Vytautas Landsbergis

Vytautas Landsbergis?/i (* 18. Oktober 1932 in Kaunas) ist ein litauischer konservativer Politiker und Musikwissenschaftler, von 1978 bis 1990 Professor an der Lietuvos muzikos akademija in Vilnius. Er war als Vorsitzender des provisorischen Parlaments (Seimas) das erste Staatsoberhaupt Litauens nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit 1990. Er war später Parlamentspräsident und bis 2014 Mitglied des Europäischen Parlaments.

Vytautas Landsbergis
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Inhaltsverzeichnis



Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vytautas Landsbergis ist einer von zwei Söhnen einer großbürgerlichen Familie. Sein Vater Vytautas Landsbergis-Žemkalnis (1893–1993) arbeitete bis zum Zweiten Weltkrieg als Chefarchitekt in Kaunas. Seine Mutter war Ona Jablonskytė-Landsbergienė (1894–1957), Oftalmologin. Sein Bruder ist Gabrielius Žemkalnis-Landsbergis (* 1929), Journalist in Australien.

Vytautas Landsbergis ist verheiratet. Seine Frau ist Gražina Ručytė-Landsbergienė (* 1930), Pianistin und Musikpädagoge, Professorin an der Litauischen Musik- und Theaterakademie.

Die Tochter ist Birutė Landsbergytė-Cechanavičienė (* 1960), Musikologin. Der Sohn ist Vytautas V. Landsbergis (* 1962), Regisseur, Autor. Der Enkel ist Gabrielius Landsbergis (* 1982), Politiker und ehemaliger Diplomat.



Ausbildung und Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vytautas Landsbergis lernte am Aušros-Gymnasium Kaunas und absolvierte danach Juozas-Gruodis-Konservatorium in Kaunas. Nach dem Abitur absolvierte er von 1950 bis 1955 das Diplomstudium des Klaviers am Staatskonservatorium Litauens in Vilnius und arbeitete zunächst als Klavierlehrer in der Čiurlionis-Kunstschule, lehrte an der Lietuvos valstybinė konservatorija (LVK), an der Fakultät der LVK in Klaipėda und am Vilniaus pedagoginis institutas. 1969 promovierte er mit einer Arbeit über Leben und Werk des Komponisten und Malers Mikalojus Konstantinas Čiurlionis, 1994 habilitierte er. Am Staatskonservatorium lehrte er als Dozent für Musikgeschichte und Klavier. Er schuf sich einen Ruf als angesehener Musikwissenschaftler und Experte für das kompositorische und malerische Werk des litauischen Nationalhelden Čiurlionis. Bereits in dieser Arbeit kam seine Verbundenheit mit der litauischen Heimat zum Ausdruck. 1987 gehörte er zu den Begründern der Čiurlionis-Gesellschaft, die sich die Bewahrung des kulturellen Erbes dieses bedeutendsten litauischen Komponisten zur Aufgabe gemacht hat. In den 50er Jahren nahm Landsbergis mehrmals an den litauischen Schachmeisterschaften teil.



Vorsitzender der S?j?dis-Bewegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vytautas Landsbergis ist einer der Begründer der litauischen Unabhängigkeitsbewegung Sąjūdis. Auf dem Gründungskongress wurde er am 22. Oktober 1988 zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Klein von Statur und im Auftreten wie ein typischer Wissenschaftler wirkend, erwies sich Landsbergis als gewiefter Stratege, der die weitere Entwicklung scharfsinnig voraussah.

Seine rhetorische Brillanz und Schärfe machten ihn zu einem starken Gegenspieler der gewandelten kommunistischen Partei Litauens (KPL) unter Algirdas Brazauskas. Landsbergis führte Sąjūdis zu überlegenen Siegen bei den Wahlen zum Kongress der Volksdeputierten der Sowjetunion im April 1989 und bei den ersten freien Parlamentswahlen (der Seimas) am 24. Februar 1990.

Konzert und Ausstellung mit Vytautas Landsbergis zum Thema "Mikalojus Konstantinas Ciurlionis – Komponist" in Sanok (2013).
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Politiker im unabhngigen Litauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das neu gewählte Parlament wählte Landsbergis zu seinem Vorsitzenden. Als am 11. März 1990 die Unabhängigkeit Litauens für wiederhergestellt erklärt und die Verfassung der Ersten Republik (1920–1940) wieder in Kraft gesetzt wurde, wurde Landsbergis kraft seines Amtes kommissarisches Staatsoberhaupt Litauens bis zur Inkraftsetzung einer neuen Verfassung. Während des Jahres 1990, das durch zunehmende Spannungen mit der sowjetischen Führung unter Michail Gorbatschow gekennzeichnet war (u. a. Rohstoffblockade im April und Mai 1990), verfocht Landsbergis eine harte Linie, bei der die Unabhängigkeit Litauens als unverrückbar angesehen wurde und auch kein Moratorium denkbar war.

