich am Völkermord nicht beteiligten oder sich aktiv dagegen einsetzten. Die Täter kamen aus den Reihen der ruandischen Armee, der Präsidentengarde, der Nationalpolizei (Gendarmerie) und der Verwaltung. Zudem spielten die Milizen der Impuzamugambi sowie vor allem der Interahamwe eine besonders aktive Rolle. Auch weite Teile der Hutu-Zivilbevölkerung beteiligten sich am Völkermord. Der Genozid ereignete sich im Kontext eines langjährigen Konflikts zwischen der damaligen ruandischen Regierung und der Rebellenbewegung Ruandische Patriotische Front (RPF).

Im Verlauf und im Nachgang der Ereignisse wurden die Vereinten Nationen (UN) und Staaten wie die USA, Großbritannien und Belgien wegen ihrer Untätigkeit kritisiert. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, aus welchen Gründen eine frühzeitige humanitäre Intervention nicht erfolgte, beziehungsweise warum die vor Ort stationierten Friedenstruppen der Vereinten Nationen, die United Nations Assistance Mission for Rwanda (UNAMIR), bei Ausbruch der Gewalt nicht gestärkt, sondern verkleinert wurden. Gegen Frankreich wurde überdies der Vorwurf erhoben, sich an den Verbrechen beteiligt zu haben.

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Geboren & Gestorben

1972

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Geboren: Immaculée Ilibagiza wird geboren. Immaculée Ilibagiza ist eine ruandische Schriftstellerin. Sie gehört zur Volksgruppe der Tutsi und ist römisch-katholisch. Ihr erstes Buch Left to Tell: Discovering God Amidst the Rwandan Holocaust (engl. Geblieben, um zu erzählen: Gott entdecken inmitten des ruandischen Holocaust) aus dem Jahre 2006 ist ein autobiographisches Werk, in dem sie detailliert beschreibt, wie sie den Völkermord in Ruanda überlebte. Bis auf ihren ältesten Bruder Aimable wurde ihre gesamte Familie (Mutter, Vater und zwei Brüder) ermordet.

1961

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Geboren: Philip Gourevitch wird in Philadelphia, Pennsylvania geboren. Philip Gourevitch ist ein US-amerikanischer Autor und Journalist, Redakteur des The Paris Review und Autor des New Yorker. Bekannt wurde er mit seinem ersten Buch Wir möchten Ihnen mitteilen, daß wir morgen mit unseren Familien umgebracht werden, welches den Völkermord in Ruanda von 1994 behandelt.

1959

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Geboren: Bernard Munyagishari wird geboren. Bernard Munyagishari ist ein ruandischer, mutmaßlicher Kriegsverbrecher. Er wurde wegen seiner Rolle während des Völkermords in Ruanda vom Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda (ICTR) gesucht und schließlich am 25. Mai 2011 in Nord-Kivu gefasst.
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Geboren: Esther Mujawayo wird in Taba-Gitarama, Ruanda geboren. Esther Mujawayo ist Soziologin, Traumatherapeutin und Autorin aus Ruanda. Sie ist Mitgründerin von AVEGA (Association des Veuves du Genocide d'Avril), der Assoziation der Witwen des Genozids vom April 1994.

1958

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Geboren: Thomas Mazimpaka wird in Nkamba geboren. Thomas Mazimpaka ist ein Ruander, der auf Grund seiner Zugehörigkeit zur Ethnie der Tutsi durch den sich abzeichnenden Völkermord in Ruanda zur Flucht gezwungen wurde und 1991 einen Asylantrag in Deutschland stellte. Hier machte er mit seinem Buch Ein Tutsi in Deutschland (1999 vom WDR unter dem Namen Ein Tutsi in Dresden verfilmt) auf die seiner Meinung nach menschenunwürdige Behandlung der Asylbewerber durch die Behörden und den seiner Ansicht nach weitverbreiteten Rassismus in Deutschland aufmerksam. 1994 übernahm eine Tutsi-geführte Armee die Macht in Ruanda und vertrieb die Völkermörder. 1998 zog Thomas Mazimpaka seinen Asylantrag zurück und gründete in Ruanda die Initiative „Hilfe für Waisenkinder“.

Wissenschaft & Technik

1408

Ereignisse > Wissenschaft und Technik:
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Der Altstadtmarktbrunnen in Braunschweig wird gegossen. (24. November)

Die Großen Flüchtlingsströme der letzten Jahrzehnte

1994

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Bürgerkrieg und Völkermord in Ruanda lösten die Flucht von 2 Mill. Ruander in die Nachbarländer aus. (Flüchtlingsstrom)

Ereignisse

1994

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Der Völkermord in Ruanda kostet zirka 800.000 bis 1.000.000 Menschenleben. (1990er)

Völkermorde in der Geschichte

1994

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Völkermord in Ruanda : In annähernd 100 Tagen töteten Angehörige der Hutu-Mehrheit 800.000, also etwa 75 Prozent der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit sowie moderate Hutu, die sich am Völkermord nicht beteiligten oder sich aktiv dagegen einsetzten.

