Völkerwanderung

In der historischen Forschung wird als sogenannte Völkerwanderung im engeren Sinne die Migration vor allem germanischer Gruppen in Mittel- und Südeuropa im Zeitraum vom Einbruch der Hunnen nach Europa circa 375/376 bis zum Einfall der Langobarden in Italien 568 bezeichnet. Die Völkerwanderungszeit fällt in die Spätantike und bildet für die Geschichte des nördlichen Mittelmeerraums sowie West- und Mitteleuropas ein Bindeglied zwischen der klassischen Antike und dem europäischen Frühmittelalter, da man sie beiden Epochen zurechnen kann.

Die spätantike Völkerwanderung stellt allerdings keinen einheitlichen, in sich abgeschlossenen Vorgang dar. Vielmehr spielten bei den Wanderungsbewegungen der zumeist heterogen zusammengesetzten Gruppen unterschiedliche Faktoren eine Rolle, wobei in der neueren historischen und archäologischen Forschung viele Aspekte der Völkerwanderung äußerst unterschiedlich bewertet werden. Zentral für die Diskussion sind dabei die Fragen, ob der Zerfall des Weströmischen Reiches Folge oder vielmehr Ursache der „Völkerwanderungen“ war und ob damals tatsächlich „Völker“ umherzogen oder vielmehr Kriegerverbände auf der Suche nach Beute und Versorgung (annona) waren. In der modernen Forschung wird der Begriff „Völkerwanderung“ zunehmend kritisch gebraucht, da nach heutiger Einschätzung das Bild von „wandernden Völkern“ nicht haltbar ist und vielen Gelehrten mittlerweile als widerlegt gilt (siehe auch Ethnogenese) bzw. die Vorstellung einer Völkerwanderung grundsätzlich als „Forschungsmythos“ verworfen wird.

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Geboren & Gestorben

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Gestorben: Herbert Kühn stirbt in Mainz. Herbert Kühn war ein bedeutender deutscher Prähistoriker, Religionswissenschaftler, Kunsthistoriker und Philosoph, der eine Stillehre der prähistorischen Kunst vorgelegt und sich insbesondere um die Erforschung der Felsbildkunst (Höhlenmalereien) und Archäologie der Völkerwanderungszeit verdient gemacht hat. Lange Zeit galt er als einer der besten Kenner der Kultur der letzten Eiszeit und ihrer künstlerischen Hinterlassenschaften.
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Geboren: Herbert Kühn wird in Beelitz, Kr. Potsdam geboren. Herbert Kühn war ein bedeutender deutscher Prähistoriker, Religionswissenschaftler, Kunsthistoriker und Philosoph, der eine Stillehre der prähistorischen Kunst vorgelegt und sich insbesondere um die Erforschung der Felsbildkunst (Höhlenmalereien) und Archäologie der Völkerwanderungszeit verdient gemacht hat. Lange Zeit galt er als einer der besten Kenner der Kultur der letzten Eiszeit und ihrer künstlerischen Hinterlassenschaften.
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Geboren: Ludwig Schmidt wird in Dresden geboren. Ludwig Schmidt war ein deutscher Historiker, dessen Werke zur Völkerwanderungszeit, obwohl teilweise problematisch, einen wichtigen Beitrag zur Erforschung dieser Zeit darstellen.
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Gestorben: Theoderich der Große stirbt in Ravenna, Italien. Theoderich, genannt der Große war ein König der Ostgoten aus dem Geschlecht der Amaler. Theoderich, der als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Völkerwanderungszeit gilt, fungierte auch zeitweise als Herrscher der Westgoten und herrschte nach seinem Sieg über Odoaker in Italien.

451 n. Chr.

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Geboren: Theoderich der Große wird /56 in Pannonien geboren. Theoderich, genannt der Große war ein König der Ostgoten aus dem Geschlecht der Amaler. Theoderich, der als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Völkerwanderungszeit gilt, fungierte auch zeitweise als Herrscher der Westgoten und herrschte nach seinem Sieg über Odoaker in Italien.

Politik & Weltgeschehen

429 n. Chr.

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Mai: Völkerwanderung: Die hasdingischen Vandalen setzen zusammen mit den Silingen und Alanen unter König Geiserich vom Süden der Iberischen Halbinsel aus nach Nordafrika über und erobern in den folgenden Jahren die dortigen römischen Provinzen. Insgesamt handelt es sich um 15.000-20.000 Krieger und deren Familien.

375 n. Chr.

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Der Hunnensturm leitet die große Völkerwanderung ein.

Ereignisse

568 n. Chr.

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Einfall der Langobarden in Italien (markiert das Ende der Zeit der Völkerwanderung). (6. Jahrhundert)

376 n. Chr.

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Völkerwanderung: Die Westgoten unter Fritigern flüchten vor den Hunnen ins Römische Reich (vgl. Gotenkrieg (376–382)).

Allgemeiner Überblick > Zeitleiste

568 n. Chr.

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Einfall der Langobarden in Oberitalien. Ende der Völkerwanderungszeit.

507 n. Chr.

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Der Westgotenkönig unterliegt den Franken, die nun den Südwesten Galliens besetzen.

489 n. Chr.

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Der Ostgote Theoderich fällt in Italien ein und errichtet ein eigenes Königreich.

476 n. Chr.

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Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustulus durch den germanischen Heerführer Odoaker und Untergang des Westreichs. Bis 480 hält sich der 475 aus Italien geflüchtete Julius Nepos in Dalmatien. In Gallien behauptet sich die von Aegidius errichtete gallo-römische Enklave noch bis 486.

468 n. Chr.

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Gescheiterte Invasion des Vandalenreichs durch west- und oströmische Truppen.

Archäologische Forschung

1994

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Völkerwanderungszeitliche Siedlung in Hanau-Mittelbuchen (Peter Jüngling)

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