Nachdem die Wahlen 1992 mit einer Niederlage der konservativen Parteien und einem Sieg der Reformkommunisten endeten, trat Landsbergis zunehmend in den Schatten von Algirdas Brazauskas. Im Jahr 1996, als die Reformkommunisten in Parlamentswahlen eine turnusmäßige Niederlage erlitten, wurde Landsbergis Parlamentspräsident (bis 2000).

Bis heute ist Landsbergis einer der bekanntesten Politiker Litauens und in seiner Partei, der konservativen Vaterlandsunion, sehr einflussreich. Dabei zeigt er wiederholt, auch 20 Jahre nach der Unabhängigkeit, eine kritische Haltung gegenüber Russlands Regierung.

Seit der ersten litauischen Europawahl 2004 sitzt er als Mitglied der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament. Hier gehört er dem Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten sowie dem Unterausschuss für Sicherheit und Verteidigung an.

Landsbergis gehört zu den 89 Personen aus der Europäischen Union, gegen die Russland, wie Ende Mai 2015 bekannt wurde, ein Einreiseverbot verhängt hat.



Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. Mai 2003 wurde ihm von Volker Schimpff als Vertreter des sächsischen Landtagspräsidenten Erich Iltgen für sein Engagement für Freiheit, Demokratie und das Selbstbestimmungsrecht die Sächsische Verfassungsmedaille verliehen.



Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ehrenbrger von Kaunas, seit Januar 1994


Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Knigliche Konservatorium zu Leipzig mit den Augen eines Studenten, Briefe von M. K. Ciurlionis. In: Beitrge zur Musikwissenschaft. herausgegeben vom Verband der Komponisten und Musikwissenschaftler in der DDR, Heft 1/1979, Berlin 1979, S. 42?69.
  • Jahre der Entscheidung. Litauen auf dem Weg in die Freiheit. Eine politische Autobiographie. Edition Tertium, Ostfildern 1997, ISBN 3-930717-39-5.


Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]



Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ?Geschichte Litauens (S. 18)
  2. ?Autoren der Aufstze: Vytautas Landsbergis. In: Beitrge zur Musikwissenschaft. herausgegeben vom Verband der Komponisten und Musikwissenschaftler in der DDR, Heft 1/1979, Berlin 1979, S.71.
  3. ?Andreas Borcholte: Einreise-Verbote: Russland wirft EU-Politikern Show-Gehabe vor. In: Spiegel Online.31.Mai 2015, abgerufen am 1.Juni 2015.
  4. ?RUS: Russische Visasperrliste. In: yle.fi.26.Mai 2015, abgerufen am 1.Juni 2015 (PDF 23KB).
  5. ?Pressemitteilung vom 6. Mai 2003: Schsische Verfassungsmedaille fr Vytautas Landsbergis. abgerufen am 18. August 2016

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Konzert und Ausstellung mit Vytautas Landsbergis zum Thema "Mikalojus Konstantinas Ciurlionis – Komponist" in Sanok (2013).Bild: Zscout370Lizenz: PD-LT-exempt (flags)
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Audio-Datei / HörbeispielVytautas Landsbergis?/i (* 18. Oktober 1932 in Kaunas) ist ein litauischer konservativer Politiker und Musikwissenschaftler, von 1978 bis 1990 Professor an der Lietuvos muzikos akademija in Vilnius. Er war als Vorsitzender des provisorischen Parlaments (Seimas) das erste Staatsoberhaupt Litauens nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit 1990. Er war später Parlamentspräsident und bis 2014 Mitglied des Europäischen Parlaments.

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Vytautas Landsbergis wird in Kaunas geboren. Vytautas Landsbergis ist ein litauischer konservativer Politiker und Musikwissenschaftler, von 1978 bis 1990 Professor an der Lietuvos muzikos akademija in Vilnius. Er war als Vorsitzender des provisorischen Parlaments (Seimas) das erste Staatsoberhaupt Litauens nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit 1990. Er war später Parlamentspräsident und bis 2014 Mitglied des Europäischen Parlaments.

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Vytautas Landsbergis ist heute 85 Jahre alt. Vytautas Landsbergis ist im Sternzeichen Waage geboren.

Erfolge, Titel, Orden & Ehrungen

1994

Ehrung:
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Ehrenbürger von Kaunas, seit Januar

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