Politik & Weltgeschehen

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Hutu-Soldaten beginnen in Ruanda damit, das Massaker von Nyarubuye unter den Tutsi anzurichten. Einschließlich des folgenden Tages sterben bis zu etwa 2000 Menschen in der Stadt bei diesem Akt des Völkermords.
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Das Flugzeug mit dem ruandischen Staatspräsidenten Juvénal Habyarimana und dem burundischen Staatspräsident Cyprien Ntaryamira an Bord wird beim Landeanflug auf Kigali abgeschossen -der Völkermord in Ruanda beginnt

Erfolge, Titel, Orden & Ehrungen

2003

Ehrung:
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Adolf-Grimme-Preis für Buch und Regie von Der Mörder meiner Mutter. Eine Frau will Gerechtigkeit über das Schicksal von Eugénie Musayidire im Ruandavölkermord. (Martin Buchholz (Journalist und Liedermacher))

Tagesgeschehen

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Arusha/Tansania: Der Internationale Strafgerichtshof für Ruanda verurteilt den ehemaligen ruandischen Planungsminister Augustin Ngirabatware wegen seiner Beteiligung am Völkermord an den Tutsi zu 35 Jahren Haft.
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Paris/Frankreich: Fast 18 Jahre nach dem Völkermord in Ruanda kommt ein Untersuchungsbericht zu dem Ergebnis, dass der damalige Präsident Juvénal Habyarimana durch eine Rakete aus dem eigenen Lager getötet wurde, was unmittelbar zum Genozid führte.
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Arusha/Tansania: Der Internationale Strafgerichtshof für Ruanda verurteilt den früheren General Augustin Bizimungu wegen Völkermordes zu 30 Jahren Haft.
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Arusha/Tansania: Der Internationale Strafgerichtshof für Ruanda verurteilt Théoneste Bagosora als einer der Organisatoren des Völkermordes in Ruanda zu lebenslanger Haft.

Rundfunk, Film & Fernsehen

2005

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Film: Shooting Dogs (zu Deutsch etwa „Hunde erschießen“; im Fernsehen auch als Mord unter Zeugen bekannt) ist ein britisch-deutscher Spielfilm aus dem Jahre 2005. Er beschreibt die ersten Tage des Völkermordes in Kigali, Ruanda, beginnend mit dem 7. April 1994, und damit einhergehend das Versagen der Unterstützungsmission der Vereinten Nationen für Ruanda (UNAMIR) -sowie die unrühmliche Rolle des UN-Sicherheitsrates.

Stab:
Regie: Michael Caton-Jones
Drehbuch: David Wolstencroft (Drehbuch)Richard Alwyn David Belton (Story)
Produktion: Jens Meurer David Belton Pippa Cross
Musik: Dario Marianelli
Kamera: Ivan Strasburg
Schnitt: Christian Lonk

Besetzung: John Hurt, Hugh Dancy, Dominique Horwitz, Claire-Hope Ashitey, Susan Nalwoga, Steve Toussaint

2005

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Film: Als das Morden begann ist ein Film des Regisseurs Raoul Peck aus dem Jahre 2005. Er erzählt die Geschichte zweier Brüder während und nach dem Völkermord in Ruanda, zum Teil an denselben Orten wie der Film Hotel Ruanda, etwa dem Hôtel des Mille Collines.

Stab:
Regie: Raoul Peck
Drehbuch: Raoul Peck
Produktion: Raoul PeckJoel Stillerman
Musik: Bruno Coulais
Kamera: Eric Guichard
Schnitt: Jacques Comets

Besetzung: Idris Elba, Debra Winger, Pamela Nomvete, Carole Karemera

2004

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Film: Hotel Ruanda ist ein Spielfilm aus dem Jahr 2004 von Terry George über den Völkermord in Ruanda an den Tutsi und an gemäßigten Hutu im Jahre 1994. Der Film beruht auf der wahren Geschichte von Paul Rusesabagina, der über 1200 Menschen vor dem sicheren Tod rettete.

Stab:
Regie: Terry George
Drehbuch: Keir Pearson
Terry George
Produktion: Nicolas Meyer Izidore Codron
Musik: Andrea Guerra Rupert Gregson-Williams
Kamera: Robert Fraisse
Schnitt: Naomi Geraghty

Besetzung: Don Cheadle, Sophie Okonedo, Nick Nolte, Joaquin Phoenix, Cara Seymour, Jean Reno, Fana Mokoena, Hakeem Kae-Kazim

2004

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Film: Shake Hands with the Devil -The Journey of Roméo Dallaire ist ein kanadischer Dokumentarfilm aus dem Jahr 2004 mit Roméo Dallaire. Thema ist die Aufarbeitung des Völkermords in Ruanda im Jahr 1994, der mit Archivmaterial in Rückblicken veranschaulicht wird.

Stab:
Regie: Peter Raymont
Drehbuch: basierend auf dem Buch von Roméo Dallaire
Produktion: Peter Raymont
Musik: Mark Korven
Kamera: John Westheuser
Schnitt: Michèle Hozer

Besetzung: Roméo Dallaire

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